23. Dezember 2016
Gera

Pensionierter Pfarrer Jürgen Hauskeller engagiert sich für Kinder im Kongo

Ein zweites Leben für Afrika
Der pensionierte Pfarrer Jürgen Hauskeller engagiert sich für Kinder im Kongo ¬– Thüringer Hilfsverein zählt über 200 Mitglieder und betreibt zwei Waisenhäuser und eine Schule

Zwei Leben sind Jürgen Hauskeller beschieden. Im ersten war er ein engagierter Pfarrer in Sondershausen, füllte zu DDR-Zeiten seine Kirche mit modernen Gottesdiensten und Konzerten, war Seelsorger in schwieriger Zeit, begleitete Aufbruch und Umbruch in den Wendejahren.

Doch mit 63 war Schluss. Der Pfarrer wurde in den Ruhestand versetzt ¬– wie viele seiner Kollegen damals. „Doch ich war zu jung, um mich in den Liegestuhl zu setzen“, blickt er auf jene Zeit vor 16 Jahre zurück. Sie markiert den Weg ins zweite Leben.

Heute ist Hauskeller 79. Doch das Alter sieht man ihm nicht an. Seine Aufgaben scheinen ihn jung zu halten. Mittlerweile ist er in Altenburg zu Hause. Hier arbeitet seine Frau, ebenfalls Theologin, als Klinikseelsorgerin. Hier kümmern sich beide um ihre drei minderjährigen Kinder. „Wir sind in der Stadt bekannt wir bunte Hunde“, erzählt der Pfarrer im Ruhestand. „Wir sind die Familie mit den drei schwarzen Kindern.“

Die Teenager haben Hauskeller und seine Frau Christine als Babys im Kongo adoptiert. Von 2002 bis 2006 arbeitete das Ehepaar dort für das Bayerische Missionswerk. „In Thüringen und Deutschland hatten wir keine Aufgaben gefunden, die wir gemeinsam ausfüllen konnten“, begründet Hauskeller den Weg in die Fremde. In Kinshasa kümmerten sie sich um die Aus- und Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiter: er als mitreisender Ehemann, sie ähnlich der Funktion einer Superintendentin.

„Ohne Schulgeld werden Kinder in staatlichen Schulen vom Hof gejagt. Wir haben dafür eine Sozialkasse.“
Jürgen Hauskeller


Die Zeit im Kongo hat Jürgen Hauskeller geprägt. „Wer Afrika jenseits von Touristenpfaden kennenlernt, kommt verändert zurück“, ist er sich sicher. Für ihn und seine Frau war schnell klar gewesen: „Adoptionen sind zwar eine gute Sache, aber sie lösen die Probleme im Kongo nicht.“

Nachhaltig wollten die Hauskellers helfen in einem Land, in dem das elementare Überleben alltägliche Aufgabe ist. „Theologie und Bibelunterricht sind dort in gewisser Weise Luxus“, gibt Hauskeller zu. Er hat sich den Menschen dort verschrieben.

Anfangs kümmerten sich er und seine Frau um Mädchen, die als Straßenkinder kein Zuhause hatten. Für sie mietete das Paar einen Raum, in dem die Heranwachsenden tagsüber betreut wurden, stellten einen Lehrer ein, sorgten fürs Essen.

Aus der Anlaufstelle für Straßenkinder wurde bald ein Waisenheim, in einem eigenen Haus. Kurz vor Hauskellers Rückkehr nach Deutschland konnte es eingeweiht werden.

Bis dahin hat das Pastorenehepaar die Projekte privat organisiert. Zurück in Deutschland sorgten sie für eine juristische Plattform, auf der sie weiterarbeiten konnten. Es war die Geburtsstunde des Vereins „Hilfe im Kongo“ mit heute rund 200 Mitgliedern vor allem in Altenburg und Sondershausen. In der Demokratischen Republik Kongo wurde ebenfalls ein Verein gegründet. „Ein Partner vor Ort ist wichtig, um Fördermittel einzuwerben“, erklärt Hauskeller.

Beide Vereine verbindet ein Partnerschaftsvertrag, in dem die Zusammenarbeit geregelt wird. Der Geldfluss wird von Deutschland aus gesteuert. „Ich bin der Finanzminister“, so Hauskeller. Er und seine Mitstreiter habe zudem ein Mitsprachrecht darüber, wer im Kongo für das Hilfsprojekt arbeitet.

Das ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Neben dem Waisenhaus in Kinshasa entstand ein weiteres in Maluku, 80 Kilometer von der kongolesischen Hauptstadt entfernt. Zudem bauten die Deutschen eine Schule, die auch kongolesische Kinder aus dem Ort besuchen können. In fünf Klassen wird dort mittlerweile unterrichtet. Das Interesse an der Schule ist so groß, dass die angedachte Klassenstärke von 50 auf 60 Kinder erhöht werden musste.

„Ich hatte so manche schlaflose Nacht“, erzählt Hauskeller über Geldsorgen, die ihn immer mal wieder belasten. Oft wusste er nicht, wie er die nächste Rate überweisen konnte. Rund 6000 Euro fließen heute monatlich nach Afrika. Mit den Beiträgen der Vereinsmitglieder und mit Spenden werden die Projekte finanziert. Doch manchmal füllt sich die Vereinskasse auch ganz unverhofft. Ein älteres Ehepaar überwies dem Verein einmal 20000 Euro. 50000 Euro kamen gar von den Rotariern aus Reutlingen. Andere entschließen sich, Patenschaften für Kinder zu übernehmen.

„Das Geld kommt direkt bei den Menschen im Kongo an“, verspricht Hauskeller. Denn alle Verwaltungsarbeiten des Vereins werden ehrenamtlich erledigt. Zudem fliegen Hauskellers zwei Mal im Jahr nach Afrika, um den Fortschritt von Schule und Waisenhäusern zu beobachten, Wirtschaftspläne zu überprüfen ¬und ein weiteres Projekt anzuschieben. Ein Gesundheitszentrum mit Behandlungszimmern, Labor, Apotheke und Entbindungsstation soll künftig das Betreuungsangebot erweitern. 2017 möchte man es einweihen.

+ Inform@tion
www.hilfe-im-kongo.de
+ Kontakt
Hilfe für Menschen im Kongo e.V.
Baderei 11, Altenburg
Tel. 03447 – 511 399
verein@hilfe-im-kongo.de

Zur Sache


+ Jürgen Hauskeller hat im November den 4. Thüringer Engagement-Preis 2016 in der Kategorie Senioren gewonnen hat. Thüringer konnten in einem Online-Voting abstimmen und setzten Jürgen Hauskeller und sein Engagement im Kongo unter fünf Kandidaten an die erste Stelle.
+ Den Verein „Hilfe im Kongo“ kann man auf vielfältige Weise unterstützen: über eine Vereinsmitgliedschaft, über Spenden und Patenschaften.
+ Patenschaften können für Waisenkinder und Schulkinder übernommen werden. Rund 200 Paten sind bisher bundesweit vermittelt worden. Für sechs Waisenkinder und viele Schulkinder werden noch Unterstützer gesucht. Die Paten werden regelmäßig über die Entwicklung ihrer Patenkinder informiert.
+ Der Verein bringt jährlich einen Kalender heraus, dessen Verkauf ebenso zur Finanzierung der Projekt im Kongo beiträgt.

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