Wir müssen siegen gegen den HFC Chemie - meinanzeiger.de
20. Oktober 2017
Erfurt

Wir müssen siegen gegen den HFC Chemie

RWE-Fan zu sein erfordert derzeit eine Menge Eigenschaften: leidensfähig sein, schmerzunempfindlich, Häme aushalten können, keine großen Erwartungshaltungen, sich über kleinste fußballerische Dinge der
Mannschaft freuen – und unerschütterlicher Optimist sein im festen
Glauben „Alles wird gut „….


Man hat schon manche Saison erlebt mit vielen Aufs und Abs und auch Zeiten in den Niederungen der Tabelle. Aber nach 12 Spieltagen auf Platz 20 mit nur 9 Punkten und 6:17 Toren – das gab es letztmals 2012 nach
vollkommen verkorksten Saisonstart unter Trainer Emmerling und dem ihn
ablösenden Alois Schwartz – der zum Einstand im September 2012 drei Spiele
hintereinander mit 0:3 verlor und RWE kurz vor Weihnachten dann erstmals den Abstiegsplatz verließ.


Allerdings hat sich die Liga in den letzten Jahren auch gravierend verändert – die Punkt- und Platzabstände werden immer enger und ab Platz 9 mit der SG Sonnenhof Großaspach und 15 Punkten ist nach unten bis zu
RWE alles dicht beieinander. 1,2,3 Siege oder Niederlagen – und man
fährt in der Tabelle weit nach oben oder rauscht gnadenlos nach unten.
So RWE geschehen – die letzten 5 Pflichtspiele inklusive Pokal wurden
alle verloren. Am 15.September ging man im Osnabrücker Flutlicht noch
als strahlender Sieger vom Platz – anschließend wurde RWE durchgereicht
auf Platz 20. 5 lange Wochen haben die Jungs nicht mehr gewonnen. In
manchen Spielen immer lange gut mitgehalten und einfach keine Tore
geschossen, einfach nicht in Führung gegangen trotz Möglichkeiten – was
die Beine leichter gemacht hätte, das Naturell froher und der Kopf nach
oben gegangen wäre. Am Ende erzählte uns jeder etwas, das wir ein
schwerer Gegner waren – dafür bekamen und bekommen wir keine Punkte.


Nachdem man aus der ersten Serie von 3 Ostduellen im Sommer nur 1 Punkt aus 3 Spielen holte – früher war „Ostduell “ eineLieblingsdisziplin von RWE – stehen jetzt noch einmal 2 solche Duelle
auf dem Plan – zu Hause gegen den HFC Chemie und eine Woche später am
Freitagabend beim Chemnitzer FC. Beide Ostgegner sind in tabellarischer
Reichweite von RWE.


Beim HFC Chemie ist seit der Saisonvorbereitung Unruhe im Verein. Der Streit um sportliche Ausrichtung der Mannschaft und welche Spieler man verpflichtet zwischen Sportdirektor Böger und Trainer Rico Schmitt
führte zu jeder Menge Absagen interessierter Spieler beim HFC Chemie
sowie zum Umstand, das bis kurz vor Saisonschluß der Kader keineswegs
rund war. Am Ende durfte Sportdirektor Böger gehen, der auch außerhalb
des HFC Chemie nicht unbedingt Popularität genießt. Prominenteste
Verpflichtung beim HFC Chemie ist Matthias Fetsch vom
Zweitligaaufsteiger Holstein Kiel – der nun nach Dresden bereits den
zweiten Aufsteiger verlässt und in Liga 3 zurückbleibt. Jedoch ebenfalls
lange brauchte, um in die Mannschaft zu kommen. Ansonsten gab es die
Rückkehr des nach Mainz II ausgeliehenen Petar Sliskovic, der beim HFC
anscheinend langsam sein Potential abruft. Alle anderen verpflichteten
Spieler des HFC stammen in aller Regel von den Ersatzbänken eines
Zweiligisten und aus den Kadern von Regional- und Oberligisten.


