16. Juni 2021
Hermsdorf

800 Jahre Leuchtenburg – zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern

Zum Jubiläum neue Dauerausstellung zur Burggeschichte "Mythos Burg"

Seitenroda. Von der Wehranlage bis zum Verwaltungssitz, vom Zuchthaus und der Irrenanstalt bis zum Ort der Freiheit und Unbeschwertheit – die Funktionen der Leuchtenburg im thüringischen Seitenroda sind überaus wechselhaft. Aber dadurch, dass die im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnte Burg 800 Jahre lang durchgehend genutzt wurde, zählt sie heute zu den besterhaltenen Burgen Deutschlands. Die idyllisch auf einem Hügel über dem Saaletal thronende Anlage ist bereits seit Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem wegen des faszinierenden Ausblicks, dem Skywalk der Wünsche und den einzigartigen Porzellanwelten. Mit Wiederöffnung nach dem Lockdown wird die Burg um eine bedeutende Attraktion für die Gäste reicher: Als eigenes Geschenk zur 800-Jahr-Feier präsentiert die Leuchtenburg ihre wechselhafte Geschichte in einer neuen Dauerausstellung, die gestern im Beisein des thüringischen Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee eröffnet wurde.

Unter dem Titel „Mythos Burg – 800 Jahre Leuchtenburg“ können sich Besucher und Besucherinnen auf eine ungewöhnliche Erkundungsreise zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern begeben und mehr über die spannende Geschichte und die unterschiedlichsten Nutzungen der Leuchtenburg erfahren: Im ersten Obergeschoss der Kernburg werden auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern mehr als 100 Exponate und interaktive Elemente präsentiert: darunter ein Spielzeug-Pferdchen aus der Zeit um 1200 und ein wertvoller Brautschmuck aus der Zeit zwischen 1415 und 1638.

Vom „Schlimmen Schlund“ bis zum „Drachen-Herz“

Ungewöhnlich ist dabei die Ausstellungsgestaltung: Wer sich auf den verschlungenen Weg durch die sieben Ausstellungsbereiche macht, muss zuerst mutig durch ein überdimensional großes Drachenmaul treten. Denn in der historischen Kernburg liegt ein riesiger Drache, der die Geschichte der Leuchtenburg „verschluckt hat“. Dem Mythos der Burg, der Entstehungsgeschichte und der Burglegenden begegnet der Gast im Maul des Ungetüms. Aus den dunkelsten Kapiteln der Burggeschichte erfährt der neugierige Besucher im „Schlimmen Schlund“. Dieser Bereich berichtet etwa von der Zeit als Haftanstalt in der Frühen Neuzeit. Erst kürzlich wurden bewegende Gefangenenakten aus dem 18. und 19. Jahrhundert aufgearbeitet, die ein neues Licht auf dieses düstere Kapitel werfen. Auch die Planungen für ein Internierungslager aus der jüngeren Vergangenheit der Burg, die hier präsentiert werden, sind erstmals in der neuen Dauerausstellung zu sehen.

Und auch unbeschwerte Zeiten gab es: So wird die Leuchtenburg ebenso als fröhlicher Ort des Aufbruchs und der Freiheit präsentiert und ihre Bedeutung für die Wandervogelbewegung und als Jugendherberge betrachtet. In weiteren Ausstellungsbereichen erfahren die Besucher, ob es auf der Leuchtenburg Schlachten oder Belagerungen gab und wie ritterlich und mystisch die Burg war. Sie können nicht nur interessante Erkenntnisse rund um die Themen Bedrohung, Brände und Belagerung erhalten, sondern auch einen besonderen Schatz im interaktiven Brunnen finden. Mitmachen, entdecken und staunen heißt es für kleine und große Gäste in allen Bereichen. Schließlich – angezogen durch dessen durchdringendes Pulsieren, gelangt der Gast zum Herz des Drachens. Herzblut war es, das die Burg in die heutige Zeit gebracht hat. Menschen waren und sind es, die diesen Ort zu dem machen, der er heute ist. Vom ehemaligen Burgbewohner Bruno Scholz über den Museumsdirektor Kurt Haufschild und der Enkelin des damaligen Hoteldirektors bis hin zu Sven-Erik Hitzer, dem Initiator und Stifter der Stiftung Leuchtenburg, erfahren die Gäste, welches Herz hier schlägt.

