3. November 2017
Gotha

Darum gehen die Laternen an, wenn die Sonne unter geht

Dämmert's schon?

Die Sonne geht unter und die Straßenlaternen schalten sich wie von Geisterhand an. Wie funktioniert dies eigentlich? Steffen Lohse ist als Sachbearbeiter der Gothaer Stadtverwaltung für die Straßenbeleuchtung zuständig. Er erleuchtet die AA-Leser mit einigen wissenswerten Fakten.

Drückt noch jemand zum Ein- und Ausschalten des Lichts auf einen Knopf?
Nein. Die Schaltung erfolgt nicht zentral, sondern für jeden Beleuchtungsbezirk einzeln, wahlweise über Dämmerungsschalter oder Astrouhr. Diese Steuerungselemente sind in einer zugehörigen Straßenbeleuchtungsanschlusssäule montiert. So eine Säule besteht aus einem oberirdischen Freiluftschrank. Er enthält neben den Steuerungselementen auch den Hausanschlusskasten, den Energiezähler des Energieversorgers sowie die Schaltschütze und Leitungsschutzschalter für alle abgehenden Stromkreise. Der Versorgungsbereich einer Straßenbeleuchtungsanschlusssäule stellt einen eigenen Beleuchtungsbezirk dar. Im Stadtgebiet Gotha gibt es aktuell 135 öffentliche Beleuchtungsbezirke.


Wie funktionieren ein Dämmerungsschalter und eine Astrouhr?

Ein Dämmerungsschalter erfasst über eine Fotozelle die Helligkeit seiner Umgebung und je nach eingestelltem Schwellenwert gibt dieser einen Schaltimpuls für die Ein- oder Aus-Schaltung. Im Freistaat Thüringen bestehen keine ausdrücklichen gesetzlichen Anordnungen für eine Beleuchtungspflicht. In Gotha erfolgt die Ein-Schaltung bei circa 25 Lux und die Aus-Schaltung bei rund 20 Lux. Für die Ein-Schaltung muss eine Warmlaufphase der konventionellen Leuchtmittel von drei bis fünf Minuten berücksichtigt werden. Nachteil der Dämmerungsschalter ist, dass diese durch Verschmutzung oder Störlichtquellen beeinträchtigt werden können.

In einer Astrouhr ist der astronomische Kalender für den täglichen Sonnenauf- und -untergang hinterlegt, für eine präzise Schaltung muss in die Astrouhr der jeweilige geographische Standort programmiert werden. Ein Nachteil der Astrouhr ist, dass auftretende Unwetterlagen mit beispielsweise dunklen Gewitterwolken innerhalb der Dämmerungszeiten nicht erfassen werden können.


Gehen dann nicht alle Straßenlaternen gleichzeitig an?
Nein, dies geht nur mit einer zentralen Steuerung. Zwar erhalten alle Steuerelemente für die Schaltungen die gleichen Einstellwerte, aber auf Grund von Toleranzen erfolgen diese dennoch nicht zeitgleich.


Wie viele Stunden leuchten die Laternen?
Die tägliche Betriebszeit ist für jeden einzelnen Tag des Jahres unterschiedlich. abhängig von den Zeitpunkten für den Sonnenauf- und -untergang. Für ein Kalenderjahr ergibt sich eine Betriebszeit von circa 4130 Stunden. Die kürzeste Betriebszeit ist mit etwa 7 Stunden um den 23. Juni und die längste mit 15,5 Stunden um den 18. Dezember.


Wie intelligent ist so eine Straßenlaterne?
Straßenleuchten der neusten LED-Generation können sehr „smart“ sein. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass diese mit der dafür erforderlichen Steuerungstechnik, den Sensoren und der Infrastruktur ausgestattet sind. So ist es möglich, dass sich Straßenleuchten selbständig und dynamisch an wechselnde Verkehrssituationen und Witterungseinflüsse anpassen, also ein- und ausschalten, gedimmt werden oder die Lichtfarbe ändern. Darüber hinaus lassen sich in Straßenleuchten unter bestimmten Voraussetzungen weitere Anwendungen integrieren. Zum Beispiel sind Strahler für die Illumination von Gebäuden, WLAN-Hotspot, Ladestationen für Elektroautos, Kameras für Überwachungszwecke, Lautsprecher für Beschallungen, Notrufsysteme, Messstationen und kleine LCD-Bildschirme für das Stadtmarketing möglich.


