8. Juli 2021
Gera

Hör mal im Schaudenkmal – Audioguide in der Lohgerberei

Uwe Strauch von museum.de (Produzent des Audioguides) im Gespräch mit Gerberurgestein Gerhard Künzel bei der Führung zur Präsentation des Audioguide. (Foto: Stadt Weida)

Weida. Vor einigen Jahren war „Hör mal im Denkmal“ das offizielle Motto des deutschlandweiten Tages des offenen Denkmals. Im Technischen Schaudenkmal Lohgerberei wird dies ab heute (8. Juli) buchstäblich erlebbar.

 Bisher fanden nur klassische Führungen in der Lohgerberei statt. Geschultes Personal erläuterte den Maschinenpark und die Funktionsweise sowie den Arbeitsprozess, um aus Rinderhaut haltbares Leder herzustellen. Der direkte Kontakt zu den Besuchern war gut und sinnvoll. Unter Coronabedingungen ist dies wesentlich schwieriger geworden. Klassische Audioguides sind aufgrund der Weitergabe bzw. des Desinfektionsgebotes auch keine Alternative.

Und so entschloss sich die Stadt Weida im 20. Jahr des Bestehens der Schauanlage, ein Angebot des Museumsportals museum.de zu nutzen. Im letzten Vierteljahr entstand ein Hörspiel mit 15 Stationen. Jetzt können Familien oder Einzelpersonen mit Abstand unter digitaler Anleitung durch die alte Fabrik gehen.

Die Präsentation des neuen Audioguides fand am Donnerstag, dem 8. Juli 2021, statt. Udo Geldner, 2. Beigeordneter, freute sich bei der ersten öffentlichen Vorstellung der Neuerung über den digitalen Schub, den es nun zusätzlich zur Osterburg auch in der Lohgerberei zu nutzen gilt.

Die von museum.de konzipierten Audioguides sind kostenlos über den Browser des Smartphones der Besucher oder mit einem QR-Code-Scanner verfügbar.

Der hörspielartige Smartphone-Guide ist eine Ergänzung zur klassischen Führung und ersetzt nicht die Mitarbeiter*innen im Schaudenkmal. Nur sie setzen die voll funktionstüchtigen Maschinen der Lohgerberei in Gang und übernehmen die Gruppenführungen. Nur sie können die Besucherfragen beantworten und bewirten die Ü-18-Gäste mit „Lohbrühe“, einem feinherben Kräuterschnaps.

Die Anschaffung eines Audioguides dieser Art war nur mit Förderung durch das Bundesprogramm „Neustart Kultur“ möglich. Das Portal Museum.de hat die Hörspielidee ausgearbeitet, wo der alte Gerbermeister, der vor der Aufgabe seines Betriebes steht, einem wissensdurstigen Jungen im Praktikum alles erklärt, wie das so geht, bis aus einer Rinderhaut ein festes, lange haltbares Stiefel- oder Sohlenleder geworden ist.

Dabei verzichtet man auf Fachbegriffe und Gerberlatein und erzählt uns die Sachgeschichte ein bisschen so, wie bei der Sendung mit der Maus.

Auch Digitalskeptiker und Anhänger von Führungen durch richtige Menschen werden in Weidas zweitbedeutendsten Sehenswürdigkeit ernst genommen. Für sie gibt es auch weiterhin die klassischen Führungen mit Manpower.

Übrigens findet man bei der Website von museum.de die anderen Audioguides von allen Museen, die bei der Aktion mitmachen. Durch diese Vernetzung werden Besucher angeregt, auch noch andere Häuser zu besuchen. Die steigenden Besucherzahlen werden auch Weida, als Eigentümer des Schaudenkmals, recht geben.

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