26. August 2019
Gotha

Der 200. Geburtstag von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha

Des Traumpaar wird 200

26. August 2019 – An diesem Tag jährt sich der Geburtstag von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha schon zum 200. Mal.

Albert, der zweite Sohn von Herzog Ernst I. und Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde am 26. August 1819 auf Schloß Rosenau bei Coburg geboren. Seine Wiege kann hier heute noch besichtigt werden.
Prinz Albert , der Bruder von Herzog Ernst dem 2. Von Sachsen-Coburg und Gotha gilt auch heute noch als eine im 19. Jahrhundert herausragende und schillernde Persönlichkeit.


Er war hoch gebildet, sportlich (groß, schlank und etwas schüchtern) und zog die Blicke anderer auf sich.
Er war es, der das Herz der in dieser Zeit wohl mächtigsten Frau der Welt, das von Queen Victoria, Königin des Vereinigten Königreiches von England und Irland, eroberte. Gemäß ihrer gesellschaftlichen Stellung war sie diejenige, die Albert einen Heiratsantrag machte. Diese Ehe war somit eine Liebesheirat, was wohl an den europäischen Fürstenhöfen dieses Jahrhunderts eher eine Seltenheit war.
Auch Victorias Geburtstag jährte sich in diesem Jahr zum 200. Mal. Sie wurde nur wenige Monate vor Albert als Victoria – gebürtige Princess Alexandrina Victoria of Kent am 24. Mai 1819 in England im Kensington Palace geboren.

Wen der Alltag am Hofe und die Beziehung von Albert und Victoria in dieser Zeit interessiert, der ist meines Erachtens gut damit aufgestellt, wenn er den Film „The young Victoria“ anschaut. (Wikipedia)

Für uns hier in Reinhardsbrunn ist es das Jahr 1845 von herausragender Bedeutung. Am 26. August 1845 feierten Victoria und Albert dessen 26. Geburtstag, im Verlauf einer Reise in die Heimat Alberts, in Coburg. Von dort aus brachen sie gemeinsam mit viel Gefolge am 27. August auf, um am Abend dann im Schloß Reinhardsbrunn zu nächtigen.

Die persönlichen Eindrücke von dieser Reise hat Victoria ihrem Tagebuch anvertraut. So schrieb sie unter anderem:

(Frei erzählt von Peter Köllner nach den Tagebüchern von Queen Victoria, betreffend ihrer Reise mit Albert in seine Heimat im August 1845 (in Auszügen aus dem „Reinhardsbrunner Poesiealbum“, MACHOLD-Der VERLAG, 2016)

… endlich hatten wir in diesem Jahr die Zeit zusammen den Geburtstag von Albert unter Anteilname der Menschen in seiner Heimat zu begehen. Heute, im Ausklang des Abends des 26. August 1845, dem Geburtstag meines geliebten Albert, kommen mir die voran gegangenen Tage wie ein durchlebter Traum vor. Als das wirkliche Geschenk zum Geburtstag für meinen Prinzen war diese Reise selbst anzusehen. Gerade vor nicht einmal ganz 3 Wochen (Reisebeginn am 8. August) weilten wir noch auf unserem Familiensitz im fernen und doch so nahen England und heute war ein lang ersehnter Wunsch von mir, die Plätze von Alberts Kinder- und Jugendzeit zusammen mit ihm zu besuchen, wahr geworden.
Überall auf dieser Reise waren wir warmherzig und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung willkommen geheißen worden. Das trug dazu bei, dass meine bisherige Unruhe immer mehr einer erwartungsvollen Gespanntheit wich und ich mich wie im vertrauten Umfeld fühlte.
Erst zu später Stunde gingen wir zu Bett.

27.August 1845
… Ich fühlte mich, als würde ich meine 2. Heimat verlassen und spürte das Verlangen bald wieder hierher zurückkehren zu wollen. Als Kind hatte ich immer so viel über „Rosenau“ von meiner Mama und später dann von meinem geliebten Albert gehört, so dass es mir eine Freude ist jetzt hier zu sein.
Ich warf noch einen letzten Blick in die Räume & dann so etwa ¼ nach 8 Uhr verließen wir das liebliche und beschauliche „Rosenau“. Zusammen mit Ernest & Alexandrine fuhren wir in deren kleinen, offenen Wagen in Richtung Neuses und Beiersdorf (heute Stadtteile von Coburg). Wir gingen zu Fuß zum Fuchsberg & fuhren von dort aus weiter nach Rodach. Hier begrüßten uns einige in den Farben Weiß und Grün gekleidete Mädchen, die Blumen überreichten und Verse vortrugen. Der Geistliche sagte zudem ein paar Worte des Willkommens. Die Passanten, welche entlang des Weges standen, trugen Festtagskleidung.
Am Schloss Rodach stiegen wir für eine Weile aus.

