Was wird aus Schloss und Park Reinhardsbrunn? - meinanzeiger.de
10. August 2020
Gotha

Was wird aus Schloss und Park Reinhardsbrunn?

Quo Vadis Reinhardsbrunn

Quo Vadis – Reinhardsbrunn

… um diese Frage zu beantworten braucht es einen kurzen Blick zurück:

 Kurzer Abriss zur Geschichte von Schloss und Park Reinhardsbrunn

 1044   Ludwig mit dem Barte errichtet die Schauenburg – Das Land (Lehen) wurde ihm zur Kultivierung vom Mainzer Erzbischof übertragen

1085   Gründung des Benediktinerklosters Reinhardsbrunn durch Ludwig der Springer – es wird das Hauskloster der Ludowinger – es ist nur dem Heiligen Stuhl unterstellt.

1089   das Kloster wird mit der Berufung von 12 Mönchen des Reformklosters Hirsau die 1. Niederlassung des Reformklosters in Thüringen.

1123   Ludwig der Springer stirbt als Mönch in seinem Kloster

1176   150 Mönche und Leien sind im Kloster tätig – es gilt bis zum Ende des 12. Jahrhunderts als das geistige Zentrum der Landgrafenschaft in Thüringen

1228   wurden hier die Gebeine Ludwig IV. im Beisein seiner Ehefrau und Witwe, Elisabeth von Thürungen und Ungarn, beigesetzt. Danach ging sie nach Marburg und kehrte nie wieder zurück.

1525   Das Kloster erlebte über die Jahrhunderte viele Höhen und Tiefen. Im Bauernkrieg wurde das  Kloster ausgeraubt und ein Großteil der Einrichtung zerstört. Die Mönche durften den Klosterbetrieb nicht wieder aufnehmen.  Es kam zur „1. Enteignung“. Das ehemalige Klostereigen wurde nur noch rudimentär zum  Nutzen des Landesherren  bewirtschaftet.

1572   durch die Erfurter Landesteilung kommt Reinhardsbrunn an das  Herzogtum Sachsen Weimar und wird zum Amt Reinhardsbrunn

1601   Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar will sich ein Refugium schaffen und lässt aus und auf den Mauern des vormaligen Klosters ein Jagdschloss mit Amtshaus errichten.

1611   Unter Herzogin Dorothea Maria wird die Abts-Kemenate zum Hohen Haus ausgebaut, das vormalige Münster  wird endgültig abgerissen und es entsteht  die „neue“ Schlosskirche (diese wurde 1854 durch die heute vorhandene Schlosskirche ersetzt) an anderer Stelle.

1780   Reinhardsbrunn unterstand seit 1674 dem Gothaer Fürstenhof. Herzog Ernst II. beginnt mit der Gestaltung einer Parkanlage

1804   August I. lässt im Außenpark den 1. Gasthof (das spätere Parkhotel) errichten. Dieser Zeitpunkt kann mit dem Beginn des Fremdenverkehrs für ein mondänes Publikum im Reinhardsbrunner Tal angenommen werden.

1827   Bau des Jagd – und Lustschlosses durch den herzoglichen Baurat Gustav Eberhard unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha. Es ist der Beginn umfassender Verbesserungen der Infrastruktur und des Wegebaus

1844   Herzog Ernst II. übernimmt die Regierungsgeschäfte. Das Schloss wird nunmehr verstärkt für Festlichkeiten aller Art, insbesondere in den Sommermonaten, genutzt.

1919   Infolge der politischen Veränderungen in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg wird Reinhardsbrunn enteignet. Es ist die 2. Enteignung.  Dagegen klagt der Herzog.

1925   Die Klage hat Erfolg. Reinhardsbrunn geht an das Herzogshaus zurück.

1944   Teile des Schlosses werden fremdgenutzt. Das Bernsteinzimmer wird zum Ende des 2. Weltkrieges hierher verbracht. Was dann geschah, bleibt bis heute eine Legende. Das amerikanische Kommando nimmt das Schloss bis zur Übergabe Thüringens an die Sowjetunion  als Quartier in Nutzung.

1945   Mit Einrichtung der SBZ wird Reinhardsbrunn zum 3. Mal enteignet. Große Teile des Außenparks werden zu Bodenreformland. Das Schloss und das Parkhotel werden als Polizei- und Feuerwehrschule genutzt.