Rico Schmitt hatte vergangenen Samstag sein „Schicksalsspiel“ – der 3:0-Heimsieg gegen ein schwaches Sonnenhof Großaspach war das erste Spiel der Saison ohne Gegentor überhaupt und sicherte Schmidt vorerst
seinen Arbeitsplatz. Mit 19 geschossenen Toren ist man eine der besseren
Offensiven – aber mit 22 Gegentoren eben auch nur schlicht die
„Schießbude “ der Liga. Pro Spiel gab es meist um die 2 Gegentore für
den HFC Chemie. Auch die Anzahl ausprobierter taktischer Varianten durch
Rico Schmitt ist fast abenteuerlich – in 12 Punktspielen versuchte
Schmitt 8 verschiedene taktische Systeme spielen zu lassen mit einer
bescheidenen Ausbeute von 13 Punkten. Immer häufiger wird in der Abwehr
mit einer 3er-Kette sowie defensiv einer sich aufbauenden 5er-Kette
gespielt – trotzdem gab es jede Menge Gegentore für den HFC Chemie.


Die defensive Stabilität der Halloren ist durch das bereits lange Fehlen von tragenden Säulen wie Innenverteidger Franke, dem seit Wochen fehlenden überragenden Defensivspieler Royal-Dominique Fenell und von
Kapitan Claus Gjasula erheblich beeinträchtigt. Zwischenzeitlich spielte
Gjasula 2 Spiele – sein Einsatz in Erfurt ist jedoch schon wieder
äußerst fraglich. Auch das Fehlen des sehr beweglichen Stürmers Benjamin
Pintol macht sich beim HFC bemerkbar – man braucht schlicht zu viele
Chancen zum Abschluß trotz 19 Toren in 12 Spielen. Erfreut wird Trainer
Schmitt wohl zur Kenntnis nehmen, das zumindest Stammtorwart Oliver
Schnitzler nach seiner Rotsperre wieder dabei sein kann – den er nun allerdings erst einmal auf die Bank schickt und den 19-Jährigen Tom Müller zur Nummer 1 erklärte.


Bei RWE ist das Ostduell mit den Hallensern fast ein Schicksalsspiel für den Verlauf der Saison bis Weihnachten. Verliert man dieses Duell erneut und lässt in der Tabelle abreißen, kommen trotz Trainerwechsel
von Stefan Krämer auf David Bergner knüppelharte Zeiten auf den Verein
zu – denn neben den sportlichen Ängsten spielen sich leider auch abseits
des Platzes unangenehme Dinge ab, die nicht zur Ruhe und
Geschlossenheit im Verein beitragen. Letzter Höhepunkt ist die „Flucht „
des Herrn Kalt aus dem Präsidium – das man das schriftlich aus dem
Urlaub macht ist nicht unbedingt guter Stil.
Das sowohl der Aufsichtsrat wie der verbliebene Präsident Rombach nun schon öffentlich Machtkämpfe austragen, schadet dem Verein. Das ein Aufsichtsrat per Zeitung eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 4.November absagt und der Präsident per eigener Homepage des Vereines 2 Tage später den Termin bestätigt und dabei dem Aufsichtsrat Unkenntnis der eigenen Vereinssatzung nachsagt ist ziemlich starker Tobak……

Egal – RWE braucht am Samstag im Duell mit dem HFC Chemie 3 Punkte – und es ist im Moment auch sehr egal, wie diese 3 Punkte zustande kommen.Die Mannschaft muss endlich ein Spiel gewinnen und mehr Tore schießen
wie der Gegner, um den Kopf frei zu bekommen.


Uzan, Bergmann und Vocaj – auf die viele Fans warten – werden aus bekannten Gründen nicht dabei sein. Bieber hat sich mit seinem selten“dummen“ Platzverweis in Köln für ein Spiel gesperrt. Wegmann fällt bis
etwa Dezember mit Muskelfaserriss aus. Kammlott
ist nach Klärung familiären Dinge wieder beim Team. David Bergner wird als Trainer seinen Heimeinstand haben. Man wünscht ihm eine gute Hand bei der Führung der Mannschaft und den Erfolg, das RWE unter seiner Leitung 3 Punkte holt.

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