18. November 2021
Gera

Serie MeinMuseum: Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz

Eine Zeitreise in das 16. und vor allem in das 17. Jahrhundert

Das Heinrich-Schütz-Haus in Bad Köstritz. (Archiv Heinrich-Schütz-Haus)

Friederike Böcher

Empfohlen von Direktorin Friederike Böcher:

Was gibt es „Musehenswertes“?

In unsrem Hause versuchen wir Leben und Werk sowie die Zeit von Heinrich Schütz vorzustellen. Er war der erste deutsche Komponist von internationaler Bedeutung – wie man immer so schön sagt, aber was bedeutet das eigentlich? Wir laden unsere Besucher zu einer Zeitreise in das ausgehende 16. und vor allem in das 17. Jahrhundert ein. Vorstellungswelt, Zeitgeschichte, Musik, Musikinstrumente, aber auch Lebensumfeld wird thematisiert. Ganz einfach: woran glaubte man zu der Zeit, was war wichtig, welche Musik erklang wo und von wem …

Woran führt kein Weg vorbei?

An unserer Instrumentenkammer: Nach dem Vorbild der Dresdner Instrumentenkammer, die Schütz vorgefunden hat als er endgültig 1617 kurfürstlich-sächsischer Hofkapellmeister in Dresden wurde, haben wir einen Raum mit Instrumenten bestückt: von der Schalmei zum Großpasspommer, vom Garklein-Flötlein bis zum Großbass, Familien von Krummhörnern, Dulzianen, Ranketten, Gemshörnern, Cornamusen bis zu einem „Tintinabulum“! Es ist eine Augenweide! Gleichzeitig kann man auch einen Blick auf rund 70 Jahre Instrumentennachbau werfen. Und das jüngste Instrument ist auf einem 3D-Drucker entstanden!

Außer der Reihe

Sind vielleicht unsere Sonderausstellungen in der Schütz-Haus-Galerie, die in irgendeiner Beziehung zu Heinrich Schütz, seiner Zeit oder der Musik im Allgemeinen oder im Besonderen stehen. Bei der Erarbeitung der Ausstellung müssen wir häufig feststellen, dass wir uns so weit gar nicht von unserem Hausherren und seiner Zeit wegbewegen, selbst wenn es sich um eine Thema wie „Die Verbärung der Welt“ handelt!

Unser „Weihnachtshaus“ ist besonders schön: Wir bereiten gerade eine Ausstellung zu Helmut Rudolph vor, der vor 40 Jahren verstarb. Seine Adventskalender sind jedoch nach wie vor unvergessen: Die Adventsorgel, Der Adventskranz, Der Adventsleuchter, Der Adventsaltar, Die Adventskirche … und viele andere Motive hat er zu wunderschönen Adventskalender verarbeitet, die im Wartburgverlag Max Kessler Jena erschienen. Es waren „DIE“ christlichen Adventskalender der DDR – und immerhin 26 verschiedene! Mit Weihnachtsbaum und Geschenken, den Adventskalendern und viel Weihnachtsdekoration ist unser Haus ein wunderschönes „Weihnachtshaus“!

Außergewöhnlich sind auch unsere Kurse für Alte Musik, die zwei oder drei Mal pro Jahr stattfinden: Aus ganz Deutschland und dem umliegenden Ausland strömen Musikbegeisterte zusammen, um gemeinsam Musik des 16. und 17. Jahrhunderts zu musizieren! Das Abschlusskonzert ist für Kursteilnehmer und Besucher gleichermaßen ein Gewinn: Faszinierend, was in so kurzer Zeit von wenigen Tagen erarbeitet wurde, und der Begeisterung für die Musik einer längst vergangenen Zeit kann sich kein Gast entziehen!

Auch unsere Konzerte an den zweiten Feiertagen – Ostermontag, Pfingstmontag und 2. Weihnachtsfeiertag – sowie am 1. Januar zeigen unser „musikalisches Haus“ – Musik muss erklingen!

Museum zum Anfassen

Es gibt vieles, wo man selbst Hand anlegen darf und muss: Touchscreens laden ein, sich mit unterschiedlichen Bildern zu beschäftigen wie der Schlosskapelle Dresden, „Das Gehör“ von Pieter Brueghel, einer Vanitas-Darstellung oder dem „Großen Krieg“ als Tanz. An einer anderen Stelle gibt es eine Geschichte des Hauses in Bildern oder Informationen zu den Kompositionen von Heinrich Schütz. Unser „Musikalischer Prahlhans“ möchte geöffnet und bestaunt werden. Orgel-Modell und Cembalo laden zum Spielen ein …

Ihr liebstes Stück?

