1. Januar 2017
Gera

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Studentin Anne Groß hat ein neues Verpackungssystem entwickelt. Zuerst wird die Versandtasche befüllt.

Anschließend pumpt der Versender das Paket auf. Die Fracht ist optimal geschützt.
Das fertige Paket kann auf die Reise gehen.
Beim Empfänger wird die Luft einfach abgelassen und das Paket bis zum nächsten Einsatz aufbewahrt.
Fotos: Florian Giele
Keine Verpackung ist die beste Verpackung.‘ ANNE GROSS

Zur Sache
• Anne Groß stammt aus Gambach nahe Frankfurt/Main und ist 22 Jahre alt. Sie studiert im 5. Semester Produkt-Design an der Bauhaus-Universität Weimar.

• „Air Parcel“ entstand im Sommersemester 2016 im Projekt „Building Blocks – ¬Systeme, Module, Plattformen und Baukästen“ und wurde von Professor Wolfgang Sattler und Kristian Gohlke betreut.
• Mit der Idee für eine zukunftsweisende und nachhaltige Luftpolsterverpackung hat Anne Groß den ersten Preis in der „Fair and Responsible Challenge“ des Logistikunternehmens DHL gewonnen. Der mit 5000 Euro dotierte Preis schließt einen Pilotversuch gemeinsam mit DHL ein.

• Um den Preis bewarben sich Tüftler aus 33 Ländern mit mehr als 80 Projekten.


Pakete ähneln Schwimmwesten
Weimarer Studentin entwickelt mit dem „Air Parcel“ eine nachhaltige Verpackung
Mit ein paar Klicks am Computer werden Bücher, CDs und Kleidung nach Hause geliefert. Selbst Waren des täglichen Bedarfs bringt der Paketmann auf Wunsch bis zur Wohnungstür. Das bleibt für unsere Umwelt nicht ohne Folgen. „Insgesamt 17 Millionen Tonnen Ver¬packungsmüll von Pappe und Papier bis Kunststoff und Glas sind im Jahr 2014 angefallen“, rechnet Anne Groß vor. Der jungen Frau aus Hessen, die an der Bauhaus-Universität in ¬Weimar studiert, ist das entschieden zu viel. Zumal die Menge durch vermehrte Online-Einkäufe noch weiter ansteigen wird.

In einem Studienprojekt hat sich die Produkt-Design-¬Studentin Gedanken darüber gemacht, wie man künftig Verpackung einsparen kann. „Air Parcel“ heißt ihr Angebot, das dem Logistik¬unternehmen DHL sogar eine Prämie von 5000 Euro sowie einen Pilotversuch Wert ist. Ein Semester lang hat sie ¬daran gearbeitet.

Ihre ersten Entwürfe hat Anne Groß aus Nylon gefertigt. „Nylon ist robust. Man kann es laminieren und verschweißen. Zudem ist es luftundurchlässig“, erklärt sie ihre Wahl. Anschließend wurde das Material mit thermoplastischem Polyur¬ethan beschichtet. Bevor die Waren auf die Reise gehen, müssen die doppelwandigen Pakete mit Luft gefüllt werden. „Man muss sich das System ähnlich wie einen dieser Schwimmflügel für Kinder vorstellen“, beschreibt die Studentin ihre Erfindung. Luftumhüllt bleibt die Ware gut geschützt. Im Belastungstest konnte das Luftpaket bereits 15 Kilogramm fassen.

Das „Air Parcel“ ist ausbaufähig. Anne Groß denkt an ein Mehrwegsystem. „Ähnlich wie bei Pfandflaschen müsste es möglich sein, die Paketverpackung wieder abgeben zu können“, blickt sie nach vorn. Das würde das „Air Parcel“ zukunftsfähig und zugleich nachhaltig machen.

Anne Groß kann sich vorstellen, dass ihr System an Paketstationen gut funktioniert. Man könnte das Paket vor Ort öffnen, die Ver-
packung zurücklassen und nur die bestellte Ware mit nach Hause nehmen.
Nylon ist für die ¬Studentin noch kein ¬ausgereiftes ¬Mate¬rial für ihr Zukunfts-¬Päckchen. Sie wünscht sich eine Ummantelung, die recyclebar ist. Industriell produziert könnte diese in unterschiedlichen Größen passgenau angeboten werden. „Denn derzeit sind die Pakete oft noch viel zu groß für die darin enthaltenen Produkte.“

Bis es soweit ist, tüftelt die Studentin weiter an ihrem Prototypen. Mit dem Verschluss ist sie noch nicht zufrieden. Zudem sucht sie nach einer Idee, wie man ohne Mundkontakt die Verpackungshülle über das Ventil aufblasen kann. Eine handliche Lösung muss es sein, damit der Verbraucher das „Air Parcel“ ohne Probleme im Alltag nutzen kann.
„Vielleicht ein Adapter“, überlegt sie. Das „Air Parcel“ wird die Enkelin einer Postangestellten auch weiterhin beschäftigen.

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