1951   Es entsteht das Pionierlager „Georgi Dimitroff“.. Es wurde aufgrund des Protestes des Denkmalschutzes  aus dem Innenpark in den Außenpark verlegt. Zunächst ist es ein Zeltlager auf Bodenreformland

1952   Der Pulverteich, vormalig auch als Gondelteich genutzt, wird wieder als solcher in Betrieb genommen.

1961   Das Schloss, zusammen mit dem Parkhotel, wird zu einem internationalen Hotel des Reisebüros der DDR umstrukturiert.  Die tatsächlichen Hintergründe, welche dazu führten sind lediglich durch „Hören-Sagen“ bekannt und fanden bisher keine belastbare Bestätigung. Es war in den 1960ern die Rede davon, dass die Enteignung des Schlosses in Frage gestellt war, und man sich mit dieser Verwendungszuführung gütlich geeinigt hatte.

1990   Die Stiftung der „Herzog von Sachsen –Coburg Familien“ stellen einen Antrag auf die Rückführung aller Ländereien in Reinhardsbrunn. Die Stadt unterstützte dies, insbesondere bezogen auf das Schloss und den Park, nach besten Kräften. Auch wurde von der herzoglichen Familie für das Schloss parallel dazu bei der Treuhand Berlin ein Kaufgebot abgegeben.

1991   Schloss Reinhardsbrunn geht an Travel.  Die Evangelischen Landeskirchen zeigen starkes Interesse am Außenbereich und erwerben erhebliche Teile. Es soll ein Kongresszentrum für Mitteldeutschland entstehen. Dazu kommt es nicht. Es entsteht der Klosterpark Reinhardsbrunn.

Von Travel wird in den folgenden Jahren das Kavaliershaus saniert. Die anderen Gebäude sollen fortlaufend saniert werden. Zwischenzeitlich wird das Parkhotel an die Fleischerberufsgenossenschaft abgegeben. Diese errichten infolge auf  einem Teilgelände des Pionierferienlagers ein Schulungszentrum.

1998   kommt  das  Gesamtvorhaben zum Erliegen (Baustopp). Dieses Jahr ist ein markanter Zeitpunkt. Gemäß dem Kaufvertrag zwischen Travel und der Treuhand wäre hier eine Möglichkeit auf Rückabwicklung des Kaufvertrages gegeben gewesen. Diese Möglichkeit wurde nicht wahrgenommen. Die dann folgende Entwicklung war absehbar. Das teilentkernte Schloss ist seitdem touristischen Nutzungen entzogen.

2001   Der Betrieb als Hotel wird aufgegeben. Es folgen mehrere Verwertungsversuche. In 2004 setzt sich hierfür auch

der damalige Wirtschaftsminister von Thüringen Herr Franz Schuster MdL aktiv ein.

2004   Im Bemühen um echte Lösungen zu Aktivierung von Schloss und Park Reinhardsbrunn wurde seitens der Stadt Friedrichroda ein Projekt in Angriff genommen, den ehemaligen Außenpark wieder  in eine hochwertige Kulturlandschaft zu überführen.

2009   Fördervoranfrage der Stadt Friedrichroda für das Vorhaben „Reaktivierung Außenpark Reinhardsbrunn“ auf Grundlage der Richtlinien des Freistaates Thüringen für die Gewährung von Zuwendungen aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) èABGELEHNT; Seitdem ruht das ehemalige Vorhaben.

2020   …

Das folgende Zitat zeigt noch einmal den derzeitigen Stand im Enteignungsverfahren auf:

„Das Verfahren zur Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn bleibt in der Schwebe. Die zwei Kläger haben wegen der Corona-Krise beim Oberverwaltungsgericht beantragt, das Berufungsverfahren auszusetzen, wie ein Gerichts-Sprecher auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mitteilte.

Darüber sei aber noch nicht entschieden. Die beiden Männer halten sich offenbar zurzeit in ihrer Heimat Russland auf und können wegen der Pandemie nicht reisen. Sie würden durch die Enteignung die Sicherungsrechte über Grundschulden in Höhe von 9,2 Millionen Euro an dem Schloss verlieren.

