26. April 2011
Gera

Uwe Zeng – In Weida macht man keine Olympiasieger, aber …

Von Thomas Triemner

Wer zieht schon mit einem richtigen Degen und Gefolge ins Kino und schlägt sich zur Schau vor den Gästen um die Ehre? Wer mimt vor den Augen von Schülern den Edelmann im Duell mit einem Ritter Max von Wallrabe im Hofe der Osterburg zu einer Lektion übers Mittelalter? Das kann hierzulande nur Uwe Zeng sein. Für seine Sportart tut dieser Lehrer für Wirtschaft/ Recht und Sport vieles. Und das nunmehr seit runden dreißig Jahren; also von Kindesbeinen an, dann als Übungsleiter und später dazu auch als Vizepräsident des Fechtsportverbandes in Thüringen.

Dienstags, mittwochs und donnerstags übt er mit den Aktiven der Abteilung Fechten im TuS Osterburg 90 Weida. Freitags ist Stützpunkttraining in Jena und am Wochenende vielleicht noch Wettkampf. Das geht nur mit interessierten Partnern. Die hat der inzwischen fast 46-jährige an der Weidaer Regelschule Max Greil, in der Stadt, im Landratsamt oder mit Eltern und seinen Sportfreunden. Dass seine Truppe einmal 56 Mitglieder zählen würde, hatte Uwe Zeng höchstens erträumt, als er mit ein paar Floretts und einer alten Maske vom Studium in Erfurt in die kleine Stadt an der Weißen Elster „gelenkt“ wurde. Aber er ist gerade wegen des Sports ein zielstrebiger, in taktischem Denken zu Strategien geschulter und auf Kontinuität bedachter Mensch geworden. Gelegentlich von Emotionen getragen, wenn ihn z.B. Erfolge überraschen oder der FC Carl Zeiss Jena gerade um eine Abseitsfalle betrogen wird. Da könne er Fan und laut sein (wo man ihn weniger kennt, sagt er). Vor den Schülern schätzt er sich als korrekt, nicht zu streng ein; manchmal ungeduldig. Andererseits wiederum engagiert im Personalrat, und das seit längerer Zeit immer wieder gewählt. Doch etwas der „Ritter“?

Der in Leinefelde geborene Zeng junior kam mit drei Jahren durch einen beruflichen Wechsel seines Vaters nach Jena. Da wurde er in der 3. Klasse von den Talentsuchern entdeckt, die zum Beispiel Kinder für Fußball, Kanu, aber auch Fechten zu finden hofften. Fußballer wäre er wohl nie geworden. Das Eins gegen Eins gefiel ihm besser. Maske auf und selbst schuld, wenn ein Kampf verloren geht. Möglichst zu treffen, ohne getroffen zu werden, verlangt das schnelle Denken und voraus Abwägen bis Reagieren, die Fähigkeit zu einer entschlossenen Umstellung. Das versuchte er bald auch dem Fechtnachwuchs beizubringen, als klar wurde, dass Uwe nach deutlich gesteigertem Training im Leistungszentrum und einem zu schnellen körperlichen Wachstum eine hinderliche Verletzung erlitt. Immerhin übernahm man ihn gern als Übungsleiter. Das wurde zum Knackpunkt seiner Laufbahn. Er ist heute noch besonders seinem Lehrmeister, dem ehemaligen DDRDegen- Nationalkader Dieter Wichmann, dankbar für die Ausbildung und Begleitung. Während seines Studiums in Erfurt wurde er von der BSG Post und dem dortigen Talentzentrum angefragt und war wieder ganz dabei. „Das Schöne: Die Kleinen von einst, leiten jetzt die Geschicke.“, bilanziert er gern. Natürlich wissend, was es wert ist, wenn in der Vereinsund Leistungspyramide sehr gute Sportler bleiben und in die Ausbildung der nächsten Generation(en) eingreifen.

In Weida wurde das später auch so. Nur steht man eben in Abständen durch etwas berufliche und familiäre Entwicklungen immer mal wieder vor Umbrüchen. Das zu bewältigen, ist wohl mindestens genauso ein Verdienst von Uwe Zeng, wie die Vorarbeit für die erfochtenen sportlichen Erfolge. Bei einigen „Mädels“ der ersten Weidaer Zeit war zuletzt Babyjahr angesagt. Matthias Enders wechselt beruflich. Die Tochter Viktoria wird auswärts studieren. Auch wirtschaftliche Gründe können heute einen wichtigen Trainerpartner aus der Laufbahn reißen. Zeng weiß sehr gut, dass in Weida keine Olympiasieger oder Weltmeister gemacht werden. Die Talente müssen ihren Weg gehen. Er steht immer am Fuße der Pyramide und hat zum Glück eine verständnisvolle Sportlehrerin zur Frau. Wenn nicht Fechten? Dann vielleicht Volleyball oder Hockey. Reine Spekulation. Jedenfalls wäre aus ihm kein Sänger oder Musiker geworden, hat er gut Lachen, wenn er daran zurückdenkt, wie er eines 13. Oktobers 1988 bei Volker Rauchfuß von BSG Fortschritt Weida in der Tür stand und um Aufnahme ansuchte; dann dieses Ziel in sich anbahnenden Umbrüchen im Auge behielt; per 1. März 1989 eine Schulsport- Gemeinschaft gründete; eine Woche später zum Schnuppertraining einlud, zu dem 17 Schüler kamen. Zum zehnjährigen Jubiläum schickten ihn seine Schützlinge zu einer Mutprobe auf Selbstüberwindung für einen Tandem-Fallschirmsprung in die Luft. Zum 20-jährigen der Abteilung legten sie zusammen, um Weidas größten Grönemeyer-Fan zum Bochumer Konzert einzuladen. Emotionen pur. Das heutige Talentleistungszentrum Fechten des Verbandes und Förderzentrum des Greizer Landkreises bleibt immer mit Zengs Namen verbunden. Man bräuchte sich nicht wundern, wenn bald wieder Fechter unter den Sportlern des Jahres wären.

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