Rudi, ein verdienter Erfinder aus Gotha - meinanzeiger.de
15. Januar 2020
Gotha

Rudi, ein verdienter Erfinder aus Gotha

Kreatives Arbeitsleben eines unermüdlichen Denkers und Tüftlers

Der Gothaer Erfinder Rudi Frank hatte viele gute Ideen. Der „Heini Eckenkiecker“ könnte von Helga Sander stammen (damals verantwortlich für den Gothaer Kreisteil) und ­erschien am 6. Januar 1960 in der Tageszeitung „Das Volk“. Repro: Horst Gröner

Von Horst Gröner

In diesen Tagen wäre der Erfinder Rudi Frank 97 Jahre alt geworden. Vor drei Jahren, am 2. Januar 2017, ist er nach längerer Krankheit in Gotha gestorben. Geboren wurde er am 5. Dezember 1922 in Bock und Teich, einem Ortsteil von Lichte im Kreis Neuhaus am Rennweg.

Vom Metallflugzeugbauer zum englischen Gefangenen

1937 begann er in der Gothaer Waggonfabrik eine Berufsausbildung als Metallflugzeugbauer, die er nach dreieinhalb Jahren erfolgreich abschloss. Von Oktober 1941 bis zu seiner Gefangennahme im Februar 1945 diente Frank als Soldat. Im September 1945 wurde er offiziell aus englischer Gefangenschaft entlassen und kam im März 1946 zu seinen Eltern nach Hohenkirchen zurück.

Tätigkeit als Schlosser

Von 1947 bis 1957 war Rudi Frank überwiegend als Schlosser in der Montage des VEB Blechbearbeitungswerkes Gotha (Blema) beschäftigt. Hier wurden in der DDR die ersten Blechrichtmaschinen zum spannungsfreien Richten von größeren Blechtafeln gebaut.

„Da kam mir eine Idee“

Als einfachem Schlosser verhalf ihm 1952 der Zufall zu einer Situation, die sein weiteres Berufsleben bestimmen sollte: Er beobachtete von seinem Arbeitsplatz aus eine zu montierende Blechrichtmaschine. „Da kam mir eine Idee“, so schrieb er einmal, „die ich in den nächsten Stunden und Tagen zu Papier brachte. Mit diesem Papier ging ich zum Werkleiter und machte ihn mit dem zu ­erwartenden großen Nutzen und Fortschritt bekannt. Er ließ sich überzeugen und gab mir das gewünschte Reißbrett in einem separaten Raum…Dieser Geistesblitz führte nach einigen Stolpersteinen später zu meinem ersten Patent.“

Fernstudium

Ab 1952 arbeitete Frank also im Konstruktionsbüro. Im Jahr 1954 hatte er sich zu einem Fernstudium mit Ingenieurabschluss entschieden, brach dies aber aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten im privaten Bereich nach zwei Jahren ab. Als Externer an der Ingenieurschule Schmalkalden nahm er es jedoch in fortgeschrittenen Alter wieder auf und erhielt 1973 seinen ­Abschluss mit der Verteidigung einer Spezialbohrmaschine, für die ihm bereits ein weiteres Patent erteilt worden war.

Stellvertreter des Konstruktionsleiters

Die weiteren beruflichen Stationen von Rudi Frank sind rasch dargestellt. Ab dem 1. Mai 1957 baute er in Gotha mit Kollegen die „Zentrale Entwicklung Konstruktion“ (ZEK) auf und wurde Stellvertreter des Konstruktionsleiters. Hier wurden unter anderem Sondermaschinen für spanlose Umformvorgänge konstruiert, aber auch ­Gepäck- und Verkaufsautomaten entwickelt. 1969 ­wechselte Frank zum VEB Ratioprojekt in Gotha, in dem vorwiegend komplette Betriebe projektiert und schlüsselfertig an die Besteller übergeben wurden. Dort beendete Rudi Frank Ende 1987 offiziell seine Berufstätigkeit und ging in Rente.

Verdienter Erfinder des Volkes

In Folge seiner Leistungen wurde er 1966 mit dem Titel „Verdienter Erfinder des Volkes“ ausgezeichnet. Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit als Konstrukteur entwickelte er 33 Patente im Kollektiv. Das erste wurde 1953 mit dem ­bereits geschilderten Vorschlag zur Verbesserung der Blechrichtmaschine angemeldet und drei Jahre danach erteilt. Insgesamt 10 Patente wurden geprüft und auch erteilt. Die übrigen 23 Patentanmeldungen befanden sich noch im Amt für Erfindungs- und Patentwesen der DDR, dem Patentamt im Osten Deutschlands. Da sie für die nach und nach aufgelösten Betriebe keinen Nutzen mehr brachten, musste Frank sie dann zwangsläufig als „sinnlos“ aufgeben. Viele seiner geistigen Arbeiten wurden damit nicht mehr gewürdigt.

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