Gibt es Pläne, dass Laternen nur bei Bedarf per Handy-Ruf oder Bewegungsmelder einzuschalten sind?
Nach dem aktuellen Stand gibt es hierfür in Gotha keine Pläne, Hauptgrund ist, dass sich diese Techniken zurzeit nicht wirtschaftlich umsetzten lassen.

5594 Lichtpunkte für Gotha




Warum gehen Straßenlaternen aus, wenn man ihnen einen heftigen Tritt verpasst oder sie schüttelt, um dann später automatisch wieder anzugehen?

An dieser Stelle muss als erstes ganz klar und deutlich gesagt werden: Wer absichtlich gegen Straßenleuchten tritt oder diese schüttelt, begeht eine Sachbeschädigung und ist für die dadurch entstehenden Folgekosten haftbar. Durch Tritte oder Schütteln entstehen sehr starke Erschütterung, wodurch sich Bauteile lockern, lösen oder abbrechen können. Im schlimmsten Fall stürzen diese von oben ab und können so auch Personen verletzen oder parkende Fahrzeuge beschädigen. Straßenleuchten, die mit konventionellen Metalldampflampen ausgestattet sind, können durch Erschütterungen ausgehen, weil dadurch die Gasentladung zur Lichterzeugung im Leuchtmittel kurzeitig unterbrochen wird. Da die Spannung an der Straßenleuchte noch auf An steht, zünden die Leuchtmittel nach einer Abkühlphase erneut. Ist die Erschütterung zu stark, kann beim Leuchtmittel der Glaskolben vom Gewindesockel aus Metall abbrechen, das Leuchtmittel ist dadurch zerstört.


Wie wird eine defekte Straßenlaterne bemerkt?
Die öffentliche Beleuchtungsanlage der Stadt Gotha stellt eine großflächige elektrotechnische Anlage dar, zur Gewährleistung der allgemeinen Betriebssicherheit werden die Anlagen nach den geltenden Vorschriften im Turnus von vier Jahren geprüft und gewartet. Aber wie bei jeder technische Anlage kann es hier auch aus den unterschiedlichsten Gründen zu ungewollten technischen Störungen kommen.

Da die Anlagen der öffentlichen Beleuchtung der Stadt Gotha nicht mit einem automatisierten Meldesystem zur Weitergabe von Störungen ausgestattet sind, können und sollten ausgefallene Straßenleuchten von jeder aufmerksamen Person gemeldet werden. Hierzu stehen auf der Internetseite der Stadt Gotha die „Mängelmeldung“ oder telefonisch die Stadtverwaltung Gotha zu den Dienstzeiten persönlich und außerhalb dieser ein Anrufbeantworter zur Verfügung. Hinweis: Der Störungsdienst der Stadtwerke Gotha GmbH ist für die öffentliche Beleuchtung der Stadt Gotha nicht zuständig


Wie viele Straßenlaternen gibt es eigentlich für die rund 46 000 Gothaer?
Für die Beleuchtung von öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen gibt es aktuell im Stadtgebiet Gotha 5594 Lichtpunkte, darunter 380 Straßenleuchten mit LED-Technik. Daneben gibt es auch mehrere private Straßenleuchten, welche nicht öffentliche Bereiche beleuchten, für diese liegen jedoch in der Stadtverwaltung Gotha keine Zahlen und Daten vor.


Wie viel Strom verbrauchen die Laternen?
Der Energieverbrauch beträgt zurzeit ca. 2.370.000 kWh pro Jahr.

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