Oh, das ist ganz schwierig! Auf der einen Seite ist es immer das Exponat, das wir gerade versuchen anzukaufen, oder Dinge, die einen lange beschäftigten wie unser Pedal-Clavichord – nach wie vor einmalig auf der Welt! So könnte ein Pedal-Clavichord zur Schütz-Zeit ausgesehen haben. Bekannt ist, dass die Orgelschüler und -studenten – und Heinrich Schütz hat Orgelspiel neben Komposition in Venedig studiert – auf einem Pedal-Clavichord geübt haben, doch es ist kein Instrument aus dieser Zeit überliefert. So haben wir Sherlock Holmes und Watson Konkurrenz gemacht und sind auf die Suche gegangen, wie solch ein Instrument ausgesehen haben könnte. Bilder aus alter Zeit existieren ja. Der Manual-Nachbau kam aus Lennep im Sauerland und das Pedal aus Berlin! Es ist ein sehr außergewöhnlicher Klang. Leise, wohltönend. Es erklingt jedes Jahr am Pfingstmontag im Konzert … (wenn nicht gerade Corona zuschlägt!)

Museum For You

Führungen in Englisch, Französisch und Italienisch bieten wir an. Kurze Einführungen liegen neben diesen Sprachen auch in Japanisch vor.

Sind auch Kinder museumsreif?

Was für eine Frage! Selbstverständlich! Je früher wir es lernen, die „Hemmschwelle“ Museumstür zu überwinden, desto besser! Möglichkeiten gibt es genug: „Wir entdecken ein Museum“ für Kindergarten und Grundschule sowie viele weitere thematische Führungen immer angepasst an die Jahrgangsstufe und die Schulart. Auch hier sind wir offen für Wünsche, die von Schulseite oder Gruppen an uns herangetragen werden. So entstand beispielsweise „Schüler führen Schüler“ oder Arbeitsblätter zur Dauerausstellung ein oder ein Quiz zu der Sonderausstellung. – Auch die Köstritzer Flötenkinder zeigen, dass Jugend und 17. Jahrhundert gut zusammenpassen! Ja, zugegeben, mein jüngstes Flötenkind ist in der Grundschule und mein ältestes hat die 80 schon um einige Jahre überschritten, aber diese Verbindung von jung und „älter“ ist etwas Besonderes! Und wenn wir Heinrich Schütz spielen können, ist das immer etwas Besonderes!

Seit einigen Jahren beteiligen wir uns auch an dem „Bundesweiten Vorlesetag“ und laden unsere Schule und/oder den Kindergarten ein. Zum Besuch oder zu einer Veranstaltung ins Museum zu gehen, sollte für jeden, egal ob klein oder groß, ganz selbstverständlich sein!

Museumsrundgang

Es gibt so viele verschiedene Arten, unser Haus zu entdecken: Es reicht von “ganz klassisch“ einem Rundgang zu Leben und Werk von Heinrich Schütz über Themen des Kirchenjahres bis hin zu den Musikinstrumenten. Auch eine Komposition unseres Hausherren kann im Mittelpunkt stehen und auf Wünsche und Ideen unserer Gäste gehen wir gerne ein!

Museum zum Mitnehmen

Neben Museumsführer, Faltblattmappen und Publikationen über Heinrich Schütz sind es vor allem CDs die man im Hause kaufen kann. Auch Bastelbögen zum Haus bzw. eine Köstritzer Weihnachtskrippe sind erhältlich …

Ach ja: und dann gibt es noch die Köstritzer Sammelflasche. Eine gute Flasche Köstritzer Schwarzbier wird bei uns zu einer nummerierten und limitierten Sonderedition durch ein besonderes Etikett auf der Rückseite. Künstler entwerfen ein Etikett, das eine Verbindung zum Museum, zu Heinrich Schütz, zur Musik oder natürlich zum Bier zeigt. Die Bandbreite der letzten Jahr war groß und wir sind bei der 23. Ausgabe! In diesem Jahr ist es ein neues Porträt von Heinrich Schütz, das Petra Beisse nur aus Worten geformt hat: Namen von Personen aus dem Umfeld von Heinrich Schütz, Werktitel, Orte seines Lebens … Es gibt viel zu entdecken!

Das muss gesagt werden

Wir bereiten uns auf ein sehr besonderes Jahr vor: 2022 begehen wir den 350. Todestag von Heinrich Schütz, aber auch die 450. Geburtstage von Landgraf Moritz von Hessen, dem Entdecker von Heinrich Schütz, sowie von Heinrich Posthumus Reuß, für dessen Trauerfeier Schütz die Musikalischen Exequien komponierte. Das ist für unsere Region noch interessanter! – „Schütz22“ haben wir am Geburtstag des Köstritzers, am 8. Oktober diesen Jahres, eingeläutet und es wird herausragende Veranstaltungen jeglicher Art bis zum Todestag am 6. November 2022 geben: Konzerte, Ausstellungen, „Ein Tag für Heinrich Schütz“, Heinrich Schütz Musikfest, Musikalische Museumsrunden, „Köstritzer lesen für Köstritzer“, … Auf uns warten wunderschöne Veranstaltungen, zu denen Sie herzlich eingeladen sind!

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr;  Samstag, Sonntag und an Feiertagen 13 bis 17 Uhr

Kontakt

Heinrich-Schütz-Haus; Heinrich-Schütz-Straße 1; 07586 Bad Köstritz

Telefon 036605/36198; 036605/2405
E-Mail: info@heinrich-schuetz-haus.de

 

 

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