5. April 2021
Thüringen

Das Osterlicht ist der Morgenglanz nicht dieser sondern einer neuen-Erde

Der Kampf um Friedrichroda und Reihardsbrunn vor 76 Jahren

Das Kurhaus Friedrichroda mitte April 1945

Das Kurhaus Friedrichroda mitte April 1945

 

 

Das Osterlicht ist der Morgenglanz nicht dieser, sondern einer neuen Erde

Gertrud von Le Fort (1876 – 1971)

Betrachtung zum Ende des Krieges im April 1945 in Friedrichroda

 

Es war, wie so oft in dieser Jahreszeit, ein wechselhaftes, dennoch recht trockenes Wetter. Wiesen und Bäume schickten sich an in frischem Grün zu erwachen. Das Wetter war fast mit der derzeitigen örtlichen Wetterlage vergleichbar. Überall herrschte eine gedrückte, von Nervosität geprägte Stimmung. Man wagte kaum öffentlich über die Lage an der Front zu sprechen, sollte doch der Amerikaner schon bei Eisenach stehen. Insbesondere war diese Anspannung bei den bisher aktiven Zugehörigen zu den verschiedenen Gliederungen der NSDAP zu bemerken.

Paul Debes berichtet darüber in einer Niederschrift: „Durch die Straßen  der Stadt wurden Züge von KZ-Häftlingen getrieben. Viele Einwohner sahen jetzt mit eigenen Augen, was jahrelange Haft im Konzentrationslager bedeutete. In Richtung Front wurden noch einzelne Truppenteile geworfen. Müde und deprimiert hockten die Landser auf ihren Geschützen. …“

Die Gläubigen fanden sich in dieser Zeit in ihren Glaubensgemeinschaften zusammen, um das Osterfest zu begehen.

Die Feiertage um Ostern waren:

Palmsonntag, 25. März 1945 
Gründonnerstag, 29. März 1945
Karfreitag, 30. März 1945
Ostersonntag, 01. April 1945
Ostermontag, 02. April 1945

Die Bevölkerung war durch den verehrenden Bombenangriff am 06. Februar 1945 (siehe unten: „Der 06. Februar“)  völlig traumatisiert und betete zu Gott darum, dass ihnen weiteres Leid erspart bliebe.

Der Kampf um Friedrichroda und Reinhardsbrunn – die Kapitulation

Schon in den letzten Märztagen begannen umfangreiche Absetzbewegungen von nach Friedrichroda ausgelagerten Dienststellen.  Auch der Bürgermeister und andere maßgebliche Führungskräfte der Stadt versuchten die Stadt zu verlassen, schaffte es aber nicht sich hinter die herannahende Frontlinie zu flüchten. So kam es, dass sie noch vor dem 05. April wieder in der Stadt auftauchten. Ihr Hoffen lag wohl darin, von den Amerikanern als unbescholtene Bürger wahrgenommen zu werden.

Am 12. Februar 1945 war der Generalstab des Heeres – der seit dem Scheitern der Ardennenoffensive mit dem Wehrmachtführungsstab in Zossen untergebracht war – in eine Führungs- und eine Arbeitsstaffel geteilt worden. Die zur Arbeitsstaffel zählenden Dienststellen begannen am 27. Februar gemäß Befehl mit der Verlegung nach Gotha (Deckname: „Günther“), von wo aus sie durch einen „Auffangstab“ an neun verschiedene Orte weitergeleitet wurden. Die Unterkünfte im Militärlager Ohrdruf blieben für die Führungsstaffel reserviert, die diese bei kurzfristiger Verlegung allerdings nur als Zwischenunterkunft nutzen wollte. Ihre endgültige Unterbringung sollte – der hohen Luftgefährdung des Truppenlagers wegen – im Kurhaus des Ortes Friedrichroda (Deckname: „Wolfsturm“ bezogen auf das Kurhaus in Verbindung mit Schloss  Reinhardsbrunn, der Eisenbahntunnel unter dem Reinhardsberg zwischen Bahnhof Reinhardsbrunn und Bahnhof Friedrichroda erhielt den Decknamen „Elster“ ) erfolgen, das Anfang März aber noch nicht aufnahmebereit war. Am 16. März, einen Tag nach dem Luftangriff auf Zossen, begann die Verlegung der letzten Teile der Arbeitsstaffel in die vorgesehenen Ausweichquartiere, die sich über mehrere Tage hinzog. Offensichtlich war das Kurhaus, welches unter anderem als Lazarett diente, zwischenzeitlich geräumt worden.