Nachdem das Verwaltungsgericht Meiningen im Dezember die Enteignung für rechtmäßig erklärt hatte, waren die beiden Männer in Berufung gegangen. Damit verzögert sich die Übertragung des Schlosses an das Land und seine Sanierung weiter.“

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls – Stand: 04. Mai 2020, 16:01 Uhr

 

Seit spätestens diesem Zeitpunkt scheinen alle wie erstarrt auf das erlösende Wort

vom Oberverwaltungsgericht zu warten. Nur  was wäre denn, wenn dieses nicht der allgemeinen Erwartung entspricht und das Eigentum somit nicht lastenfrei an das Land Thüringen geht?

Ich mag da an die Aussage während einer Jahreshauptversammlung des Fördervereins „Park und Schloss Reinhardsbrunn“ e.V. von Herrn Bodo Ramelow erinnern, wonach er sinngemäß sagte, dass das Land eine lastenfreie Enteignung anstrebt.

Eine Enteignung der ehemaligen Eigner ist in dieser Form schon ein beachtliches Novum an sich, aber eine quasi Enteignung von Gläubigern ist da schon noch eine andere Hausnummer. Was also passiert dann?

Die Problematik mit der Überführung von Reinhardsbrunn in eine Stiftung gestaltet sich auch nicht wirklich einfach, von der dann notwendigen langfristigen Finanzierung des Gesamtvorhabens mal abgesehen.

Ich selbst sehe diese Zeit der Schockstarre, seien es auch noch so viele Krisen, die derzeit wie dunkle Wolken am Horizont heraufziehen, als eine Zeit, über möglicherweise neue Wege nachzudenken, als auch die Besinnung auf das Wesentliche zu lenken, nämlich die Eigenschaften  und Besonderheiten die  insbesondere Reinhardsbrunn und seine Besucher auszeichnen. Wie also wird sich die Tourismusbranche künftig entwickeln? Welche Zielgruppen gilt es, wie zu erreichen? Was wollen wir? … und am wichtigsten!: Was suchen oder wollen unsere künftigen Gäste? Welche Antworten sind wir bereit zu geben.

Aktuell erwartet man noch in diesem Monat etwas Bewegung im anstehenden Prozess. Wir sind gespannt.

Was also erwartet uns in Zukunft? Führt uns unser Weg in ein dystopisches Zukunftsszenario? Als einen möglichen Bestandteil einer solchen Zukunft betrachte ich die Thematik des „social distancing“ … das ist meines Erachtens hochgradig Zersetzend für ein funktionierendes Gemeinwohl, das Miteinander der Generationen und bedeutet letztendlich eine Entmenschlichung unseres Daseins.

Ich selbst gehe davon aus, dass es zu einem neuen holistischen (Holismus => Eines der populärsten holistischen Denkmodelle ist die Gaia-Hypothese, die das System Erde mit einem Organismus gleichsetzt.) Gesundheitsverständnis kommen wird. Gesundheit wird meines Erachtens wesentlicher in einem ganzheitlichen Kontext gesehen werden, was auch die Tourismusbranche stark beeinflussen wird. Gleichzeitig glaube ich, dass es zu einem Umdenken, hin zu Naturheilverfahren kommen sollte. Dies ist ein Bereich der von jedem Einzelnen individuell Anwendung finden kann. Das Vertrauen in die Schulmedizin kann nur gestärkt werden, wenn der oftmals offenkundig im Vordergrund stehende Kommerz nicht mehr dominant ist. Dazu bedarf es der Rückbesinnung auf die Naturheilverfahren. Ziel sollte es sein, zuallererst die körpereigenen Schutzsysteme in einer intakten Umwelt für die Regeneration von Körper und Geist, zu stärken. Der bessere Ansatz für eine gute Erholung ist es die seelische Balance anzustreben. Als ein Beispiel sei hier auf den Trend „Waldbaden“ verwiesen.

Da empfehle ich das WHITE PAPER Der Corona-Effekt  – Vier Zukunftsszenarien vom ZukunftsInstitut (www.zukunftsinstitut.de) zu lesen. Nicht dass man damit d`accored gehen muss … zum Denken regt es ganz bestimmt an.

