Kleine Kunstwerke aus Straußeneiern - meinanzeiger.de
28. Januar 2020
Gotha

Mit viel Gefühl in den Fingern

Die gebürtige Ungarin Bernadett Heller-Bakó fertigt in ihrer Freizeit wahre Kleinode aus Straußeneiern

Bernadett Heller-Bakó fertigt fragile Kunstwerke. Foto: Dirk Koch

Von Dirk Koch

Kleine Kunstwerke sind es, die bei Bernadett Heller-Bakó in Gotha auf der Kommode im Esszimmer und im ganzen Haus verteilt stehen. Die gebürtige Ungarin kam bereits in ihrer Heimat bei Eger mit Straußeneiern in Berührung. „Meine Familie hatte eine Straußenfarm, mit den Jahren waren immer mehr Tiere in der Zucht. Nicht alle Eier kamen zum Ausbrüten, diese ­haben wir ­geleert. Frische Eier dienten als Lebensmittel, sie entsprechen ungefähr 24 Hühnereiern.“ berichtet sie.

Gravieren statt Bemalen – damit das Ei als Ei erkennbar bleibt

Vor 20 Jahren hatte Bernadett Heller-­Bakó einen Unfall, sie war drei ­Monate lang bewegungsmäßig eingeschränkt. „Mit den Händen ging es aber gut, also nahm ich ­einen Dremel meines ­Bruders und fing an, die Straußen­eier zu bearbeiten. Dreiecke, Kreise, Muster, das waren so die ersten Versuche. Ich habe mich stets an etwas Neuem ausprobiert. Das Bemalen habe ich dann gelassen, das Gravieren gefällt mir besser. So bleibt das Ei als Ei erkennbar, was mir wichtig erscheint.“

Einfach ausprobieren!

Ein Bekannter aus Deutschland warb die Ungarin für eine Ausstellung in Stuttgart, die ihr großen Spaß machte. Allerdings war das ein Nullsummenspiel. „Gravierte Eier waren zudem noch gar nicht auf dem Markt, Straußeneier schon gar nicht!“
Heute wie einst ist Bernadett Heller–Bakós Motto ganz simpel. „Einfach ausprobieren! Wenn man eine Idee hat, kommt das Handwerkliche von ganz alleine!“ sagt sie lachend. Ihre Hobby­leiden­schaft kann im März in Leipzig und im April in Gotha in ­Ausstellungen ­bewundert werden.

Eine wirklich große Lebensänderung

Mehrere Jahre arbeitete Bernadett Heller auf Kreuzfahrtschiffen, kennt die ganze Welt und lernte dort auch ihren Mann kennen, der im ­Technischen Dienst beschäftigt war. So führte ihr Lebensweg 2008 nach Gotha. „Eine wirklich große Lebensänderung, sie hat mich in mein neues Daheim hier in Thüringen gebracht. Da hatte ich auch wieder mehr Zeit. Mein Mann baute mir eine Gravierkiste, auf der eine Glasplatte angebracht war. Mit einem Industriestaubsauger wird der Feinstaub abgesaugt, der beim Gravieren entsteht.“ Mittlerweile gibt es sogar Eier mit dem Stadtwappen von Gotha.

Nicht nur Straußeneier werden zu sehen sein

Die erste Vorstellung der Straußeneier in Thüringen gab es dann 2014 auf Schloss Friedenstein. Auch dort kannte man diese Kunst noch nicht, einige Besucher hielten die ­gravierten Straußeneier sogar beim ersten ­Anblick für Plastik. Beim Besuch der Gothaer Ausstellungen wurden ­Leipziger Touristen auf die Hobbykunst aufmerksam, und in diesem Jahr gibt es deshalb die erste Ausstellung in der Messestadt. Bunte Farbtupfer in den Ausstellungen werden übrigens kleine bemalte Schneckenhäuser sein. Die werden durchaus schon einmal von Sohn und Tochter mitgestaltet und hängen am ­Osterstrauß. Überhaupt geht die ­kleine Familie gern auch einmal in die Natur und sucht Material. Die Straußeneier werden allerdings nach wie vor aus Ungarn geliefert. ­Übrigens verarbeitet die Künstlerin auch Eier, aus denen Küken ­schlüpften. Diese finden, beispielsweise ausgekleidet mit edlem Stoff, als Bonbon- oder Snackschale ­Verwendung.

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