Während der Kriegsjahre befand sich im Hotel „Herzog Ernst“ die ausgelagerte Kriegsdienststelle der „Deutsche Seewarte“. In den letzten Kriegsjahren wurde hierher die Klimaabteilung unter K. Knoch 1943 von Berlin über die Zwischenstation Groß-Leuthen im Spreewald, nach Friedrichroda ausgelagert. Die Bibliothek erlitt dann aber im Sommer 1945, also nach Kriegsende  bei einer weiteren Verlagerung von Friedrichroda nach Westdeutschland Verluste am Bestand. [1]

Als die Dienststelle in großer Eile vor Einmarsch der Amerikaner geräumt wurde,“ … hinterließ sie im Innern des Hotels einen wüsten Trümmerhaufen, …“ [2]

Der Eisenbahntunnel zwischen dem Streckenabschnitt Bahnhof Friedrichroda und Bahnhof Reinhardsbrunn gelegen  wurde zum Monatsende Februar 1944 für den Zugverkehr gesperrt. Er wurde zu einer unterirdischen, weitestgehend vor Bomben geschützten Produktionsstätte umfunktioniert. Ein Teil der Flugzeugproduktion der Wagonfabrik in Gotha wurde hierher nach Bombardierung am 24. Februar 1944 ausgelagert. Des Weiteren wurde die Entwicklung an dem Geheimprojekt  Go 229 V3 , auch HIX V3, 1845 genannt, in einem Werk im Gewerbegebiet der Stadt Friedrichroda weiter voran getrieben. In Friedrichroda waren eine große Zahl von zivilen Kriegsgefangen (u.a. Franzosen, Russen) zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Herzog  Karl Eduard  von Sachsen-Coburg und Gotha stellte gleich zu Beginn des 2. Weltkrieges einen beträchtlichen Teil der Schlossanlage dem Reich als „Herzogliches Offiziersheim“  [3]  und somit seiner Funktion im Rahmen des Projekts „Wolfsturm“ zur Verfügung. Die Miete für die Nutzung des Schlosses war schon für das 1. Halbjahr 1945 im Voraus gezahlt worden.

Im Erdsaal des Hohen Hauses wurden in den letzten Wochen des Krieges Wertgegenstände aus dem Museum und der Herzoglichen Bibliothek in Gotha und aus den städtischen Museen in Danzig und Elbing eingelagert.[4] Es soll noch vor der Besetzung von Reinhardsbrunn durch die Amerikaner zu regen Transporten von Kunstgütern gekommen sein.

Am 31. März 1945 führte die Rückwärtsbewegung der deutschen Westfront zur Verlegung des Stabes des OB West Generalfeldmarschall Albert Kesselring nach Friedrichroda wo er bis zum 03. April im Schloss Reinhardsbrunn Quartier nahm. Teile seines Stabes wurden im Truppenlager Ohrdruf untergebracht. In Vorbereitung auf diese Bewegungen hatte der Chef des Generalstabes am 29. März die Auflockerung der in den Raum „Olga verlegten Teile des HQu OKH“ und ihre erneute Verlegung, diesmal nach Süddeutschland befohlen.

Im Kavaliershaus im Schlosspark Reinhardsbrunn war zuvor die Reichstelle für Edelmetalle ausgezogen. Seitens der Nachrichtentruppe des Heeres wurde im Keller des Gebäudes eine Fernsprechzentrale eingebaut und in Betrieb genommen.

Am Ostersonntag wurden massive Truppenbewegungen wahrgenommen. Im Schloss habe es ein „Großes Gelage“ gegeben, wurde von  einer Zeitzeugin berichtet.

