2. Dezember 2019
Gotha

Auch Weinen ist erlaubt

Mitarbeiterin Franziska Degenhardt

Wie haben Sie den Weg zu uns ins Kinder- und Jugendhospiz gefunden?
Ich bin gelernte Kauffrau im Einzelhandel sowie Sport- und Fitnesskauffrau. Durch eine Weiterbildung zur Alltagbegleiterin für Demenzerkrankte habe ich von dem Kinderhospiz erfahren. Durch das Praktikum, das ich in der Weiterbildung absolvierte, habe ich das Kinderhospiz und die Arbeitsfelder näher kennengelernt. Ich habe drei Monate überlegt, ob ich hier anfange und habe schließlich doch zugesagt. Durch die lange Fahrtstrecke, die ich zu bewältigen habe, musste ich schon etwas länger überlegen, die hatte mich anfangs abgeschreckt.

Wie fühlen Sie sich hier aufgenommen?
Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre, sowohl was das Team betrifft, als auch im Kontakt zu den Familien.

Und was sind Ihre Aufgaben im Kinderhospiz?
Ich assistiere in der Pflege, ich bastle mit den Kindern und Geschwistern, gehe mit den betroffenen Kindern in unser hauseigenes Bewegungsbad oder wir machen Ausflüge zusammen. Im Frühdienst heißt es zunächst, die Grundpflege zu übernehmen. Dann frühstücken wir mit den Kindern. Später am Tag arbeite ich dann mit der Pädagogik zusammen und wir gestalten zum Beispiel eine Musikreise für unsere Gäste. Es gibt immer wieder viele schöne Momente und man spürt die Dankbarkeit der Eltern, das ist ein schönes Gefühl.

Wie gehen Sie mit den schweren Momenten um?
Die gibt es natürlich auch, hier unterstützen wir uns gegenseitig im Team. Reden hilft sehr gut und ist auch wichtig. Jeder Mitarbeiter darf auch auf seine Art trauern, auch weinen ist erlaubt. Ohne Team geht es gar nicht.

Was würden Sie sich von der Gesellschaft wünschen?
Wir sehen oft zum Tag des offenen Kinderhospizes, wie überrascht die meisten sind, was hier wirklich passiert und wie es hier aussieht. Es wäre einfach schön, wenn sich mehr Leute trauen würden, sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Ob Praktikanten oder FSJler. Insgesamt ist der Frauenanteil der Mitarbeiter sehr hoch. Hier werden aber auch Jugendliche und junge Erwachsene betreut, wo männliche Mitarbeiter im Team hilfreich wären. Deshalb sollten sich mehr Männer trauen, sich diesen Beruf mal genauer anzuschauen.

Welcher Teil Ihrer Arbeit bereitet Ihnen am meisten Freude?
Es gibt keinen bestimmten Teil. Es ergibt alles eine Einheit. Wenn die zu betreuenden Gäste einen schönen Tag hatten und zufrieden in ihren Betten liegen, dann geht es auch mir gut.

Wie reagiert Ihr Umfeld, wenn Sie erzählen, welcher Arbeit Sie nachgehen?
Viele sind erstaunt und sagen gleich, dass sie es nicht könnten. Sie haben großen Respekt vor meiner Arbeit.

Was erzählen Sie Ihnen, was in einem Kinderhospiz passiert?
Der Name Kinderhospiz schreckt auch den ein oder anderen ab. Dabei sind wir eine Herberge des Lebens. Die Familien machen meist bei uns Urlaub. Hier können die Eltern ausschlafen, weil ihre Kinder derweil von uns betreut werden. Sie können mehr Zeit mit den Geschwisterkindern verbringen, die zu Hause oft zurückstecken müssen. Unsere Gäste tanken hier neue Kraft für den Alltag.

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