Ich vermute vielmehr, dass der Stellewert sozialer Nähe in den letzten Monaten wieder verstärkt in den Focus unserer Wahrnehmungen gerückt ist. Der Stellenwert des Menschen in der Natur ist bedeutend und wird neu definiert werden müssen. Wir sind gefordert mit unserer Umwelt in einer echten Symbiose zu interagieren. Das, davon bin ich überzeugt, wird auch dazu führen, den Weg des Transhumanismus zu verlassen ohne dabei auf technologische Errungenschaften gänzlich zu verzichten. Es ist auch, so sehe  ich es, vermessen zu fordern, dass sich alle einer Philosophie anzuschließen. Das sind, sollte es eine solche Entwicklung geben, generationen-übergreifende Prozesse. Uns sollte ein Jeder, egal welcher Anschauung und welchen Glaubens, ob dem Glauben an eine unbeseelte Natur, oder einer beseelten, somit einer Schöpfung zugrundeliegenden Natur, herzlich willkommen sein, solange er Teil unseres Gemeinwohls sein will und zu diesem beitragen möchte.

Dem Individualismus des Gastes gilt es Wertschätzung entgegenzubringen.

Welches Potential haben wir?

Besinnen wir uns auf dass, was Reinhardsbrunn ausmacht. Das ist seine prachtvolle Einbettung in die sanfte, waldreiche Berglandschaft, das ist die Aquakulturlandschaft mit den Teichen und den sie speisenden Gewässern, als auch die Magie die diesem Tal seit vielen Jahrhunderten anhaftet. Das sind auch die vielen Geschichten, die seit der Besiedelung dieses Tales zum Bestandteil unseres kulturellen Erbes geworden sind. So zum Beispiel:

  • der Gründungsmythos des Klosters
  • die Klostergeschichte
  • die Thüringer Geschichtsschreibung
  • die Thüringer Malschule (im Mittelalter – heute möglicherweise eine Thüringer Kunstschule)
  • die Ludowinger
  • die Wunderheilungen
  • Elisabeth von Thüringen und Ungarn – die Bistumsheilige von Erfurt und Fulda
  • die Adelshäuser bis hin in die Neuzeit
  • der Wolfsturm
  • das Schlosshotel mit seinen Gästen und Kongressen
  • v.m.

Wenn der Tourismus hier bestand haben soll braucht er ein neues Narrativ. Der Erholungssuchende sollte nicht nur als Konsument betrachtet werden. Es gilt vordergründig dessen Neugier zu stillen. Die Generierung von Kaufkraft  für unsere Region ist dann ein willkommener Nebeneffekt.  Unser Tourismus braucht Mystik, Spiritualität, Emotionen, Geschichten und reale „Helden“ (solche, die nicht nur einer virtuellen Realität entsprungen sind, sondern tatsächlich gelebt haben) Wenn wir es schaffen unsere Gäste auf einer Heldenreise zu begleiten werden wir, davon bin ich überzeugt, langfristig Erfolg haben. Mehr dazu findet der Interessierte in der Arbeit des Mythenforschers Joseph Campbell.

Reinhardsbrunns Außenpark und das angrenzend Gebiet gilt es zu gestalten. Nach dem 2. WK hat hier leider eine starke Zergliederung stattgefunden. Dieser Prozess ist auch nach 1989 nicht  gestoppt worden. Mit dem Erwerb des Bahnhofareals von Reinhardsbrunn durch die Stadt ist zumindest schon ein echter Anfang gemacht worden.

Die Bewerbung von Tabarz, Friedrichroda und Waltershausen um die Landesgartenschau Thüringens 2028 ist wohl ein Schritt in die richtige Richtung. In Reinhardsbrunn einem Kulminationspunk der künftigen touristischen Aktivitäten liegen dabei auch sofort die vernachlässigten Aufgabenfelder offen. Es braucht für dieses Vorhaben entsprechende verfügbare Flächen. Leider ist ein wichtiges Projekt der Stadt Friedrichroda, das Vorhaben „Reaktivierung Außenpark Reinhardsbrunn“, seit 2009 nicht weiter verfolgt worden. 2014 hat es sich der Förderverein Schloss und Park Reinhardbrunn unter anderem zur Aufgabe gemacht eine solche Entwicklung fördernd zu begleiten. Das geht nur im Einvernehmen mit der örtlichen Kommunalpolitik, den Eignern, Besitzern und ansässigen Unternehmen besonders hier in Reinhardsbrunn. Deren Initiativen sollten konsequent gefördert und in die zu aktualisierenden Vorhaben mit eingebunden werden. So gab es schon in den frühen 1990er Jahren Vorstellungen der Attraktivierung des  Verkehrsbereiches hin zur Marienglashöhle und der Einrichtung  eines kleinen Wildparks/Streichelzoos unterhalb des Schaubergwerkes. Heute könnte das, in anderer Dimension, ein echter „Booster“ für den heimischen Tourismus werden.

