Streikende Mütter und verzweifelte Väter - meinanzeiger.de
20. April 2018
Gotha

Streikende Mütter und verzweifelte Väter

Neuer Roman der Thüringer Hobby-Autorin Susanna Herrmann

„Irgendwann schreibe ich hierüber mal ein Buch.“ Fünf Jahre später hat Susanna Herrmann ihre Drohung wahrgemacht.

„Dieser Haushalt wird bestreikt“ stand damals auf ihrem Protestschild, daneben eine viel zu lange Liste mit Aufgaben. Ein Wochenende lang nahm sie sich eine Auszeit und war es endgültig satt, hinter ihre Familie herzuräumen. Seitdem sind die Aufgaben gerechter verteilt, freut sich die Thüringerin. Und die Idee für ihr Buch, die hat sie jetzt ebenfalls umgesetzt.

„Mütterstreik“ heißt das dritte Werk der Hobby-Autorin. Wie im Vorgängerroman „Das Leben einer Frau“ erzählt sie die Alltagsabenteuer von Francis, Maike und Susi. Bei einer der drei Münchener Freundinnen zieht die Schwiegermutter ein. Die andere streitet sich mit ihren launigen Teenagern herum. Bei der dritten scheint sich alles nur noch um die Einschulung ihres Kindes zu drehen. Irgendwo zwischen dem Stress mit Arbeit, Haushalt, Ehe und Familie wird es allen drei Frauen zu viel und sie beschließen, gemeinsam abzuhauen.

Wie es der Zufall will kommt eine ehemalige Schulkameradin ins Spiel. Freundin Nummer vier hat Probleme, ihren Bauernhof zu bewirtschaften, weil der Mann nach einem Unfall zur Reha muss. Die Münchener Stadtfrauen flüchten also in die bayerische Provinz, um auf dem Hof zu helfen und dabei zwischen Kühen und Misthaufen wieder zu sich selbst zu finden. Die zurückgelassenen Männer verzweifeln derweil daran, der Tochter einen Fischgrätenzopf flechten zu müssen oder ein T-Shirt in der Mikrowelle trocknen zu wollen. „Ich habe versucht, es wieder lustig zu schreiben. Und ich denke, das ist mir auch gelungen“, frohlockt die 37-jährige Hobby-Autorin.

Je mehr Alltag umso besser



Viele dieser wahrhaftigen Anekdoten stammen aus ihrer Familie, von Freunden oder Arbeitskollegen. Je mehr Alltag umso besser. „Der Leser soll sich wiederfinden.“ Sie selbst hat eine Teenagertochter. „Lara weiß, dass sie anstrengend ist. Sie wird jetzt schließlich 15“, fügt Susanna Herrmann hinzu, um jeden Zweifel im Keim zu ersticken. „Aber aus ihrer Sicht bin ich wahrscheinlich eine anstrengende Mutter. Alles also eine Frage des Blickwinkels.“

Ebenfalls aus dem Leben gegriffen ist die Idee mit dem Einzug der Schwiegermutter. „Viele stellen sich die Fragen, wie sie sie es organisieren, wenn die Eltern älter und pflegebedürftiger werden. Was gut gemeint ist, führt oft zu Problemen. Plötzlich treffen Generationen aufeinander, die es nicht mehr gewohnt sind, miteinander zu leben.“ Die studierte Finanzwirtin ist selbst mit vier Generationen unter einem Dach auf dem Land aufgewachsen, lebt dort im beschaulichen Dorf immer noch. Doch immer wieder zieht es sie in die hektische Großstadt, wo sie gerne die Leute beobachtet.

Schreibblockaden kennt Susanna Herrmann nicht, als berufstätige Mutter fehlt ihr eher die Zeit. Sie weiß, wie schnell man sich zwischen Alltagstrott und Arbeitsstress verlieren kann. „Viele haben gar keine Zeit mehr für sich selbst, fühlen sich überfordert und alleine gelassen.“ Mit dem Buch will die Thüringerin klarstellen, dass andere die gleichen Sorgen teilen. „Ich wollte aber auch zeigen, wie man sich befreien kann, wenn man die innere Einstellung ändert und überdenkt. Wenn man positiver an die Sachen herangeht.“

Dass der Mütterstreik im Roman wie einst im wahren Leben ein gutes Ende nimmt, scheint also nicht ausweglos. Ein weiteres Indiz spricht sogar dafür: „Ich bin ein Verfechter von Happy Ends.“


Kontakt:
www.facebook.com/herrmannbuecher

Auch interessant