und
12. Mai 2021
Gera

Serie MeinMuseum: Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg

Das Residenzschloss in Altenburg beherbergt das Schloss- und Spielkartenmuseum. (Foto: © Residenzschloss Altenburg)

Uwe Strömsdörfer (Foto: Residenzschloss Altenburg)

Der Leiter des Schloss- und Spielkartenmuseums im Residenzschloss Altenburg, Uwe Strömsdörfer, stellt sein Museum vor:

Was gibt es „Musehenswertes“?

Inmitten der Stadt Altenburg thront auf felsigem Grund das Residenzschloss. Mit ihm verbinden sich mehr als 1000 Jahre Bau- und Fürstengeschichte. Auf dem ehemaligen Gelände der von Friedrich Barbarossa wiederholt besuchten Kaiserpfalz nahmen später sächsische Kurfürsten ihren zeitweiligen Wohnsitz und begegneten sich in allen Jahrhunderten namhafte Vertreter europäischer Fürstenhäuser. Hier fand 1455 der legendäre, für den mitteldeutschen Raum bedeutende sächsische Prinzenraub statt und hier wurde die Geschichte des Herzogtums maßgeblich bestimmt.

Mit Stadt und Schloss verbindet sich das Wirken bedeutender Geistesgrößen. Mehrfache Besuche und Verhandlungen von Martin Luther und Georg Spalatin sind in Altenburg verbürgt. Von diesen Zeiten und den nachfolgenden Entwicklungen künden beeindruckende bauliche Relikte. So u.a. die gotische Schlosskirche mit ihrer frühbarocken Innenausstattung und der klanggewaltigen Trost-Orgel.

Ebenso von Bedeutung sind die Sammlungen Bernhard August von Lindenaus, welche sich im Lindenau Museum, aber auch im Residenzschloss befinden. Bereits 1845 vermachte Lindenau seine Sammlung chinesischer und japanischer Porzellane der Rüst- und Antiquitätenkammer des Altenburger Schlosses.

Heute beherbergt das Schlossmuseum auf drei Etagen eine Vielzahl von Ausstellungen zur Fürsten-, Kunst- und Kulturgeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts sowie die klassischen Sammlungen des Kunsthandwerks. Das Spielkartenmuseum zeigt Karten aus fünf Jahrhunderten, dokumentiert die Entwicklung der Altenburger Spielkartenfabrik und widmet sich dem Skatspiel.

Festsäle und Schlosskirche mit einem Orgelvorspiel kann der Besucher im Rahmen der öffentlichen Führungen kennenlernen. Flasche und Hausmannsturm im Schlosshof gehören ebenfalls zum Besichtigungsangebot des Residenzschlosses.

Woran führt kein Weg vorbei? 

… am Sächsischen Prinzenraub, dem ersten Kidnapping in der deutschen Geschichte, passiert in Altenburg am 7. auf den 8. Juli 1455. Der Ritter Kunz von Kauffungen entführte die Prinzen Ernst und Albrecht. Sie waren die  Söhne des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen und Magarethas von Österreich. Mittels einer List verschaffte sich der Ritter mit seinen Gefolgsleuten Zutritt zur „Alten Burg“, packte die zwölf und vierzehn Jahre alten Jungen und ließ sich mit den Kindern über eine Strickleiter an der Schlossfassade hinab. Er entkam in die umgebenden Wälder und wollte eine Geldsumme vom Kurfürsten erpressen, die ihm womöglich unrechtmäßig vorenthalten worden war. Wie diese Geschichte ausging, die Kurfürsten über die Jahrhunderte den Mythos der Inszenierung dieses Ereignisses pflegten, ist in der Ausstellung an Hand von Gemälden, grafischen Darstellungen, Musikstücken und weiteren kunsthandwerklichen Exponaten zu sehen. Selbst die vermutlich originale Leiter ist zu bestaunen!

… die sogenannte „Skatheimat“, ein von Otto Pech 1923 ausgemalter Raum in der 3. Etage des Schlossmuseums. Dieser Raum ist die „Keimzelle“ des Altenburger Spielkartenmuseums. Der Künstler ist der „Erfinder“ des Schwarzen-Peter-Spiels und gestaltete auf humorvolle Art eine Skatlandschaft unter Verwendung aller wesentlichen Figuren und Elemente der in Altenburg gebräuchlichen Skatkarten. Eine kleine Ausstellung zu Leben und Werk von Otto Pech befindet sich heute in diesem einzigartigen Raum.

Außer der Reihe

… gibt es jährlich drei bis vier Sonderausstellungen zu sehen.

So zeigen wir ab 21. Mai mit dem Ausstellungsprojekt „Grünes im Quadrat“ die Gartenkultur und die geologischen Besonderheiten des Altenburger Landes, denn bis in die Gegenwart prägen zahlreiche Gärten und Parkanlagen das Bild Altenburgs. Grund genug, die Bundesgartenschau in Erfurt dafür zum Anlass zu nehmen.

