31. März 2018
Heiligenstadt

Die Türmerwohnung an der Heiligenstädter Marienkirche

Heiligenstadt im Wandel der Zeit

Zwischen den Türmen der Heiligenstädter Marienkirche befand sich eine zweigeschossige Türmerwohnung, die 1886 als „stilwidriges Element“ entfernt wurde. Der Bau dieser Wohnung wird wohl im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Daches im Jahre 1715 im Zusammenhang stehen.

Hier hatte der sogenannte „Hausmann“ seinen Sitz, er war zugleich auch der Stadtmusikant. Nach alter Sitte musste er Tag und Nacht auf dem Kirchturm sein, „um das etwa ausbrechende Feuer anzuzeigen, ein Lied des Mittags und des Abends zu blasen und bei Hochzeiten den öffentlichen Kirchgang mit Trompetenblasen zu beehren.“ Weitere Aufgaben waren das Glockenläuten, die Wartung der Kirchenuhr und Musikunterricht.

Die zum Einzugsgebiet der Stadt gehörenden Warten entzündeten bei der Sichtung eines Feindes ein Feuer. Aufgabe des Türmers war es, nach diesen Warten Ausschau zu halten und die Stadtbevölkerung rechtzeitig zu warnen. Die Aufgaben des Türmers waren sehr vielfältig und umfangreich, so durften auch die Angehörigen des Türmers seinen Dienst verrichten.
Nach dem Abendläuten wurde der Ausschank geschlossen. Bürger die abends ohne Laterne angetroffen wurden, galten als Kriminelle. Die letzte Türmerin war die Witwe Hardegen, die 1876 ihre Stelle kündigte. Seitdem war die Wohnung unbewohnt.

In einer alten Feuerordnung der Stadt ist zu lesen: „Sobald ein Geschry in der Stadt wird, daß ein Feuer am Tage oder in der Nacht aufkäme, so solle der Hausman störmen, ob ers aber verschliefe, so solle er in Bastian Frohnens Hause in seinem Fenster ein Schlüssel zum Torme hangen, damit man zum Glockenseile kommen und stürmen möge.“

Quelle: Heiligenstadt Anzeiger Nr. 08/2008, Steffen Schüler, Johann Wolf: „Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt“ – 1800

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