Kasperkopfkünstler und Schaukelpferdschnitzer - meinanzeiger.de
27. September 2017
Gotha

Kasperkopfkünstler und Schaukelpferdschnitzer

Mein Museum: Das Johannisbergmuseum in Altenbergen

Das Johannisbergmuseum in Altenbergen zeigt die Arbeit der armen Leute. Der Tipp kommt von Sabine Marx. Sie ist Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte und Archäologie St. Johannes Altenbergen / Catterfeld. 


Was gibt es„Musehenswertes“?
1870 wurde die Altenberger Schule eingeweiht. Im Jahr 2015 wurde in dem historischen Gebäude das Johannisbergmuseum eröffnet. Altenbergen und Catterfeld waren sehr arme Dörfer. Die meisten Menschen verdienten sich als Schnitzer etwas dazu. Wir zeigen hier die Arbeit der kleinen Leute und welche Kreativität sie entwickeln mussten, um überleben zu können.

Bei uns gibt es Einblick in die früheren Werkstätten und Heimarbeitsplätze. Die Menschen in der Region arbeiteten als Holzbeinschnitzer, stellten Komponenten für die berühmten Ohrdrufer Schaukelpferde her. Aus Pappmaschee fertigten vor allem Frauen dieTeile für die Puppenindustrie in Waltershausen. Hieraus entwickelte sich die Schaufensterpuppen-Produktion in Altenbergen. Wir zeigen außerdem die kunstvollen Köpfe der drei letzten Kasperschnitzer der Region, die noch bis in die 50er-Jahre gearbeitet haben. Land- und hauswirtschaftliche Geräte, Werkzeuge der Böttcher, Knopf-, Korb- und Schuhmacher ergänzen die Ausstellung.


Woran führt kein Weg vorbei?

Stolz sind wir auf unseren Archäologiebereich, den nicht jedes Heimatmuseum hat. Wer sich für die frühe Besiedlungsgeschichte der Region interessiert, der bleibt hier immer hängen. Wirzeigen eines von drei gut erhaltenen Skeletten, die in den 60er-Jahren auf dem St.-Georgsberg freigelegt wurden. Hier wurde 1143 ein bedeutendes Kloster gegründet. Der Mann starb in dieser Zeit durch einen Schwerthieb – dies ergab eine Untersuchung, die wir mit dem Erlös aus unserem Museumsfest durchführen ließen. Wir hatten uns erhofft, dass er zwei bis drei Jahrhunderte früher gestorben wäre. Dies wäre ein wissenschaftlicher Beweis gewesen, dass die Gegend schon vor der Klostergründung besiedelt gewesen wäre. Der Sage nach heißt es nämlich, dass Bonifatius im Jahr 724 die erste Taufkirche Thüringens hier in Altenbergen errichten ließ.


Außer der Reihe:

Wir haben keine regelmäßigen Öffnungszeiten, doch der letzte Sonntag jedes Monats ist bei uns Museumsnachmittag. Von 14 bis 17 Uhr bieten wir dann immer Angebote und Schauvorführungen: Wir bekommen Besuch vom Holzbeinschnitzer oder der Kräuterfrau, wir schlagen Schindeln, backen oder kochen Klöße nach alten Rezepten, setzen Wein an oder basteln Adventsschmuck. Es gibt immer etwas Traditionelles, damit die Erinnerung nicht untergeht und bewahrt bleibt. Gefeiert wird zudem am zweiten Sonntag im August unser Museumsfest.


Museum zum Anfassen:

Die meisten Stücke sind empfindlich und müssen vorsichtig behandelt werden. Daher dürfen sie nur unter Anleitung während einer Führung angefasst werden. Viele alte Geräte wie die Wäschemangel oder Bohnenschnippler funktionieren noch, ebenso die Wäscherolle, der Vorgängerdes Bügeleisens. Wir stampfen auch Butter im Fass oder schleudern die Milch in der Zentrifuge.


Ihr liebstes Stück?

Da kann ich mich gar nicht festlegen. Sehr froh bin ich, dass uns aus der Kasperschnitzerei viel überlassen wurde. Das sind Schenkungen von Nachkommen und durchaus wertvolle Bildhauerarbeiten. Auch freue ich mich sehr, dass die Schönauer Korbmacher mit an Bord sind.


Sind auch Kinder museumsreif?

Vor allem Grundschulklassen kommen auf uns zu. Die Kinder sind fasziniert, für sie entsteht im Museum eine fantastische Traumwelt. Gemeinsam haben wir schon Hände für Puppen gepresst oder dem Spielzeug Augen eingesetzt. Auch der Schulalltag von damals interessiert die Kinder.


Museumrundgang:

Der Rundgang dauert etwa eine Stunde, aus der schnell zwei oder drei werden können.


Museum zum Mitnehmen:

Wir verkaufen Literatur über die Region, zum Teil von Vereinsmitgliedern verfasst.


Das muss gesagt werden:

Unser Verein für Heimatgeschichte und Archäologie St. JohannesAltenbergen / Catterfeld hat sich 1994 gegründet, um die Traditionen aufrecht zu
erhalten und weiter zu erforschen. Wir arbeiten eng mit der Bevölkerung zusammen und möchten, dass sich die Leute mit dem Museum identifizieren. Wir haben 90 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Wir sind der Gemeinde sehr dankbar, die Alte Schule nutzen zu können. Richtig glücklich wären wir, wenn uns die Gemeinde das komplette Gebäude überlassen würde. Die Fülle an Ausstellungsstücke ist so gedrängt oft nicht gut wahrnehmbar.


Zu Sache:
Johannisbergmuseum
Straße der Freundschaft 15 (Alte Schule)
Altenbergen

Öffnungszeiten:
Jeden letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr und auf Anfrage

Kontakt:
Telefon: 036253/41232,
info@gv-altenbergen-catterfeld.de,
www.gv-altenbergen-catterfeld.de

Alle Museen der Serie finden Sie hier als übersichtliche Karte.

Auch interessant