29. Januar 2021
Gotha

Glanz und Strom vs. Natur

Wasser ist Leben. Nur leider fehlt das seit geraumer Zeit im Flussbett der Apfelstädt. Eine Bürgerinitiative kämpft dagegen.

Immer öfter sitzt die Lohmühle buchstäblich auf dem Trockenen und Rainer Strobel muss seine Turbine abschalten.

Seit jeher ist das Tal der Apfelstädt Idylle pur. Schon kurz nach ihrer Quelle wird sie von der Alten Tambacher Talsperre eingefangen. Und auch genau hier beginnt das Problem, dass die Gemüter der Anrainer des kleinen beschaulichen Flüsschens hochkochen lassen. Denn immer weniger Wasser wird von der Talsperre in das eigentliche Flussbett eingespeist. Immer weniger Wasser treiben die Turbinen – wie die am Lohmühlenmuseum – an. Immer weniger Wasser speist die wertvollen Habitate an den Ufern der Apfelstädt. Und warum?

„Weil das Wasser umgeleitet wird, es zur Stromerzeugung in Erfurt genutzt wird und wir einen großen Teil des Jahres buchstäblich auf dem Trockenen sitzen“, erzählt Rainer Strobel, der mit seiner Frau Susanne die Lohmühle betreibt. In vielen Jahre unermüdlicher Arbeit haben die beiden mit einer Menge anderer engagierter Menschen hier ein wahres Kleinod erschaffen, dass, wenn nicht gerade ein kleines Virus das Leben faktisch zum Erliegen bringt, ganzjährig ein Besuchermagnet zwischen Georgenthal und Tambach-Dietharz ist.

Zahlreiche Mühlen gab es einst an der Apfelstädt. Die Lohmühle war die Nummer 19 von insgesamt einmal 56.

„Das Wasser der Apfelstädt wird zur Ökostromgewinnung um sein natürliches Flussbett herum, durch die Westringkaskade, direkt nach Erfurt umgeleitet“, erklärt dazu die Bürgerinitiative „Lebensraum Apfelstädt“. Hier wird zum einen Strom produziert, zum anderen soll das Wasser im Norden der Landeshauptstadt auch eine Seenlandschaft speisen im Rahmen der BUGA 2021. Des Weiteren soll das Wasser der Apfelstädt Obstplantage der Fahner Höhe versorgen.
„Sicher alles wichtige Maßnahmen, wenn es die Wassermengen hergeben würde. Tun sie aber nicht“, sagt Rainer Strobel, der nicht versteht, warum man ein schützenswertes Landschaftsgebiet dafür opfert. Denn Teile der Apfelstädt sind gemäß der Europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) unter besonderen Schutz gestellt.

Seine Aussagen kann Strobel mit wenigen Zahlen belegen: „2019 produzierte unsere Turbine rund 146 000 Kw/h Strom. 2020 waren es nur 54 000. Vom April bis Jahresende stand die Anlage still und konnte die Lohmühle und die weiteren Betriebe in der Nähe nicht mit Strom beliefern.“ Das Thüringer Umweltministerium sieht übrigens keinen Zusammenhang zwischen dem Trockenfallen der Apfelstädt und dem Umleiten des Wassers durch die Westringkaskade nach Erfurt.

Dass es viele gute Gründe für den weiteren Schutz dieser besonderer Landschaft gibt, zeigt auch ein Film des MDR, den Moderatorin Steffi Peltzer-Büssow mit ihrem Team gegenwärtig produziert. Er ist am 20. Februar um 18.15 Uhr, im MDR, zu sehen.

Im vergangenen Jahr stand das Wasserrad an der Lohmühle fast acht Monate lang still.

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