Für dieses Projekt, welches unter der Schirmherrschaft des Ministers für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefs der Thüringer Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin Immanuel Hoff steht, präsentieren dabei im Rahmen einer Kooperation mit dem Lindenau-Museum, dem Naturkundemuseum Mauritianum und dem Museum Burg Posterstein, das Residenzschloss Altenburg, die Geschichte des Schlossgartens und seiner Bauwerke.

Dabei zeigt die Ausstellung wie die hier residierenden Herzöge den Schlossgarten über Jahrhunderte als privaten Rückzugsraum, ebenso aber auch als Kulisse prächtiger Hoffeste und nicht zuletzt als landwirtschaftliche Produktionsstätte nutzten.

„Treu und beständig“ so der Titel unserer zweiten Sonderausstellung über den Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausorden, die seit dem 24. April auf die Öffnung für unsere BesucherInnen wartet.

Nach der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 beschlossen die Herzöge Friedrich von Sachsen-Altenburg, Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha und Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und Hildburghausen die Stiftung eines „Hausordens“ zu Ehren ihres Stammvaters Ernst dem Frommen. Neben der Funktion der standesgemäßen Ehrung adliger Familienmitglieder, öffnete die Verleihung des Ernestinischen Hausordens seinen Trägeren die Türen zu elitären und politisch einflussreichen Kreisen. Der Hausorden verlosch nicht mit dem Niedergang der Monoarchie im Jahr 1918, sondern wird bis heute von den Nachfahren der ernestinischen Herzöge als Familienorden verliehen.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde e.V. möchten wir sowohl die Geschichte also auch die gesellschaftliche Bedeutung dieser Ordensstiftung den MuseumsbesucherInnen dieses heute so fern wirkende Instrument der Machtausübung näher bringen.

Die letzte Ausstellung in diesem Jahr,  ist unsere Weihnachtsausstellung. Darin dreht sich alles ums Spiel, genauer gesagt, ums Brettspiel. Mehr verraten wir noch nicht…

Museum zum Anfassen und Mitmachen 

Wer schon immer einmal richtige Druckerschwärze schnuppern oder an den Händen kleben haben wollte, der ist in unserer interaktiven Kartenmacherwerkstatt genau richtig. Hier kann jeder bei unseren Kartendruckmeistern in die Lehre gehen und in die Geschichte des Druckerhandwerks eintauchen und lernen, Spielkarten selbst zu drucken. Nach einem kurzen Rundgang durch das Spielkartenmuseum wird die Druckwerkstatt vorgestellt und ihr fertigt selbst einen Hochdruck zum Mitnehmen an.

Für die Fortgschrittenen unter den zukünftigen Spielkartendruckern gibt es die Möglichkeit, die zum Druck notwendigen Druckplatten selbst zu entwerfen und diese mit einem 3D-Drucker herzustellen, um sich dann in der Druckerpresse seine eigene Spielkarte herzustellen.

Natürlich darf auch ein Selfie nicht fehlen, schließlich muss man ja zeigen, dass man auch hier gewesen ist. Dafür können alle auf unseren extra dafür angefertigten Kurfürstenstühlen Platz nehmen und sich ablichten lassen. Wer möchte, kann dabei auch ins Kostüm schlüpfen und als Prinzessin oder Edelmann durchs Schloss flanieren.

Ihr liebstes Stück? 

… ist eine Prunkuhr von 1712. Die außergewöhnliche Uhr wurde Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg 1712 während eines Landtages von den Altenburger Landesständen sowie den Städten Altenburg, Eisenberg und Saalfeld verehrt. Die Uhr hat ein 24 Stundenblatt. Das Uhrwerk mit Datumsanzeige sowie viertelstündlich aktiviertem Schlag- und Musikspielwerk auf Silberglocken stammt von Jacob Mayr/Augsburg. Der Korpus des Uhrgehäuses ist mit Schildpatt belegt. Darauf finden sich silberne Einlegearbeiten und Beschläge. Der plastisch geprägte Silberschmuck in Form von Löwen und allegorischen Figuren symbolisiert die Klugheit und die Liebe. Den oberen Abschluss krönt ein Obelisk mit der Büste des Herzogs. Silberpunzen, wie der Pinienzapfen als Augsburger Beschauzeichen und die Buchstaben GSK in einem Dreipass, stehen für den in Augsburg tätigen Silberschmied Georg Sigmund Kohler (1666-1716).

Geschichtswerkstatt 

Unser neuestes Projekt ist die Geschichtswerkstatt des Residenzschlosses Altenburg. Sie versteht sich als ein aktiver Kultursalon und Kreativraum für die Altenburger Stadtgesellschaft und ihre Gäste, in dem zusammen mit dem Team des Schloss- und Spielkartenmuseums und externen Experten die Vergangenheit erforscht, die Gegenwart gestaltet und die Zukunft entworfen wird. Wir verfolgen damit das Ziel, dass die Einwohner der Stadt und ihre Gäste aktiv an der Wissensproduktion des Museums teilhaben, diese mitgestalten und sich intensiv mit regionalen Geschichtsthemen auseinandersetzen. Öffentlicher Diskurs, gemeinschaftliches Handeln und kreative Gestaltungsräume im Rahmen der Stadtentwicklung Altenburgs werden hierdurch gefördert. Ein Kerngedanke der Geschichtswerkstatt ist es, beim Blick auf die Geschichte und bei der Arbeit mit den historischen Zeugnissen, offen für Themen und Fragestellungen der Gegenwart zu sein.