Bis zum 05. April sollen alle SS-Truppenteile das  Stadtgebiet verlassen haben. Einige, versprengt operierende Gruppen hatten sich in den umliegenden Wäldern verschanzt. Im Ort sind lediglich Teile der Sanitätstruppe (medizinisches Personal) verblieben. Das Kurhaus und Reinhardsbrunn waren offensichtlich weiterhin von Teilen der zuvor einquartierten Truppe des Heeres besetzt und wurde von diesen bis zuletzt gehalten.

 

Der 04. April

Deutsche Vorposten besetzten die Linie Bahnhof Friedrichroda – Schloss Reinhardsbrunn und die Strecke Fohlenkoppel – Büchig. Der Eisenbahntunnel war für den Zugverkehr gesperrt. Er wurde neben der Funktion als Auslagerungsstandort für die Flugzeugfertigung zu dienen, auch als Luftschutzanlage für Teile der Bevölkerung deklariert.

Der 05. April

 Gegen 16:00 Uhr besetzten Amerikaner (ca. 20 Mann), vornweg ein Parlamentär mit weißer Flagge, Friedrichroda aus Richtung Gotha kommend kampflos.  Die Verhandlung zur Übergabe der Stadt fand im Rathaus statt. Die im Besitz der Bevölkerung befindlichen Waffen sowie Fotoapparate usw. (z.B.: Nachrichtentechnik) mussten abgegeben werden. Der amtierende Bürgermeister kapitulierte im Namen der Stadt, hatte aber keine Befehlsgewalt über versprengt operierende deutsche Truppenteile. Friedrichroda wurde zur offenen Lazarettstadt erklärt. Hier im Rathaus nahmen die Amerikaner ihr erstes Quartier.  Reinhardsbrunn war  zu diesem Zeitpunkt noch von verbliebenen Resten der deutschen Wehrmacht besetzt. An vielen Orten in der Stadt waren weiße Fahnen zu sehen. Die Menschen wollten Frieden und ein Ende des Wahnsinnst dieses Krieges.

 Der 06. April

 Ein Deutscher Stoßtrupp macht in der Nacht vom 05. zum 06. April von Reinhardsbrunn ausgehend einen Gegenstoß auf Friedrichroda Richtung Rathaus. Sie nehmen dabei mehrere Amerikaner gefangen. (bisher basiert dies  auf nur einer, dem Autor bekannten, Zeugenaussage) Bei dem Vorstoß werden Panzerfäuste auf das Rathaus abgefeuert und verursachen dadurch einige Zerstörungen. Die Amerikaner verließen daraufhin wohl das Stadtgebiet.

Gegen 11:00 Uhr an diesem Vormittag bezogen amerikanische Panzer unterhalb der Stadt Stellung. Zwei Panzerspähwagen rollten auf der Straße von Ernstroda kommend  in die Stadt ein. Einer der Panzerspähwagen wurde kurz darauf in der Ladenstraße durch eine Panzerfaust zerstört. Gegen 13 Uhr verlassen die Panzer ohne Abgabe eines einzigen Schusses die Stellung.

Daraufhin verließen die Amerikaner offensichtlich die Stadt Friedrichroda

 Der 07. April

 Am Vormittag erfolgte ein Angriff mit Artillerie und Luftunterstützung mittels Beschuss und Luftmienen auf Friedrichroda. Es kam zu Panik. In der Stadt verbreiteten sich Brände. Die Amerikaner nahmen vornehmlich den Bahnhof Friedrichroda und weite Teile der Neustadt/Rosenau unter Beschuss. Es wurden mehrere Häuser zerstört. Um den weiteren Beschuss abzuwenden nahmen die beiden Friedrichrodaer Paul Debes und Willy Schuchard (beide waren kurz zuvor aus dem KZ entlassen worden und konnten sich dadurch, mittels der Entlassungspapiere, eindeutig als nicht den deutschen Kampfverbände angehörig, ausweisen) als Parlamentäre Kontakt mit den entlang des Schilfwassers Einmarschierenden der amerikanischen Infanterie auf. Ihr Ziel war es, den Beschuss der Stadt abzuwenden. Dieses ist ihnen auch gelungen. Beide hatten schon am 05. April Kontakt zu den Amerikanern im Rathaus aufgenommen.

