Alte Meister zurück in Gotha - meinanzeiger.de
23. Januar 2020
Gotha

Alte Meister zurück in Gotha

Bis Sonntag, 26. Januar, sind die vor 40 Jahren in Gotha gestohlenen und nun zurück gekehrten fünf Gemälde zu bewundern, ehe sie restauriert werden

Knut Kreuch (Oberbürgermeister der Residenzstadt Gotha) vor dem Bild Fans Hals Gothaer Kunstraub von 1979. Foto: Holger John

„Es ist ein großes Glück, dass die Beute wieder dort ist, wo sie hingehört“, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) – „nämlich an den Wänden in Gotha.“

 

Dr. Tobias Pfeifer-Helke (Stiftungsdirektor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha), Dr. Martin Hoernes (Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung), Dr. Friederike Gräfin von Bühl (Rechtsanwältin der Stiftung Schloss Friedenstein), Knut Kreuch (Oberbürgermeister der Residenzstadt Gotha) und Bodo Ramelow ­(Ministerpräsident Thüringen) bei der Besichtigung der Bilder, die 1979 in Gotha gestohlen wurden und nun im Herzoglichen Museum noch bis zum Sonntag zu sehen sind.
Foto: Holger John / viadata.de“Es ist ein Wahnsinnsstart ins neue Jahr, es kann nicht besser und ­schöner sein“, sagte Dr. Tobias ­Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein am Montag, bei der Präsentation der zurückgekehrten Alten Meister in die Residenzstadt. Fast genau 40 Jahre nach dem größten Kunstdiebstahl der DDR sind die fünf damals entwendete Gemälde zurück in Gotha.

Ferdinand BolUnd genau da, im Herzog­lichen Museum, kann die ­Öffentlichkeit sie jetzt noch bis kommenden Sonntag, 26. Januar, bewundern. „Das Interesse an den fünf Gemälden aus dem `Gothaer Kunstraub´ von 1979 ist immens“, heißt es aus dem Schloss Friedenstein: Bereits an den ersten beiden Tagen kamen über 1.200 Besucher ins Herzogliche Museum, um sich die Rückkehrer in der Sonderpräsentation „Sie sind zurück!“ anzusehen. Auch über das Telefon erreichten viele Nachfragen die Stiftung.  Um so vielen Menschen wie möglich einen Blick auf die fünf Gemälde zu ermöglichen, wurden die Öffnungszeiten zum Wochenende angepasst: Das Herzogliche Museum öffnet am Freitag zusätzlich bis 20 Uhr, am Samstag und Sonntag bis 18 Uhr. Danach gehen die Bilder erst einmal für eine unbestimmte Zeit zur Restauration. Denn die Werke sind leider ­beschädigt, weisen teilweise Schrammen und Risse auf.

 

Frans Hals

Wer mehr über die ­Gemälde erfahren möchte, kann sich einer Sonderführung anschließen, zu der Dr. Timo Trümper, Kurator Stiftung Schloss Friedenstein, am Sonntag, um 15 Uhr, unter dem Titel „Meister oder nicht“ einlädt. Bereits am Freitagabend, 24. Januar, um 19 Uhr, lädt Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch zu einem Vortrag ins Herzogliche Museum ein. Thema, „Welterbe Gotha! Geraubt. Geplündert. Ganz vergessen!“ Angesichts der spektakulären und glücklichen Heimkehr der „Gotha-Gemälde“, die im Jahr 1979 aus den Gothaer Kunstsammlungen entwendet worden sind, bleiben viele Fragen ungelöst. Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch ist Augenzeuge dieser spannenden Geschichte. In einem Vortrag am Freitag, 24. Januar 2020 spannt Gothas Stadtoberhaupt den Bogen von der Geschichte der Sammlungen und den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, die durch Verluste, Entnahmen, Verlagerungen und Heimkehr, bis hin zum spektakulären Raub von 1979 geprägt waren. „Nur auf 1979 zu blicken, ist zu kurz geschaut“, so der Oberbürgermeister. „Die Verluste Gothas begannen viel früher und haben maßgeblich dazu beigetragen, den Wert der Gothaer Sammlungen im internationalen Maßstab zu verdrängen. Die Rückkehr der Gemälde muss der Aufbruch ins Welterbe werden“, so der leidenschaftliche Kunst- und Kulturliebhaber Knut Kreuch. Der Vortrag findet  im Herzoglichen Museum zu Gotha statt. Der Erlös des Vortrags fließt der Restaurierung der Gemälde zu.

 

Hans Hohlbein

Am 14. Dezember 1979 wurden die fünf bedeutenden Bilder aus dem Gothaer Schloss Friedenstein gestohlen. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden. Die Gemälde galten lange als verschollen. Im Sommer 2018 wurden sie dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister Gothas, Knut Kreuch, angeboten. ­Unter größter Diskretion führte dieser seitdem mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung Verhandlungen zur Rückführung der Kunstschätze. Im September 2019 kam es im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen in Berlin unter Beteiligung des Landeskriminalamtes Berlin zur Übergabe der Gemälde mit dem Ziel, ihre Authentizität zu prüfen. Diese Untersuchungen, in die auch wissenschaftliche Fachgutachter eingebunden waren, sind nun abgeschlossen und bestätigten zweifelsfrei die Echtheit der damals geraubten Kunstwerke.

Peter Brueghel

„Gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiges Schweigen waren das Wichtigste während den Verhandlungen“, sagt Knut Kreuch, dem in der nun erfolgreichen Rückführung der wertvollen Raubkunst eine Schlüsselrolle zukommt. Dank der Unterstützung von Dr. Martin Hoernes von der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Rechtsanwältin Dr. ­Friederike Gräfin von Brühl von der Kanzlei K&L Gates können die Gemälde nun wieder in die bedeutende ­Gothaer Sammlung integriert werden.

Athonis van Dyck

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