17. März 2021
Gera

ADFC-Fahrradklimatest 2020

Radfahrer in Gera noch weniger zufrieden als 2018

Radfahrer sind mit den Verhältnissen in Gera nicht zufrieden und vergeben die Schulnote 4,16 bei der subjektiven Bewertung der Fahrradfreundlichkeit in ihrer Stadt. (Symbolbild: Pixabay)

Gera. Die Auswertung des ADFC-Fahrradklimatests 2020 liegt vor: Die Umfrage unter Radfahrern zeigt, dass sie mit den Verhältnissen in Gera noch weniger zufrieden sind als zuvor. Schulnote 4,16 vergaben sie im Durchschnitt bei der subjektiven Bewertung der Fahrradfreundlichkeit, nach 3,92 im Jahr 2018. Insbesondere in der letzten Zeit sei nicht viel für den Radverkehr getan worden. Weitere Hauptkritikpunkte waren Falschparken auf Radwegen, Winterdienst auf Radwegen, die gefühlte Sicherheit im Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen, Breite der Wege für Radfahrer und Führung an Baustellen sowie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für das Radfahren. Dabei fiel die Bewertung jeweils deutlich schlechter aus als vor 2 Jahren. Zwar hat sich die Breite der Wege für Radfahrer objektiv nicht verringert, doch wird diese sowohl im Vergleich mit anderen Städten wie auch vor dem Hintergrund neuer Regelungen zum seitlichen Überholabstand zunehmend als unzureichend wahrgenommen. Die Teilnehmerzahl an der Befragung stieg um 42 Prozent Das korreliert mit dem zunehmenden Interesse am Radfahren. Dennoch liegt Gera bei der Teilnehmerquote nur auf Platz 1008 von 1024 ausgewerteten Städten. „Auch darin spiegelt sich  der geringe Stellenwert des Fahrrads als Verkehrsmittel und nicht nur als Sportgerät in Gera“, so der ADFC-Kreisvorsitzende Friedrich Franke. Mit einem Radverkehrsanteil von etwa 5 Prozent liegt Gera nur bei etwa der Hälfte des Bundesdurchschnitts, in den auch ländliche Räume oder noch bergigere Gegenden mit einfließen.

Eine Zusatzbefragung zum Radfahren in der Corona-Zeit zeigte, dass auch in Gera mehr Menschen mit dem Rad gefahren sind. Wie in anderen Städten in Thüringen wurde aber anders als in anderen Bundesländern von Politik und Verwaltung in keiner Weise darauf reagiert. Die hierfür verteilten Noten der Teilnehmer decken sich damit, dass in dieser Zeit aus dem Rathaus nichts für den Radverkehr kam, außer nach monatelanger Vakanz eine vorläufige Neubestellung eines Radverkehrsbeauftragten.

Für mehr Radverkehr in Gera würden Imagekampagnen nicht genügen – notwendig sei auch der Bau von Radwegen da, wo sie gebraucht werden und nicht nur dort, wo sie zuwachsen wie im Gewerbegebiet Bieblach-Ost, oder Fahrradständer an Schulen, so der ADFC.

Radfahrer*innen waren im Herbst 2020 bundesweit aufgerufen, im ADFC-Fahrradklima-Test
die Fahrradfreundlichkeit vor Ort zu beurteilen. Nun liegen die Ergebnisse vor. (Symbolbild: Pixabay)

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