Am Nachmittag, ca.15:30 Uhr stießen amerikanische Panzer auf Reinhardsbrunn vor. Die deutsche Truppe bot dem Vorstoß Widerstand. Es entbrannte ein letzter Kampf um das Schlossgelände. Die Deutschen wurden zurückgedrängt. Dabei fiel mindestens ein deutscher Soldat. Die  Stadt und der Innenpark galten ab jetzt als eingenommen. Die deutschen Truppen wurden zur Kapitulation und Übergabe der Stadt aufgefordert.

Die abgegebenen Waffen wurden im Turm des Kavaliershauses eingelagert und später, am 13. April, von der Amerikanischen Militärpolizei, die im Parkhotel Quartier bezogen hatten, übernommen.

 Der 08. April

 Die Amerikaner nahmen im Kavaliershaus Quartier. Im Pförtnerhaus wurde die Nachrichtenzentrale installiert. Im Kavaliershaus wurde außerdem auch ein Verbandsplatz für die Amerikaner eingerichtet.

Es  kam in Folge zu Sachbeschädigungen und Plünderungen im Schloss. Daraufhin wurde am 11. April auf Anordnung des amerikanischen Besatzungskommandanten  von  Gotha Schloss und Park in Reinhardsbrunn unter Schutz gestellt. (die Verhandlungen hierzu erfolgten durch Dr. Seeger und Kapitän Eräus)

Die Kämpfe im Umfeld von und in  Reinhardsbrunn hielten an.  Immer wieder waren MG- und MP Salven zu hören.  Das Kurhaus wurde von den Amerikanern unter Beschuss genommen und dabei beschädigt.

Der 09. April

Das Kurhaus wird vollständig zerstört

siehe Beitragsanfang: oben - Das Kurhaus ca 1930, unten -  das Kurhaus Mitte April 1945)

„Die Aufforderung zur Übergabe (Anmerkung: der Stadt) wurde von den Faschisten abgelehnt. Die Folge davon war, daß am 9. April1945 alle Männer und Frauen unserer Stadt (Anmerkung: im Bereich des Wilhelmsplatzes mit Sicht auf das Kurhaus) zusammengetrieben wurden und das ehemalige Kurhaus unter den amerikanischen Granaten zerbarst. Der amerikanische Stadtkommandant gab während des Beschusses die Anweisung, daß der Einsatz von Feuerwehren sowie das Löschen verboten seien. Das Kurhaus brannte so bis auf die Grundmauern nieder.“ [5]

Am Nachmittag galt Friedrichroda als vollständig durch die Amerikaner gesichert. Der Abzug der deutschen Sanitätstruppen wurde eingeleitet. Die amerikanischen Infanterietruppen nahmen Quartier im Schloss Reinhardsbrunn. Sie belegten alle Geschosse vom Keller bis zum Boden. Es kam zu weiteren Plünderungen.

 

Für die Bewohner von Friedrichroda nahm in diesen Tagen eine  lange Tragödie ihr ernüchterndes Ende.

Und wieder waren viele Tote zu beklagen. Allein die letzten Tage hatten noch einmal mind. 40 Todesopfer, infolge der Kampfhandlungen,  gekostet. Die Führungsriege der Stadt und die überlebenden Gefangenen wurden außerhalb Friedrichrodas  interniert.

Welche Verluste auf Seiten der Amerikaner zu verzeichnen waren, konnte den verfügbaren Quellen nicht entnommen werden.

Große Teile der Stadt lagen in Schutt und Asche. Viele Leben waren für immer ausgelöscht. Es blieb allen somit nur die Hoffnung auf eine „Bessere Welt“ ohne Krieg und Menschenverachtung.

