Warum muss ein Testament handgeschrieben sein? - meinanzeiger.de
17. November 2017
Erfurt

Warum muss ein Testament handgeschrieben sein?

Nur eine Frage:

Ist ein handgeschriebenes Testament noch zeitgemäß?  Die Antwort weiß Prof. Dr. Giesela Rühl, LL.M. (Berkeley), Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht, Internationales Privat- und Prozessrecht, Europäisches Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Mit einem Testament regelt der Erblasser, was mit seinem Vermögen geschehen soll, wenn er tot ist. Es gewinnt deshalb erst dann Bedeutung, wenn der Erblasser nicht mehr lebt – und nicht mehr gefragt werden kann, ob das Testament tatsächlich von ihm stammt. Um zu verhindern, dass sich Dritte diesen Umstand zunutze machen und ein Testament zu ihrem eigenen Vorteil fälschen, müssen Testamente nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs vom Erblasser „eigenhändig ge- und unterschrieben“ werden.

Diesen Anforderungen genügt ein Testament, wenn der Erblasser den gesamten Text per Hand schreibt und am Ende seine Unterschrift darunter setzt. Denn dann kann nach dem Tod des Erblassers – im Zweifel durch einen Handschriftenvergleich oder mit Hilfe eines graphologischen Gutachtens – geklärt werden, ob das Testament tatsächlich von ihm verfasst wurde.

Computer oder Schreibmaschine?



Wird ein Testament auf der Schreibmaschine oder dem Computer geschrieben, lässt sich die Urheberschaft demgegenüber nicht mit Sicherheit feststellen. Das gilt selbst dann, wenn das Testament ausgedruckt und unterschrieben wurde. Denn eine Unterschrift kann – im Gegensatz zu einem ganzen Text – leicht gefälscht werden. Ein schreibmaschinen- oder computergeschriebenes Testament ist deshalb – im Interesse und zum Schutz des Erblassers – unwirksam.

Übrigens: Wer ganz sicher gehen will, dass sein letzter Wille nach seinem Tod durchgesetzt wird, kann ein Testament auch mit Hilfe eines Notars errichten. Das kostet zwar Geld, hat aber den Vorteil, dass das Testament vor dem Zugriff durch Dritte geschützt ist. Außerdem kann ein notarielles Testament – anders als ein eigenhändiges Testament, das in der Regel zu Hause aufbewahrt wird – auch nicht verloren gehen. Da es im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer registriert wird, ist schließlich sichergestellt, dass es nach dem Tod des Erblasser gefunden und vollstreckt wird.

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