Ein besonderer Schwerpunk von Reinhardsbrunn ist der Sport-, Freizeit- und Badebereich. Dieser ist konsequent weiter zu entwickeln. Seit Jahrzehnten sind hier nur marginale Fortschritte erzielt worden, wobei der erreichte Erhalt des 10m-Sprungturms im Sportbad ein wichtiger Schritt für den Gesamterhalt unserer Badelandschaft Reinhardsbrunn und Finsterbergens ist. Das eingeschränkte Parkplatzangebot führte in der Vergangenheit immer wieder zu Missständen und muss im Zuge der Reaktivierung es Außen-und Innenparks gelöst werden.

Die Zergliederung der Flächen durch die derzeitige Verkehrsführung der B88 entlang des Krankenhauses stellt eine weitere Herausforderung dar.

Friedrichroda hat insbesondere im heilklimatischen Bereich, durch das Wirken von San.-Rat Dr. K Bieling in der ersten Hälfte des 20. Jh. ein festes Standbein innerhalb der Tourismusbranche. Der Ortsteil Reinhardbrunn als auch unsere bergige Umgebung  bieten sich an die Oertel´lsche Terainkur zur Erschließung alt bewährter Gesundheitsangebote in Betracht zu ziehen. Ich glaube, dass gerade das wissenschaftliches Wirken und Erbe von Dr. Bieling für uns noch viel Potential bietet. Dazu wünsche ich mir einen entsprechenden Diskurs von fachlich Versierteren, als ich es als Laie bin.

Der Wasserreichtum des Tales und der umgebenden Orte prädestinieren Friedrichroda-Reinhardsbrunn geradezu für einen gesundheitsorientierten Tourismus im Kneipp´schen Charakter. Um hier eine Besonderheit gegenüber den Nachbarn darstellen zu können sind weitere ergänzende Angebote nach Prießnitz wohl ein interessantes Alleinstellungsmerkmal für Friedrichroda. Die Kenntnis hierzu wurde besonders nach dem 2. WK durch die Tausenden Flüchtlinge und Vertriebenen, allein in Friedrichroda 1900, die hier zeitweise eine neue Heimat fanden, wieder aufgefrischt, aber nie zur öffentlich propagierten Anwendung gebracht. Dieses Angebot wäre meines Erachtens eine interessante Herausforderung für unseren Kneipp-Verein. Kneipp´sche Anwendungen wurden nach dem 2. WK im von Dr. Bieling gegründeten Sanatorium Tannenhof angeboten.

Vincenz Prießnitz, gelegentlich auch Vincenz Prisnitz oder Vincenz Prißnitz, (* 4. Oktober 1799 in Gräfenberg bei Freiwaldau; † 28. November 1851 ebenda) war Landwirt und autodidaktischer Naturheiler aus Österreichisch Schlesien. Er gilt (nach den „Wasserhähnen“ Siegmund Hahn und Johann Siegmund Hahn) als Erneuerer der Kaltwasserkur in Österreich und Deutschland. –Wikipedia-

Momentan scheint das Augenmerk unserer Stadt- und Tourismusentwicklung sehr auf die Digitalisierung zu setzen. Das ist zwar eine willkommene Ergänzung bestehender Infrastruktur, wird aber meiner Meinung nach nicht die anstehenden, notwendigen Umstrukturierungen erübrigen. Tourismus darf nicht ins unpersönliche  abgleiten. Es bedarf vorrangig einer „Mensch2Mensch“- Kommunikation. Unser Blick muss sich wieder verstärkt auf wahres Leben, außerhalb der riesigen Informationsblase und von VR richten.

 Ob wohl an einem digitalisierten Wesen

wird unsre kranke Welt genesen?

Mit den Veränderungen in der gesamten Tourismusbranche hat Reinhardsbrunn wohl gute Chancen nicht im Dornröschenschlaf zu verharren.

Peter Köllner im Aug. 2020

Tourismus in Reinhardsbrunn-Froda nach Corona

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