Wer sich mit den Geschehnissen der verschiedenen, prägenden  Epochen Friedrichrodas und den Zerstörungen in den Kriegstagen der Stadt intensiver auseinandersetzen möchte, dem sei das Heimatmuseum mit seiner „Sonderausstellung“ zu diesen Ereignissen, aber auch der Wendezeit 1989 in Friedrichroda, wärmstens empfohlen.

 

Warum Friedrichroda?

Friedrichroda mit Reinhardsbrunn nahm in den Planungen des Generalstabes des Heeres eine gewisse Sonderstellung ein. Das hatte seinen Grund wohl auch im bisherigen Status des Ortes als herausragender Kurort mit seinen vielen pensionierten Staatsbediensteten und Rentiers. Dieses führte dazu, dass Friedrichroda im Kreis Gotha einen besonders hohen Anteil an Aktivitäten in den Gliederungen der NSDAP hatte. Mit Stand 1937 waren in der NSV 557 Mitglieder organisiert [6] Zitat aus dem Vorwort zum Einwohnerverzeichnis  1939/40 Friedrichroda/Th.: „ Diese politische Linie zeichnet sich besonders in den Spenden für das WHW. Und der Zugehörigkeit zur NSV. – steht doch Friedrichroda im politischen Kreis Gotha prozentual überhaupt an der Spitze –ab.“ Ebenso wirkte sich m. E.  die Nähe von Herzog  Karl Eduard  zur Reichführung  auf den Status von Reinhardsbrunn und Friedrichroda aus. [7]

Das Kurhaus stand schon im Jahr 1934 im Focus einer breiten, weltweiten Öffentlichkeit. So fand hier  am 21./22. Januar 1934 [8] eine für die damalige Zeit bedeutsame SA-Führertagung statt. Auf dieser wurden die Kernpunkte der künftigen nationalsozialistischen Zukunftsarbeit benannt, die da waren: Grundlegende weltanschauliche Umerziehung des deutschen Menschen, Verankerung des Prinzips der Autorität im ganzen deutschen Volk, Ausbau der Stellung der NSDAP als absoluter Repräsentant und Garant der neuen politischen Ordnung.

Auf dieser Tagung wurde die Zurückweisung der Ansprüche der SA auf die politische Führung innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung offensichtlich. Somit war diese Tagung ein weiterer Schritt auf dem Weg zur totalen Machtergreifung gewesen. Diese Phase wird als die „Röhmkriese und die zweite Revolution“ bezeichnet. [9]

Der 6.Februar

An diesem Tag im Jahr 1945 starteten 414 B-17G der 1st Air Division der 8th Air Force der US-Luftwaffe in England zu Angriffen auf Ziele in Mitteldeutschland. Sie wurden von Hunderten von Langstrecken-Jagdflugzeugen/Jagdbombern als „Eskorte“ begleitet. [10] Die „Primärziele“ sollten Ölraffinerien in Lützkendorf, Magdeburg-Rothensee und Verschiebebahnhöfe in Dresden und Chemnitz sein. Aufgrund des starker Bewölkung wurde auf „Sekundärziele“ in Thüringen ausgewichen. [11]

Die „303th Bombardment Group“ aus dem Verband des „41st Bombardment Wing“ bestand aus 39 B-17G. Sie erhielten während des Einsatzes den Befehl zum Angriff auf verschiedene „Sekundärziele“. Der Angriff auf Friedrichroda  ereignete sich  von 11.43 Uhr bis 11.50 Uhr. Elf der Dreizehn Bomber des „Unteren Levels“ warfen aus einer Höhe 7.200 Metern 27,5 Tonnen hochbrisanten Sprengbomben und 10 Ballen Flugblätter über Friedrichroda ab.

Die restlichen beiden B-17 luden 6,7 Tonnen Sprengbomben auf Schweina, bei Bad Liebenstein gelegen, ab.

