Wie kam es zur Unordnung unter „Hempels Sofa“? - meinanzeiger.de
13. April 2018
Erfurt

Wie kam es zur Unordnung unter „Hempels Sofa“?

Serie: Nur eine Frage

Die Antwort weiß Prof. Dr. Dr. Csaba Földes
 
Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erfurt und Leiter der Forschungsstelle für Interkulturalität und Mehrsprachigkeit. Infos: www.foeldes.eu


Dieses umgangssprachliche Phrasem existiert in verschiedenen Varianten: hier sieht‘s aus wie bei Hempels ­unterm Bett / hinterm Sofa / unterm Sofa / unter dem Wohnwagen oder hier sieht‘s aus wie bei Hempels (die Küche) und hat die Bedeu­tung: Hier herrscht große Unordnung, unbeschreibliches Durcheinander.

 Die Herkunft ist, wie bei vielen anderen Redewen­dungen auch, nicht mit letzter Gewissheit zu rekonstruieren. Die Deutungsversuche gehen vor allem in zwei ­Richtungen. Eine Version motiviert die Redensart so: Anfang des 20. Jahrhunderts räumten in einer süddeutschen Stadt die Zirkusleute, die ja fortwährend von einem Ort zum anderen zogen, ihre Wohnwagen immer mit großer Sorgfalt auf. Eine Ausnahme soll ein Buden­­­­be­sitzer namens Hempel gewesen sein, der regelmäßig Müll und andere Abfälle unter seinen Wohnwagen schaffte, anstatt in die vorgesehenen Behälter zu kehren. Und wenn der Tross am nächsten Tag weiterfuhr, dann fiel auf, wo der Wagen der Familie Hempel gestanden hatte.

 Vorstellbar ist auch eine andere Variante: Hempel leitet sich offenbar aus dem Wort Hampel her. Mit Hampel oder Hampelmann bezeichnete man früher einen einfältigen und unkultivierten Menschen, der als chaotisch und unordentlich galt. Das Wort war schon zu Zeiten Martin Luthers bekannt. Die Redewendung von „Hempels Sofa“ verbreitete sich allerdings erst im 20. Jahrhundert. Nicht zuletzt der deutsche Liedermacher Reinhard Mey verhalf ihr 1991 dank seines populär gewordenen Schlagers mit dem Titel „Bei Hempels unterm Bett“ zu größerer Bekanntheit. Das Lied hat also die Redensart aufgegriffen und sie in einem Refrain verbreitet: „Ach wie nett, ach wie adrett! / Aber wie, aber wie, aber wie, aber wie, aber wie / Sieht‘s aus bei Hempels unterm Bett?“ Heute ist der Ausdruck nicht nur in der Alltagssprache, sondern besonders auch im politischen Jargon und in der Sprache der Medien geläufig.

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