21. Dezember 2020
Jena

Ausgezeichnete digitale Lehre an der Uni Jena

Drei Lehrende der Friedrich-Schiller-Universität erhalten Fellowships für innovative Lehrprojekte

Eine der Jenaer Geförderten ist Theres Werner. (Foto: Anne Günther/Universität Jena)

Jena. Die digitale Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelt sich immer weiter. Dies zeigt auch eine weitere Auszeichnung für drei Lehrende der Universität. Für ihre innovativen digitalen Lehrprojekte erhalten sie jeweils ein Fellowship des Thüringer Wissenschaftsministeriums in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband. In diesem Jahr wurden in Thüringen insgesamt acht Fellowships ausgelobt, um digitale Lehre weiterzuentwickeln und zu fördern. Jeder und jede Geförderte erhält nun bis zu 50.000 Euro. Die Geförderten werden auf verschiedenen Wegen die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Hochschullehre erkunden, digitale Lehrinnovationen entwickeln und erproben.

Digitale Lehre für zukünftige Lehrkräfte

Eine der Jenaer Geförderten ist Dr. Franziska Greiner vom Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie. Mit ihrem Projekt „Fallbasierte Selbstlernumgebungen zur Förderung des Theorie-Praxis-Transfers im Lehramtsstudium“ stärkt die Erziehungswissenschaftlerin die Verzahnung von Theorie und Praxis, indem sie Digital Casebooks entwickelt. In diesen Casebooks wird das theoretische Wissen anhand von konkreten Fallbeispielen auf schulpraktische Fragestellungen angewendet. Die digitalen Casebooks sollen multimodal, interaktiv und barrierearm sein. Wenn die Lehrinnovation ausreichend erprobt ist, soll sie auch in anderen Disziplinen der bildungswissenschaftlichen Lehre genutzt werden. Doch die beteiligten Studierenden erleben die Möglichkeiten digitaler Lehre nicht nur in ihrer Ausbildung an der Universität Jena, sondern erhalten durch das Projekt auch Impulse, später selber digitale Lehre professionell in den Schulen anwenden zu können.

Ein weiteres Fellowship erhält Theres Werner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Interkulturelle Studien. Ihr Projekt „Digitales Lehren lernen in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ zielt darauf ab, Fernunterricht (distance learning) in die Ausbildung der Lehrkräfte einzubinden und systematisch weiterzuentwickeln. Bisher wurden sowohl an Universitäten als auch Schulen zahlreiche Lehrformate in den digitalen Raum verlagert, ohne dass diese Lehr- und Lernsituationen zuvor erprobt und evaluiert wurden. An diesem Punkt setzt die Lehrinnovation an. In einer Lehrveranstaltung erproben Lehramtsstudierende entsprechend ihres Vorwissens verschiedene Formate des digitalen Lehrens und Lernens und reflektieren die Vor- und Nachteile. Digitales Lernen ist neben dem Lerninhalt, gleichzeitig Lernmethode und auch Lernprodukt. Ziel ist es, die angehenden Lehrpersonen auf ihren Unterrichtsalltag praxisnah vorzubereiten. „Die Studierenden lernen in der Selbsterfahrung das digitale Lernen kennen und entwickeln auch auf der Basis eigener Erfahrung digitale Lehr- und Lernsettings“, erläutert Werner.

Hybride Lehre für kleine Kurse

Der Physiker Prof. Dr. Gerhard G. Paulus konzentriert sich mit seinem Projekt „Hybride Lehre kleinerer Kurse“ auf die Optimierung hybrider Lehre – also die Verbindung von Präsenz- und digitaler Lehre. Die Grundlage soll ein entsprechend konfiguriertes und programmiertes mobiles System bilden, das für die Aufzeichnung von Vorlesungen genutzt werden kann. „Den digital teilnehmenden Studierenden soll durch hervorragende Bild- und Tonqualität, durch verschiedene Bildeinstellungen und durch interaktive Elemente eine zu den anwesenden Studierenden vergleichbare Teilhabe ermöglicht werden,“ erläutert Prof. Paulus. „Gleichzeitig bleiben die Vorteile der digitalen Lehre, wie dauerhafte Abrufbarkeit, erhalten“. Im Sommersemester 2021 soll das System getestet und optimiert werden. Im nachfolgenden Wintersemester 2021/22 soll dann die Vorlesung „Physikalische Grundlangen erneuerbarer Energien“ mit Hilfe des Systems als öffentlicher Livestream zur Verfügung gestellt werden. Paulus‘ Antrag für das Fellowship ging zurück auf einen erfolgreichen Livestream der Veranstaltung „Experimentalphysik 2“ im vergangenen Sommersemester. Dieser wurde mit der Firma Boulder-Bundesliga durchgeführt, die von Alumni der Universität Jena gegründet wurde.

Durch die Fellowships erhalten die Jenaer Lehrenden eine individuelle, personengebundene Förderung, die ihnen zeitliche Freiräume und Ressourcen für die Entwicklung und Durchführung ihrer Lehrinnovationen ermöglicht. Die Akademie für Lehrentwicklung der Jenaer Universität unterstützt die Fellows und damit den hochschulweiten Austausch über digitale Hochschullehre. Der einjährige Förderzeitraum beginnt Anfang 2021.

Weitere Informationen unter: www.stifterverband.org/digital-lehrfellows-thueringen

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