8. April 2021
Ilmenau

Testsystem für Elektrofahrzeuge

Ilmenauer Forscher stellen Prüfsystem in USA vor

: Eine der XILforEV-Testplattformen: Prüfstand in Ilmenau mit einem Radnabenmotor der slowenischen Firma Elaphe. Foto: TU Ilmenau/Christoph Lehne

Fahrzeugforscher der Technischen Universität Ilmenau stellen auf dem internationalen WCX SAE World Congress Experience mitte April im US-amerikanischen Detroit ein innovatives Prüfsystem vor, das eine schnellere Entwicklung von Elektrofahrzeugen ermöglichen soll. Bei der größten Veranstaltung Nordamerikas ihrer Art kommen jährlich tausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Autostadt Detroit zusammen, um neueste Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der technischen Mobilität auszutauschen. Der Organisator des WCX SAE World Congress Experience, der Verband Society of Automotive Engineers (SAE), wurde 1905 unter anderem vom legendären Fahrzeugbauer Henry Ford gegründet und vereint heute weltweit mehr als 138.000 Mitglieder aus der Mobilitätstechnologie.

Hohe Nachfrage nach E-Fahrzeugen

Die massiv gestiegene Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stellt die Automobilindustrie vor große Herausforderungen. Neben neuen Batterietechnologien und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur müssen auch die Fahrzeugbauteile und -systeme – vom Fahrwerk bis zum Motor – angepasst oder gar völlig neu entwickelt werden. Da moderne Elektrofahrzeuge aus Bauteilen und Systemen mit höchst unterschiedlichem technologischem Reifegrad zusammengesetzt sind, wird weltweit an standardisierten Fahrzeugkomponenten geforscht.

Prüfsystem soll Entwicklung beschleunigen

In dem groß angelegten, internationalen Forschungsprojekt „Connected and Shared X-in-the-loop Environment for Electric Vehicles Development (XILforEV)“ (Vernetzte und gemeinsam genutzte X-in-the-loop-Umgebung für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen), das von der TU Ilmenau koordiniert wird, entwickeln Wissenschaftler und Ingenieure ein Prüfsystem, das die Entwicklung neuer Komponenten und Systeme für Elektrofahrzeuge beschleunigen soll. Noch bis Ende 2021 forschen neun Industrie- und Forschungspartner aus sechs europäischen Ländern an einer innovativen X-in-the-loop-Test- und Prüfumgebung, das heißt, an einer Forschungs- und Entwicklungsplattform, in der alle Prüfstände und die hochkomplexe Informationstechnologie miteinander vernetzt sind.

Ergebnisse kommen in Echtzeit

Für die Forschungsarbeiten an der TU Ilmenau steht die X-in-the-loop-Testinfrastruktur des Thüringer Innovationszentrums Mobilität (ThIMo) zur Verfügung, mit der sich unterschiedlichste realistische Bedingungen simulieren lassen. So sind die Wissenschaftler in der Lage, virtuelle Tests in unterschiedlichen Fahrszenarien durchzuführen, beispielsweise, um die Energieeffizienz oder die Fahrsicherheit oder auch den Fahrkomfort zu steigern. Dabei werten die Wissenschaftler die für die jeweils relevanten Komponenten des Fahrzeugsystems permanent in Echtzeit danach aus, ob die angestrebten Anforderungen an Elektrifizierung und Automatisierung neuer Fahrzeugsysteme erfüllt wurden, oder ob noch Optimierungsbedarf besteht. Zugleich wird das gesamte Prüfsystem selbst auf Basis der experimentellen Daten immer wieder validiert, das heißt, auf seine Eignung als Testumgebung hin überprüft.

Elektroautos sollen effizienter werden

Ambitioniertes Ziel des Forscherteams um den Projektleiter des XILforEV-Projekts, Dr. Valentin Ivanov, kommissarischer Leiter des Fachgebiets Kraftfahrzeugtechnik der TU Ilmenau, ist ein Test- und Prüfsystem, das es erlaubt, Elektrofahrzeuge einfacher und schneller weiterzuentwickeln und herzustellen: „Die Vision sind komplexe Elektrofahrzeuge, die nicht nur zuverlässig und sicher, sondern auch energieeffizient sind“, so Dr. Ivanov. „Solche ausfallsichere, in sich abgestimmte und nachhaltige Fahrzeuge können nur in einer Test- und Prüfumgebung wie XILforEV entwickelt werden. „Beim internationalen WCX SAE World Congress wird Dr. Ivanov eine Session moderieren, die sich EU-Projekten zu innovativen Fahrzeugkonzepten widmet.

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