Kloßfresser, Schwindelbüsten und Orgelstars auf Schloss Tenneberg - meinanzeiger.de
2. November 2017
Gotha

Kloßfresser, Schwindelbüsten und Orgelstars auf Schloss Tenneberg

Serie: Mein Museum

Kleines Goldstück: Das Gegenstück zu dieser Pantoffel-Frau wurde in Amerika für eine immense Summe verkauft.

Kleines Goldstück: Das Gegenstück zu dieser Pantoffel-Frau wurde in Amerika für eine immense Summe verkauft.

Ein Schloss, ein Heimat- und ein Puppenmuseum – und alles für einen Eintrittspreis. Mike H. Raimann, „Burgvogt“ und Leiter von Schloss Tenneberg, führt durch das Schloss Tenneberg in Waltershausen.

Was gibt es „Musehenswertes“?
Seit 1929 hat es auf Schloss Tenneberg, das 1176 erstmals urkundlich erwähnt wurde, immer ein Museum gegeben. Derzeit beherbergt das Schloss zwei Museen: unser Heimatmuseum und eines der größten Puppenmuseen Deutschlands.

Woran führt kein Weg vorbei?
Die frisch rekonstruierte Thielemann-Orgel in unserer Kapelle ist der neue Star des Hauses. Das Original stammt circa aus dem Jahr 1727, doch es gab zwei, drei Generationen, die nur den leeren Korpus kennen – ohne Holz- und Prospektpfeifen, Technik oder Manual. Die Orgel wurde im Ersten Weltkrieg geplündert. Im vergangenen Jahr ist sie von der Firma Stade aus Waltershausen wiederbelebt worden und wurde am 30. September 2017 mit einem Konzert eingeweiht.


Trauzimmer im Barocksaal




Museum zum Anfassen:
Im Festsaal finden kleine Konzerte und Lesungen statt. Fünfmal im Jahr sind wir Trauzimmer der Stadt Waltershausen. Da die benachbarte Kapelle weiterhin ein geweihtes Gotteshaus ist, kann dort auch kirchlich geheiratet werden. Der Festsaal ist ein typischer Barocksaal. Das ist ein beeindruckender Moment, wenn die Braut in den lichtdurchfluteten Saal schwebt, alles ist geschmackvoll dekoriert, vielleicht spielt klassische Musik. Der Saal entstand etwa zwischen 1715 und 1723. Seine Decke schmückt das beeindruckende Bild des Künstlers Johann Heinrich Ritter. Die Wände, jede Büste und jedes Ornament sind aus Holz. Solche kleinen Schwindeleien waren im Barock so üblich. Es gibt sogar Schlösser, da sind die Figuren nur aus Papiermaché.

Ich lasse die Besucher gerne erraten, was sie sehen: An den Längsseiten stellen die Büsten die zwölf Sternzeichen da, im hinteren Teil die vier Elemente. Das Bild zeigt den römischen Gott Vulcanus beim Pfeileschmieden für Liebesgott Amor. Im vorderen Teil haben wir die Büsten der vier Jahreszeiten und in der Mitte die Herzogin der Barockzeit, Magdalena Augusta. Ohne sie hätte es den Umbau des Hauses nicht gegeben. Er war ein Geschenk ihres Mannes, denn das Schloss sollte ihr Witwensitz werden.

Ihr liebstes Stück?
Der Kloßfresser. So stellt sich der Besucher den Thüringer vor. Die Figur hat eine besondere Mechanik, die immer noch funktioniert. Sie legen den Kloß in den Mund, drehen und während die Puppe den Kloß verschluckt, gehen die Augen wieder begierig gen Schüssel. Ich sage immer den Gästen: „Das ist nicht ganz lebensecht dargestellt, da gehört auch noch eine Bratwurst dazu.“

Außer der Reihe:
Bis Mitte 2018 haben wir eine Gemäldeausstellung des Dresdner Künstlers Gotthold Müller im Haus.

Bärchenkarussell ist der Renner




Museum For You:
Wir bieten Führungen in Englisch an.

Sind auch Kinder museumsreif?
Wir wollen das Museum für Kinder noch begreifbarer, anfassbarer machen, einfach zu einem positiven Erlebnisort. Wir wollen einen neuen Weg gehen, weg von den Puppen hinter den Glasscheiben steriler Vitrinen. Klar, die besonderen Ausstellungsstücke werden wir nie befreien können. Die Kinder spielen aber sehr gerne mit der BRIO-Bahn, dem Puppenwagen und vor allem dem Bärchenkarussell. Ich sage dann immer: Es lebt von eurer guten Laune.

Museumrundgang:
Die beiden Museen lassen sich in ein bis zwei Stunden entdecken. Ich biete auch Führungen an, bei denen ich als Burgvogt gewandet bin.

Museum zum Mitnehmen:
Wir bieten von der Postkarte mit Motiven bekannter Waltershäuser Künstler bis zur DVD einiges an und haben auch die Spielwaren der Firma „Kellner Steckfiguren“ im Sortiment.

Das muss gesagt werden:
Im Schlosscafé kann pausiert oder gefeiert werden. Jährlich am zweiten Septemberwochenende lädt das Schloss zum Mittelalterfest. Wir wollen noch wachsen: Wir haben noch einige Magazine, in denen noch Kostbarkeiten schlummern, die ich den Gästen gerne zeigen möchte. Ich selbst forsche zur jüdischen Geschichte in Waltershausen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass man sich ein bisschen darauf besinnt, was in einer Demokratie alles schief gehen kann.

Zur Sache


Museum – Schloss Tenneberg
Tenneberg 1
99880 Waltershausen
Telefon: 03622/69170
info@schloss-tenneberg.de
www.waltershausen.de

Öffnungszeiten:
Von April bis Oktober von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr Von November bis März von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr



Abweichende Zeiten für Führungen sind möglich. Im Januar ist geschlossen.




Alle Museen der Serie finden Sie hier als übersichtliche Karte.

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