Zu diesem Zeitpunkt war Friedrichroda allgemein als „Lazaretstadt“ ausgewiesen und über Markierungen auf den Dächern als Solche erkennbar. Die Stadt hatte 1945 weit  über 6.000 Einwohner. Aufgrund ihrer hervorragenden touristischen Kapazitäten musste dann im Krieg in großer Zahl Luftkriegsevakuierte aus Westdeutschland und  ab Ende 1944 Flüchtlinge aus den Ostgebieten beherbergt werden. Insgesamt waren das ca. 2000 Menschen zuzüglich, die hier Zuflucht suchten. Dazu kamen  noch eine große Anzahl verwundeter Soldaten, die in den Lazaretten behandelt wurden.

Die Rauchzeichen der Pfadfinder (Zielmarkierungen der Vorausflugzeuge) wurden durch den Aufwind der Berge um Friedrichroda in Richtung Schwarzbach abgetrieben. So wurde das vorgegebene Ziel, die Anlagen des Bahnhof Friedrichroda zu treffen, verfehlt. Die Bahnstrecke erhielt nur einen direkten Treffer.

Etwa 60 Explosionen erfolgten östlich der Stadt, auf freiem Feld hinter dem Schwarzbach. Wenigstens 90 High-Explosive-Sprengbomben detonierten in der Innenstadt. Es entstanden schwere Schäden an Wohn- und Geschäftshäusern. Besonders betroffen waren Hauptstraße, Struthsgasse, Bahnhofstraße, Marktstraße und Lindenstraße. 74 Gebäude wurden total zerstört und 350 beschädigt. Das Kurhaus und Reinhardsbrunn blieben von Zerstörungen verschont. Die Bomberbesatzungen beurteilten ihren Erfolg als mittelmäßig.

Diesem Angriff fielen 135 Einwohner, überwiegend Frauen und alte Menschen, aber auch 29 Kinder, zum Opfer. [12]

Die obige Darstellung der Ereignisse um Friedrichroda und Reinhardsbrunn herum, basiert auf intensiver Recherche der einsehbaren Quellen und einschlägiger Blogs im I-Net. Es ist der Versuch die vielen Informationsfragmente in einem schlüssigen Bild zusammenzufassen. Die Darstellung wird dem jeweils aktuellen Erkenntnisstand angepasst. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Hinweise  (möglichst mit Quellenangaben) sind ausdrücklich erwünscht.

Autor: P. Köllner

 

[1] Vortrag „Auch die Bibliothek des Deutschen Wetterdienstes wird 150 Jahre alt, H.D.Kirch,1997

[2] Zitat aus der Festschrift 125 Jahre Kur- und Erholungsort Friedrichroda/Thür. Wald, 1962, S.17

[3] Einwohnerverzeichnis Friedrichroda 1939/1949, s.19

[4] Schreiben vom 5. Juni 1945 an den amerikanischen Kommandanten, Betrifft Übergriffe amerikanischer     Soldaten im Schloß Reinhardsbrunn, Archiv der Stadt Friedrichroda

[5] Zitat aus der Festschrift 125 Jahre Kur- und Erholungsort Friedrichroda/Thür. Wald, 1962, S.12

[6] Jahresberichte 1800 – 1937, Hasert

[7] Hitlers Herzog: Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha – Die Biographie (Deutsch)  von Harald Sandner (Autor)

[8] Hitler – Das Itinerar (Band III): Aufenthaltsorte und Reisen von 1889 bis 1945, von Harald Sandner (Autor)

 

[9] Die nationalsozialistische Machtergreifung: Studien zur Errichtung des totalitären  Herrschaftssystems in Deutschland 1933/34, Karl Dietrich Bracher, Springer-Verlag, 17.4.2013)

[10] Quelle: Roger A. Freeman: Mighty Eighth War Diary. 1981. S. 434–435

[11] Lothar Günther: Missionen und Schicksale. 2014. S. 304

[12] Stadtarchiv und Heimatstube von Friedrichroda

 

NSV – Nationalsozialistische Volkswohlfart; Die nationalsozialistische Regierung verbot die liberalen, jüdischen und sozialistischen Wohlfahrtsverbände

OB West – Oberbefehlshaber West

HQu OKH – Hauptquartier Oberkommando des Heeres

 

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