Göttlicher Himmel im Rittersaal von Schloss Tenneberg - meinanzeiger.de
24. Oktober 2017
Gotha

Göttlicher Himmel im Rittersaal von Schloss Tenneberg

Serie: Hohe Kunst

Dieses fast 300 Jahre alte Deckengemälde im Rittersaal von Schloss Tenneberg hat einen erstaunlichen 3-D-Effekt.

Dieses fast 300 Jahre alte Deckengemälde im Rittersaal von Schloss Tenneberg hat einen erstaunlichen 3-D-Effekt.

Für diese wunderschönen Decken legen wir gerne ­unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Hinauf schaut für uns Mike H. Raimann, „Burgvogt“ und Leiter von Schloss Tenneberg.

Der Rittersaal von Schloss Tenneberg in Waltershausen hat nichts mit Rittern zu tun. Er verdankt seinen Namen dem Deckengemälde von Johann Heinrich Ritter. Ich finde es faszinierend, wie der Künstler mit unserer Wahrnehmung spielt. Im Wagen in der Bildmitte sitzt Herzog Friedrich II. – dargestellt als Göttervater Zeus. Daneben als Hera seine Gattin Magdalena Augusta. Eine imposante Zahl: Das Paar hatte 18 Kinder.


Das Bild mit den Göttern der Antike hat einen versteckten 3D-Effekt. Wenn Sie in der Mitte des Raumes sind, dann kommt der Moment, wo sich für Sie gefühlt die Wände aufstellen und man im übertragenen Sinne in den Himmel schaut. Egal, wo sie im Raum stehen, die Augen des Herzogs folgen Ihnen. Sie haben immer Blickkontakt.

Das Rad scheint sich zu drehen




Dann hat das Bild wandelnde Fluchten. Der Wagen des Herzogs wird in die Ecke bewegt, in der Sie gerade stehen. Und wenn Sie das Rad fokussieren, während Sie im Kreis gehen, scheint sich das Rad zu drehen.

Das Gemälde entstand circa zwischen 1719 und 1723. Wenn man bedenkt, dass Ritter auf einem Gerüst lag, um das Bild zu malen, nur einen DIN-A4-Ausschnitt vor seinen Augen, beweist dies den Genius des Mannes. Immer wieder erinnern sich Gäste, dieses Bild schon vor 30, 40 Jahren einmal gesehen zu haben. Das zeigt, welchen Nachhall das Bild beim Betrachter auslöst.

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