Die Ausstellung wurde durch eine Leader-Förderung im Entwicklungsprogramm für den Ländlichen Raum ermöglicht und in Zusammenarbeit des Förderkreises Leuchtenburg mit der Stiftung Leuchtenburg geschaffen. Gestaltet wurde die Dauerausstellung von der in Leipzig ansässigen Agentur Kocmoc.net, die bereits in den Porzellanwelten Leuchtenburg für ein frisches, interaktives Ausstellungserlebnis gesorgt hat. Neu ist zudem, dass die Ausstellung erstmalig komplett dreisprachig angelegt wurde. Neben deutschen und englischen Erläuterungen ist sie vollständig mit chinesischen Texten erklärt. Damit erweitert die Leuchtenburg ihren Service speziell für chinesische Gäste und betont die Internationalität.

Die Dauerausstellung ist Teil des 10.000 Qauadratmeter großen Burgensembles und ab sofort zu den regulären Burgöffnungszeiten zu besichtigen. Nach den derzeit geltenden Corona-Regeln sind keine Tests, Impf- oder Genesenennachweise nötig. Besucher:innen müssen lediglich eine Maske tragen. Tickets können vorab kontaktlos im Onlineshop oder auch vor Ort im Besucherzentrum erworben werden.

Die Stiftung Leuchtenburg hatte am 15. Juni noch einen weiteren Grund zur Freude: Die Stiftung „Lebendige Stadt“ hat das Museum Porzellanwelten Leuchtenburg als eines der besten Heimatmuseen in Deutschland mit einer Anerkennung ausgezeichnet. Direkt zur Eröffnung der Dauerausstellung übergab Wolfgang Tiefensee Sven-Erik Hitzer und dem Museumsteam die Auszeichnung, die mit einem Preisgeld von 1.000 Euro verbunden ist. „Dem Museum ist es in vorbildlicher Weise gelungen, die Geschichte rund um das ‚weiße Gold‘ jung und modern zu präsentieren und das Kulturgut ‚Thüringer Porzellan‘ neu zu beleben“, so der Minister bei der Übergabe. Dies zeige sich auch an der wachsenden Anzahl der Gäste, die das Porzellanmuseum in der historischen Burganlage Leuchtenburg besuchen.

DIE GESCHICHTE DER LEUCHTENBURG

  • 1221                 Erste urkundliche Erwähnung als Stammburg der Herren von Lobdeburg-Leuchtenburg
  • 1396 – 1705      Wettinischer Verwaltungssitz „Amt Leuchtenburg“
  • um 1460           Bau der Wehranlage mit vier Wehrtürmen
  • 1724 – 1871     Die Leuchtenburg als Zucht-, Armen und Irrenhaus
  • 1873                 Touristische Erschließung und Einrichten eines Hotels mit Gastwirtschaft (bis 1951)
  • 1906                Eröffnung eines Museums im Torgebäude
  • 1921                 Gründung der ersten Jugendherberge Thüringens im Torhaus. Die Burg wird ein wichtiges Zentrum der Jugendbewegung in den 1920er und 30er Jahren.
  • 1997                Schließung der Herberge und Leerstand von Tor- und Logierhaus
  • 2000                Wiederbelebung des historischen Saaleweinbaus am Fuße der Burg
  • 2007                 Errichtung der Stiftung Leuchtenburg durch Sven-Erik Hitzer und Beginn von umfangreichen Sanierungsarbeiten
  • 2010 – 2014     Umsetzung des Ausstellungskonzeptes „Porzellanwelten Leuchtenburg“ mit Neubau von Besucherzentrum, Technikzentrale und nördlichem Anbau sowie Ausbau des Tor- und Logierhauses
  • 2016                 Eröffnung der Leuchtenburger Porzellankirche – dem Finale der Porzellanwelten Leuchtenburg
  • 2017                Die Stiftung Leuchtenburg feiert 10jähriges Jubiläum.
  • 2021                Eröffnung der Dauerausstellung „MYTHOS Burg – 800 Jahre Leuchtenburg“

Impressionen aus der Dauerausstellung:

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