18. Juni 2018
Erfurt

Wenn es zum Himmel stinkt

Illegale Müllentsorgung

 +Kostenfrei lässt sich von Privathaushalten nahezu jeder Müll entsorgen, dennoch landet viel in der Natur +

Das Streitgespräch in einer kleinen Kaffeebar ging so: „In die südasiatischen Länder, ich war in Kambodscha oder Indien, kann ich bald nicht mehr fahren. Die Städte, Strände und Flüsse – alles ist voller Müll. Die Leute dort haben eben kein Bewusstsein dafür, nicht so wie bei uns.“ Darauf der Andere: „Das haben wir auch nicht. Geh mal an Flüssen, Feldwegen oder Seen entlang, einfach aus dem Auto gekippt. Was wir haben, ist ein funktionierendes Müllsystem, das fehlt den dort unten.“

Auflösen lässt sich der Streit nicht. Das Problem mit dem wilden Entsorgen allerdings besteht. Allein 900 Fälle wurden im Jahr 2017 in Erfurt und Umgebung an das Umweltamt gemeldet, manchmal auch direkt an die Stadtwirtschaft. Sprecher Ivo Dierbach weiß: „Etwa zwei-, dreimal im Monat bekommen auch wir Meldungen. Wir leiten diese weiter an das Umweltamt und bekommen von dort den offiziellen Auftrag zur Reinigung.“ In Jena führt man keine exakte Statistik, schätzt die Fälle aber auf weit über 100 im Jahr, wie die Stadtsprecherin Roswitha Putz erklärt. Die Mitarbeiter aus der Saalestadt können noch einen Fakt beisteuern: Müll, wenn er einmal liege, vermehre sich erstaunlich schnell. Die Hemmschwelle sinke, Müll illegal zu entsorgen, wenn an der entsprechende Stelle bereits ein Abfallhaufen besteht, zeigt die Beobachtung.

Eine beliebte Ablagerungsstelle ist zeitweise rund um den Erfurter Nordstrand zu finden, dort muss die Stadtwirtschaft immer wieder ausrücken. Da, wo früher eine Großraumdisko angesiedelt war, verhindert inzwischen ein Zaun, dass er sich weiter türmt. Entlang der Zufahrtsstraße in den Einbuchtungen passiert es auch oft im Dunklen: Kofferraum auf, Müll raus und weg. Wie das Umweltamt Erfurt bestätigt, fände man Müllablagerungen vor allem an Feldwegen oder auf Brachflächen in wenig besiedelten bzw. abgelegenen Bereichen der Stadt. Und weiter heißt es von dort, meistens würden Sperrmüll, Autoreifen, große Elektrogeräte aber auch Säcke mit Hausmüll oder Bauschutt gemeldet. Der Sprecher der Stadtwirtschaft Ivo Dierbach ergänzt: „Nur 200 Meter vom beliebten illegalen Müllplatz befindet sich unser neuer Wertstoffhof. Dort ist das Entladen von Abfall legal, umweltgerecht und rückenschonend. Eine überdachte Rampe sorgt dafür, dass man im Regen dabei nicht nass wird. Wilde Ablagerungen sind völlig unnötig, umweltschädlich und unsozial. Neben dem hässlichen Erscheinungsbild entstehen zusätzliche Kosten, die jeder Bürger indirekt tragen muss“. „Das alte Sofa, Äste, Öle, Farbeimer, Fernseher kann man zum neuen Wertstoffhof um die Ecke fahren. Bauschutt allerdings muss weiter zum Annahmeplatz auf der Deponie in Erfurt Schwerborn“, gibt er den Hinweis. Einige Dinge wie Bauschutt, Akten, Altfenster, Altglas (Flach-, Problem- und Autoglas), Altreifen, Alträder kosten geringe Gebühren. Das könnte ein Grund sein, warum sich diese Dinge auch häufiger in der Natur entsorgt finden, obgleich das Aufwand und das Risiko es dorthin zu bringen, größer sind.

„Alles, was sich normal im Haushalt befindet und Sperrmüll sowie Sonderabfall kosten nichts.“ Teuer wird es stattdessen für die, die beim illegalen Müllentsorgen erwischt werden. Bei weniger als sechs Autoreifen kostet es noch bis zu 200 Euro, ab fünf aufwärts werden bis zu 1000 Euro fällig. Bei Bauschutt mit mehr als fünf Kubikmetern können es bis zu 10.000 Euro werden, eine Fahrzeugbatterie kann mit bis zu 100 Euro zu Buche schlagen. Und so hat jeder unsachgemäß entsorgte Müll seinen Preis im Katalog (Strafen für illegale Müllentsorgung).

Und das sagt das Umweltamt Erfurt:

Wohin genau meldet man wilde Müllstellen?
Soweit es sich um widerrechtliche Abfallablagerungen, wie Sperrmüll, Autoreifen, E-Geräte od. ähnliches handelt, per E-Mail an die Umweltämter oder die Gemeinde (in Erfurt z.B. umweltamt@erfurt.de oder abfallbehoerde.umweltamt@erfurt.de oder telefonisch an das Umweltamt (0361 655.2505). Für Verunreinigungen in Park- und Grünanlagen ist dagegen das Garten- und Friedhofsamt zuständig.

Wie oft kommt das für eine Stadt wie Erfurt im Schnitt vor?
Zu den eingehenden Meldungen wird keine Statistik geführt. Das Umwelt-und Naturschutzamt hat im Jahr 2017 ca. 900 Hinweise zu Abfallablagerungen bearbeitet, die aus eigenen Feststellungen, Hinweisen des Bürgeramtes und Mitteilungen von Bürgern resultieren.

Neben dem großen Müll gibt es allerorten auch den kleinen Müll …
Soweit mit dieser Frage das Thema „Littering“ (Wegwerfen von kleinteiligem Müll/Verpackungen) gemeint ist, sind natürlich alle Unternehmen in der Pflicht, die Speisen und Getränke zum sofortigen Verzehr in Einwegverpackungen verkaufen (z.B. Coffee to go, Eis-Pappbecher, Pizza oder Speisen in Plastik- oder Pappbehältern), dem Käufer eine Entsorgungsmöglichkeit für die Verpackung anzubieten. Besser wäre natürlich alternative Pfandsysteme zu nutzen, um die vielen Verpackungsabfälle grundsätzlich zu vermeiden.

Auch interessant