Beim Verlassen von Meiningen eröffnete sich ein schöner Ausblick auf Schloss Landsberg. Das ist das hübsche Schloss des Herzogs inmitten einer Ebene, umgeben von wunderschönen Wiesen, die so typisch für Deutschland sind. Die darauf folgende Landschaft wurde immer lieblicher & der „Thüringer Wald“ kam in Sicht. Hier wird ein großer Teil des heimischen Tabak´s angebaut. Während der Fahrt durch die Dörfer sahen wir Häuser, an welchen der Tabak zur Trocknung aufgehängt war.

Nach 18 Uhr erreichten wir Schmalkalden, eine größere Industriestadt. Wir  wurden von einer großen Menschenmenge und einem humorvollern Postmeister erwartet. Dieser brachte uns sehr zum Lachen. Von hier aus ging es weiter hinein in eine der schönsten Landschaften. Diese war geprägt von mit schönen/kräftigen Tannen bewachsenen Bergen, wie in Schottland, verstreut liegenden malerischen, kleinen Dörfern und einer klaren (reinen), kühlen Bergluft. Direkt am Schmalkaldischen angrenzend, beginnt Ernest´s Territorium. Als der Aufstieg hinauf zum Kamm des Thüringer Waldes erfolgte, brach langsam die Dunkelheit über uns herein.
Dort oben (auf dem Heuberg) waren viele Menschen versammelt, die uns begrüßten. Herr von Stein hielt eine sehr ansprechende  Rede. Einige Bauernmädchen zeigten ihre reizvollen heimischen Trachten und rezitierten Verse. Das ganze wurde von einem geschmackvolle geschmückten Triumphbogen geziert. Von hier aus verlief unsere Fahrt in einem sanften, großartigen Abstieg, inmitten von edel bewaldeten Bergen, beiderseits, entlang eines Thales mit einem Bach. Den ganzen Weg hinab folgte uns die Bevölkerung, die uns oben auf dem Kamm empfangen hatte. Als wir in Friedrichroda ankamen, war die Dunkelheit schon hereingebrochen und die kleine Stadt war hell/voll erleuchtet, alle Fenster waren aufgezogen.
Von hier aus ging es im Schritttempo in Richtung Reinhardsbrunn, das ganz in der Nähe der Stadt liegt, weiter. Hier hatten sich schon eine ganze Reihe von Leuten versammelt. Wir waren in der Tat dankbar dafür, dass sich die Fahrt dem Ende zuneigte.
Reinhardsbrunn ist ein lieblicher Ort und das Schlossgebäude ist wundervoll – ganz nach den Vorstellungen des lieben Papa, sehr geschmackvoll gestaltet. Reinhardsbrunn war ursprünglich ein Kloster.

Nachdem ich ein wenig geruht hatte, begab ich mich in den Salon, wo Alexandrine, Tee reichte. Danach sahen wir einen Fackelzug der hiesigen Bergleute in ihrer typischen Bergmannskleidung kommen. Sie waren neugierig auf uns und hatten diesen Fackelzug uns zu Ehren veranstaltet.

