Wie ein Erdbeben der Stärke 8 - Kabinenpredigt - meinanzeiger.de
27. Januar 2020
Erfurt

Wie ein Erdbeben der Stärke 8

Rot-Weiß Erfurt: Die Zukunft der Profiabteilung steht auf der Kippe

Wie lange ­Cheftrainer Robin Krüger (mitte) noch zur Mannschaft spricht, ist ungewiss. Foto: Frank Steinhorst

Von René Arand & Axel Heyder

Arand: Gerade lief die Vorbereitung auf die Restrückrunde gut an, sportlich gesehen. Bei zahlreichen Hallenturnieren feierte die Mannschaft Siege. Das erste Vorbereitungsspiel gegen Oberligist Northeim wurde mit 9:0 gewonnen. Und plötzlich…

Heyder: Fliegt einem ein bürokratischer Begriff um die Ohren, dessen Bedeutung man erst mal bei Wiki nachlesen muss. „Masseunzulänglichkeit“ heißt leider nicht anders, als Insolvenz in der Insolvenz. Man kann nicht einmal die Grundverpflichtungen erfüllen – Gehälter oder Stadionmiete beispielsweise – weil die Insolvenz­masse dafür nicht ausreicht. Was bürokratisch klingt, könnte das Ende des Klubs bedeuten, der 1966 aus dem SC Turbine Erfurt hervor ging und Tausende Stunden Freude, Leid und Emotionen für Generationen von Fans mit sich brachte.

Arand: Ja, da ist eine Bombe geplatzt! Wie ein Erdbeben der Stärke 8,0 auf der Richterskala. RWE ist nach Streitigkeiten mit dem Hauptsponsor im Moment zahlungsunfähig. Alle sind geschockt: Trainer, Mannschaft, Mitarbeiter. Die Nachricht kam überraschend, als ihnen Insolvenzverwalter Volker Reinhardt mitteilte, die Gehälter könnten nicht gezahlt werden. Schuldenabbau vor der Fortsetzung des ­Spielbetriebs, ist das ein Konzept?
Heyder: Leider fehlt einem der tiefere Einblick: Aber es kann ja nur eine Strategie geben. Den Verein auf die Beine zu bringen, um künftig Geld mit dem Fußball zu generieren. Dafür braucht es einen laufenden Spielbetrieb, der muss über Allem stehen. Ein Sponsor wäre zurecht sauer, wenn das Geld zum Schuldenabbau benutzt worden wäre. Insolvenzverwalter Reinhard bestreitet das allerdings. Die Wahrheit kennen die Beteiligten. Fakt ist, bei diesem Poker gibt es am Ende nur Verlierer.

Arand: Verständlich, dass auch das geplante Testspiel bei den Kickers aus Offenbach abgesagt wurde. Die Spieler dürfen, wer möchte, den ­Verein verlassen. Manch einer, wie man hört, wird davon Gebrauch machen. Wer am Ende bleibt, weiß keiner. Leidtragende sind Spieler und Fans.

Heyder: Die aktuelle Woche könnte viele Entscheidungen mit sich bringen. Wir können nur hoffen, dass wir uns demnächst nicht vollständig von unseren Lesern verabschieden müssen, weil nur noch der Nachwuchsbereich übrig geblieben ist und die GmbH rückabgewickelt wurde, so wie beantragt.

Arand: Die Fortsetzung des Spielbetriebs hängt nun an neuen Sponsoren, RWE steht auf der Klippe, wie so oft. Ob damit das geplante Heimspiel am 1. Februar gegen Aufstiegsfavorit Energie Cottbus stattfindet und welche Mannschaft dort überhaupt auf dem Rasen aufläuft, steht in den Sternen. Wäre es besser, den Laden dichtzumachen und einen kompletten Neustart zu wagen? Was meinst Du?

Heyder: Nein, auf keinen Fall. Ziel muss es sein, Rot-Weiß eine Überlebenschance zu geben. Da warten wir aber wohl vergeblich auf den ­Münchhausen-Coup, bei dem sich RWE selbst am Schopfe aus dem Sumpf zieht.

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