Historische Persönlichkeiten zur Kindermuseumsnacht 2019 (Foto: Residenzschloss Altenburg)

Sind auch Kinder museumsreif? 

Und ob! Familien mit Kindern, Schüler im Klassenverband und selbst Kindergartengruppen sind herzlich willkommen. So planen wir regelmäßige Familienangebote ebenso wie speziell abgestimmte Programme für alle Bildungsträger. Kleine und große Besucher können mit unserer Entdeckerkarte auf spannende Forscherreise gehen und dabei viel Wissenswertes zur Geschichte des Fürstenhauses und den Sammlungen erfahren. Jeden ersten Freitag im März ist Kindermuseumsnacht. Nachts im Museum, mit Taschenlampe ausgestattet, laden Kinder ihre Eltern zum Museumsbesuch ein. In den beteiligten Museen findet man Geist Rüdiger. Er animiert zum Malen, Forschen, Rätseln und Basteln. Auch einzelne historische Persönlichkeiten, wie Kaiser Barbarossa oder Prinzessin Alexandra werden lebendig und erzählen aus ihrem Leben. Zum großen Abschlusskonzert in der Schlosskirche bringt der Schlossorganist die Königin der Instrumente, die berühmte Trost-Orgel zum Klingen. Und mit einem Gute Nacht Lied auf den Lippen, werden die kleinen und großen Entdecker in die Nacht entlassen.

Museumsrundgang 

Museumsbesucher können individuell alle Dauer- und Sonderausstellungen über drei Etagen mit dem Spielkartenmuseum besichtigen. Hierbei sollte man mindestens 90 Minuten einplanen. Ebenso finden 11/13/15 Uhr Führungen in Festräume und Schlosskirche statt. Im Außenbereich ist im Flaschen – Turm das Panoramabild „Von Eisenach bis zur Sächsischen Schweiz – 560 Kilometer in 20 Metern“ zu sehen. Und wer noch Kraft hat, kann bequem den Hausmannsturm über einen stufenlosen Wendelgang besteigen. In der Türmerstube hat man einen grandiosen Weitblick über die Stadt und das Altenburger Land.

Museum zum Mitnehmen

Im Museumsshop findet man ein umfangreiches Angebot an Spielkarten, Literatur und Musikalien sowie vieles was Kinderherzen höher schlagen lässt. Auch Geschenkgutscheine für einen Museumsbesuch sind erhältlich.

Das muss gesagt werden 

Wir arbeiten an einem Masterplan für die Zukunft des Schlossberges in Altenburg. Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Altenburger Museen“ hat am 1. Oktober 2020 ihre Arbeit aufgenommen. Mit dem Verbund von Lindenau-Museum Altenburg und dem Schloss- und Kulturbetrieb Residenzschloss Altenburg wird der im Sommer 2020 von Stadtrat und Kreistag abgesegnete Beschluss umgesetzt.

Mit dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Schloss- und Spielkartenmuseum, dem Naturkundemuseum Mauritianum sowie dem Landestheater Altenburg herrscht auf und um den Schlossberg der Skatstadt Altenburg eine Dichte an Kultureinrichtungen, die ihresgleichen sucht. Durch die Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Altenburger Museen“ wird das Lindenau-Museum am Fuße des Schlossberges enger mit dem Residenzschloss und den anderen vom Schloss- und Kulturbetrieb betreuten Einrichtungen verknüpft.

Die Synergieeffekte, die sich aus dem Zusammenschluss der beiden Häuser ergeben, sollen zum einen zu einer stärkeren Außenwirkung führen, zum anderen kann so an einem gemeinsamen Entwicklungsplan für die Zukunft des Schlossberges gearbeitet werden. Von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des Schlossberges wird die Sanierung und Modernisierung des Lindenau-Museums sowie der Bezug des Herzoglichen Marstalls in einigen Jahren sein.

Kontakt:

Residenzschloss Altenburg, Schloss 2-4,  04600 Altenburg

Telefon 03447/ 512712

info@residenzschloss-altenburg.de

www.residenzschloss-altenburg.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Donnerstag und Feiertage 10 – 17 Uhr; Freitag, Samstag und Sonntag 10- 18 Uhr.

Öffentliche Führungen für Einzelbesucher in Festräume und Schlosskirche mit Orgelanspiel vom Band: 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr.

Das Schloss- und Spielkartenmuseum ist bedingt durch die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zurzeit für Besucher geschlossen. Informieren Sie sich bitte auf unserer Homepage.

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