28. August 1845
Morgens, so gegen acht, stand ich, noch etwas müde von der der vorangegangenen, für mich etwas unruhigen Nacht, auf. Das Schlagen der Uhr und der Nachtwächter hatten mich nicht zur Ruhe kommen lassen.
Dann, um 9 Uhr begaben wir uns zum gemeinsamen Frühstück. Pünktlich zu diesem Zeitpunkt kam Großmutter in Reinhardsbrunn an. Ich eilte ihr entgegen um sie hier bei uns zu begrüßen.
Sie ist eine überaus charmante und gut aussehende alte Dame, die für ihre 74 Jahre noch sehr vital und aktiv ist. Leider ist sie inzwischen stark Schwerhörig. Sie erschien mir sehr Glücklich darüber, uns zu sehen. Ganz besonders auch mein geliebter Albert war sehr gerührt, ihre Freude darüber, uns zu sehen, erleben zu können, hatte er doch diesen Augenblich schon so lange herbeigesehnt.
Großmutter frühstückte mit uns und verließ Reinhardsbrunn dann wieder, um nach Gotha zurückzukehren. Hier wollten wir uns dann am Abend auf Schloss Friedrichsthal, der Sommerresidenz von Großmutter, treffen.
So gegen 11 Uhr begaben wir uns dann, in Begleitung von Charles, auf einen Rundgang durch den Park. Wir gingen um das schmucke Hauptgebäude herum. Es ist von wunderbaren Bäumen und Blumen
umgeben. Dahinter, in der Ferne erheben sich sanfte, bewaldete Berge. In unmittelbarer Nähe, nordwestlich vom Schloss eröffnet sich der Blick aus das Wasser eines Sees. Das macht diesen Ort für mich, zu einem der Anmutigsten derer, die ich bisher gesehen habe. Auf dem Rundgang kamen wir auch an eine alte Kapelle. In dieser wurde das Holzkreuz, das schon St. Bonifacius gehört hatte. Dieser hatte es wohl als Zeichen des Christentums, erstmals in alter Zeit, nach Deutschland gebracht. An der Außenseite der Kapelle sind die Grabplatten der früheren Landgrafen von Thüringen zu sehen. Eine davon befindet sich auf Veranlassung von Johann Casimir, im Innern der Kapelle. Diese haben mein besonderes Interesse geweckt.
Im Anschluss an den Spaziergang fuhren wir dann zusammen mit Charles und Ernest in dessen Wagen durch einen Teil, des von herrlichen Fichten und Tannen bewachsenen Waldes. Hier sind die Bäume mit ihren erhabenen Zweigen besonders hoch gewachsen. Die hohen Felsen, die sich vor uns auftun, bestehen hauptsächlich aus Porphyr. Es gibt schnelle Bäche. Dieser Teil des Waldes wird der „Ungeheure Grund“ genannt. Hier gibt es Rotwild im Überfluss. Wir fuhren bis zu höchsten Erhebung. Das war ein schönes Erlebnis. Es wurde Zeit wieder nach Hause zurück zu kehren. Bei unserer Ankunft zog sich Albert mit Ld Aberdeen zurück. Ich selbst begann schon einmal damit, mein Tagebuch weiter zu führen.
Der Speisesaal des Schlosses, in dem wir unsere Mahlzeiten einnahmen, ist ein großer Raum, dessen Wände mit eindrucksvollen Hirschköpfen verziert sind. Die daran anschließende Hirschgalerie ist auch voll davon. Die Tiere sind allesamt von honorigen Personen erlegt worden.
Ach noch etwas: Reinhardsbrunn war ursprünglich ein Kloster.

Danach ging ich in den kleinen Garten (Klostergarten) gegenüber unseren Suiten um unter anderem auch mein Tagebuch zu schreiben. Gerade zu diesem Zeitpunkt kamen Onkel Leopold & Louise hier an.

„Nach dem lieben Rosenau, ist es Reinhardsbrunn, das mir mehr als alles gefällt. Ich wünschte mir genau hier mindestens eine Woche verbringen zu können.“

(„After the dear Rosenau, Reinhardsbrunn is what has pleased me more than anything, & I should have liked to spend at least a week there.“)

So etwa gegen 16 Uhr machten wir uns zusammen mit Onkel & Louise auf den Weg nach Gotha.
Der Ablauf, bei Benutzung der gleichen Gefährte, gestaltete sich wie in Coburg. Mein Onkel Albert, als auch Charles trugen jetzt Uniform.
In unmittelbarer Nachbarschaft von Reinhardsbrunn ist Schnepfenthal gelegen. Dort wurden wir von Professor Salzmann erwartet, dem Gründer der von ihm geleiteten, berühmte Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben. Diese präsentierten uns selbst verfasste Verse, die sie uns singend vortrugen. Ab und an gingen auch mal ein paar Töne daneben.
Später dann erreichten wir Sundhausen. Hier sattelte Ernst sein Pferd. Von da an ritt er dann auf meiner Seite des Wagens, Alvensleben ritt dann auf der anderen Seite. Hier bildete sich eine Prozession aus Unmengen von Menschen von den Außenbezirken der Stadt bis hinein ins Zentrum von Gotha.

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