Bei Friederike Böcher bleiben die Kalendertüren zu - meinanzeiger.de
23. Dezember 2016
Hermsdorf

Bei Friederike Böcher bleiben die Kalendertüren zu

Friederike Böcher aus Bad Köstritz sammelt mit großer Leidenschaft Adventskalender aus Papier. Geöffnet werden bei ihr aber vor allem die Schokoladenmodelle.



Ein verpatzter Museumsbesuch ist schuld an einer Leidenschaft, die Friederike Böcher seit fast zehn Jahren auslebt. „Unser Team hatte sich während eines Betriebsausflugs eine Ausstellung mit Adventskalendern angesehen“, erinnert sich die Leiterin des Heinrich-Schütz-Hauses in Bad Köstritz. Freude wollte dabei aber nicht aufkommen. „Das war alles so lieblos arrangiert“, ärgert sich Böcher noch heute. Auch wenn sie sich über den Namen des Museums ausschweigt: Die Kollegen haben damals ihren Ehrgeiz geweckt haben.

„Das können wir besser“, war sich die Museumschefin sicher: Schnell wurde der Leihgeber der Ausstellung ausfindig gemacht. Eckart Jelke aus Jena verfügte über einen wahren Schatz an bis zu 70 Jahre alten Papierkalendern. Er hatte sieben Brüder, weiß Böcher. Und jeder bekam im Advent ein anderes Motiv geschenkt. Eckart Jelke hat sie alle aufgehoben und einen Teil für die Ausstellung im Schütz-Haus zur Verfügung gestellt.

Friederike Böcher selbst ist mit Schokoladenkalendern groß geworden. Noch heute gönnt sie sich die süßen Freuden in der Vorweihnachtszeit. „Dass es so viele unterschiedliche Papierkalender gibt, habe ich gar nicht wahrgenommen.“

Über 500 Kalender gesammelt



Das änderte sich erst 2008 mit der Ausstellung im Heinrich-Schütz-Haus. Böchers Sammelleidenschaft war geweckt. „Nach der Ausstellung ging ich mit offeneren Augen durch Schreibwaren- und Buchläden.“ Doch sie hat nicht nur geschaut, sondern auch gekauft. Mittlerweile gehören über 500 Papierkalender zu ihrer privaten Sammlung.

Anfangs haben der Museumschefin vor allem die Kalender-Reprints der Kinderbuchillustratoren Ida Bohatta und Ernst Kutzer gefallen. Gesammelt hat sie aber querbeet. Nur neu mussten die Kalender sein. Doch irgendwann stellte sie fest: „So geht es nicht mehr weiter.“ Seitdem beschränkt sie sich auf zwei Sammelschwerpunkte.

Pinke Blumenfeen aus den USA

Böcher mag es, wenn reale Gebäude weihnachtlich in Szene gesetzt werden. Ihre Kalender zeigen den Markusplatz in Venedig oder die Moritzbug bei Dresden, auch München, Leipzig und Hamburg. Zudem sammelt sie mit Vorliebe Motive, die die Weihnachtsgeschichte darstellen. „Wenn sich ein anderer zu mir verläuft, habe ich natürlich nichts dagegen“, freut ich die Köstritzerin auch über Geschenke, zu denen ein Kalender aus den USA gehört. Ihr ehemaliger Chef brachte ihn von einer Reise mit. Blumenfeen ganz in Pink zieren ihn. „Extrem amerikanische, aber wunderbar“, so Böchers Urteil.

Ihre Leidenschaft für Papierkalender ist nicht allein ein privates Vergnügen. Immer wieder ergänzen ihre Schätze auch die Weihnachtsausstellungen in ihrem Museum. Dafür wählt sie bewusst aus und konnte so ihren Blick auf die kleinen Papierschätze schulen. „Am Adventskalender zeigt sich, wie gut ein Grafiker ist“, urteilt Böcher.

Einen zum Sammeln, einen zum Öffnen



Zu 95 Prozent würden mit dem Öffnen der Türchen die Bilder zerstört. Deshalb bleiben ihre Kalender meist verschlossen. Um sie in Gänze zu zeigen, trennt sie aber manchmal Vor- und Rückseite. So können Museumsbesucher sehen, welche Bildchen sich hinten den Kalendertüren verstecken. Es kommt aber auch vor, dass die Sammlerin ein Motiv zwei Mal kauft, gesteht sie. Eins zum Sammeln, eins zum Öffnen. Für Böcher sind Kalender besonders faszinierend, wenn die Bilder hinter den Türen das Motiv ergänzen. Geöffnete Fenster lassen dann in Häuser und Weihnachtspäckchen blicken.

Ein Motiv fehlt Friederike Böcher bisher in ihrer Sammlung: das Heinrich-Schütz-Haus. Leider kann sie nur eine kleinere Auflage in ihrem Museum verkaufen. „Aber vielleicht schaffen wir das im nächsten Jahr“, blickt sie optimistisch in die Zukunft.

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