12. Januar 2022
Gotha

Gedenken an ermordete Täufer in Reinhardsbrunn und Online

Beitrag zu den Themenjahren 500 Jahre Täuferbewegung

Symbolbild: Pixabay

Das traditionelle Gedenken an sechs hingerichtete Täuferinnen und Täufer in Reinhardsbrunn bei Friedrichroda findet dieses Jahr als Hybrid-Veranstaltung statt. Am kommenden Dienstag (18. Januar) wird zunächst um 12 Uhr zu einem Pilgerweg zur Richtstätte am Igelteich eingeladen. Start ist am Klosterpark Reinhardsbrunn. Um 14 Uhr folgt das Gedenken an einer Stele im Klosterpark. Um 19.30 Uhr beginnt online das Reinhardsbrunner Gespräch zum Thema „Gottesdienst & Welt – heilig, lebendig, vernünftig?!“. Der Zoom-Link ist unter www.kirche-und-tourismus.de zu finden.

Zu dem Reinhardsbrunner Gespräch sprechen Timo Doetsch, Jugendreferent der Evangelisch-Mennonitischen Freikirche Dresden, und Kirchenrätin Charlotte Weber, Referatsleiterin Ökumene im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die Moderation übernimmt Wolfgang Krauss von der Mennonitengemeinde Augsburg. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie verhält sich der Gottesdienst am Sonntagmorgen zum Gottesdienst in der Welt? Wie werden Christen und Christinnen gestärkt für ihren Dienst in der Nachfolge Christi und für ihre Aufgaben in Liturgie, Predigt, Gemeinde- und Chorgesang, Zeugnis und Dienst?

Am 18. Januar 1530 wurden vier Täuferinnen und zwei Täufer in Reinhardsbrunn hingerichtet. Die Erinnerung daran wurde im Rahmen der lutherisch-mennonitischen Versöhnung 2010 in Stuttgart geweckt. 2013 eröffnete die EKM gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen das Themenjahr „Reformation und Toleranz“ im Gedenken daran. Dabei wurde im Klosterpark Reinhardsbrunn eine Stele mit den Namen der Hingerichteten enthüllt. Seitdem führt der Jahrestag der Hinrichtung zu ökumenischem Gedenken und Gespräch zusammen. Dies geschieht derzeit auch im Rahmen der fünf Themenjahre von 2020 bis 2025. Die von Mennoniten, Baptisten und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen getragene Aktion „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung“ bereitet damit das Jubiläumsjahr 2025 vor. Das Jahresthema 2022 „konsequent leben“ verweist auch auf das Martyrium der in Reinhardsbrunn Hingerichteten.

Die Ausstellung „Die Täufer in den Widersprüchen der Zeit“ informiert seit 2015 im „Informationszentrum Spiritueller Tourismus Reinhardsbrunn“ über die Täuferbewegung und deren Verfolgung, aber auch das heute versöhnte Miteinander. Das Zentrum fördert Pilgerwege, darunter den Versöhnungsweg zwischen Zella-Mehlis und Reinhardsbrunn, der mit dem Hintergrund der lutherisch-mennonitischen Versöhnung entstanden ist. Träger des Zentrums ist der Verein „Kirche und Tourismus“.

Hintergrund: Die Täuferbewegung ist eine reformatorische Bewegung, die parallel zur Reformation von Martin Luther und Huldrych Zwinglis entstand. Die weit verbreitete Kritik an der Kindertaufe setzte ein Kreis früherer Schüler Zwinglis in die Praxis um. So kam es in Zürich Ende Januar 1525 zur ersten Glaubenstaufe an Erwachsenen. Die Bewegung fand auch in reformatorischen Kreisen Thüringens Anhänger. Sie traten für eine geschwisterliche Kirche ohne Hierarchie und Klerus ein und wurden von katholischer wie protestantischer Seite verfolgt. Aus der Täuferbewegung entstanden die Mennoniten, die wegen ihres Einsatzes für Gewaltfreiheit zu den historischen Friedenskirchen gezählt werden. Erst im 20. und 21. Jahrhundert kam es zu Dialogen, Versöhnung und ökumenischer Gemeinschaft.

Weitere Informationen im Internet:

www.taeuferbewegung2025.de / www.täuferausstellung.de

 

Der Termin im Überblick

  1. Januar, Gedenken an sechs hingerichtete Täuferinnen und Täufer

12 Uhr, Friedrichroda, Klosterpark Reinhardsbrunn: Beginn Pilgerweg zur Richtstätte am Igelteich

14 Uhr, Stele im Klosterpark: Gedenken

19.30 Uhr, Online: Reinhardsbrunner Gespräch über Zoom zum Thema „Gottesdienst & Welt – heilig, lebendig, vernünftig!?“

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