1. März 2021
Jena

Biblische Spuren im Koran

Religionswissenschaftler der Universität Jena zeigt Ausstellung über biblische Bezüge im Koran in der Jenaer Stadtkirche „St. Michael“

In der Ausstellung zeigt Prof. Schmitz die Verwandtschaft von Thora, Bibel und Koran auf. (Foto: Jens Meyer/Universität Jena)

Jena. Bei einem flüchtigen Blick scheint die großen Religionen vieles zu trennen, doch ein genaueres Hinsehen offenbart zahlreiche Gemeinsamkeiten. Prof. Dr. Dr. Bertram Schmitz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat die heilige Schrift der Muslime genau studiert. Der Inhaber des Lehrstuhls für Religionswissenschaft gestaltete gemeinsam mit Dr. Naghmeh Jahan die Ausstellung „Zeichen der Barmherzigkeit: Die interreligiöse Tiefe der Sure 57“. Die Schau wird vom 3. März bis zum 1. April in der Jenaer Stadtkirche „St. Michael“ gezeigt. Sie trägt den Untertitel: „Eine exegetische Installation mit Schriftbildern und Kalligraphien“.

„Mit der Ausstellung zeigen wir die Verwandtschaft von Thora, Bibel und Koran auf“, sagt Bertram Schmitz. Er habe die Sure 57 ausgewählt, weil sie eine besonders spannende Gleichnisauslegung enthält. Erzählt wird von zehn Jungfrauen, die Einlass in den Himmel begehren. Alle zehn tragen eine Fackel bei sich, doch nur fünf werden eingelassen. Den anderen fünf fehlt Öl für die Fackeln und es ist nicht möglich, das Öl aller zehn Fackeln nachträglich zu verteilen. „Gemeint ist mit diesem Gleichnis, dass Verdienste nur im Laufe des Lebens erworben werden können“, sagt Prof. Schmitz. Der Koran zählt die Gabe von Almosen zu diesen Verdiensten. Vollends erschließen kann sich der Text der Sure dem Leser jedoch nur, wenn er die Bibel kennt. „Die Sure bezieht sich auf ein Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium“, sagt Bertram Schmitz.

In der Ausstellung in der Stadtkirche werden 18 Folien gezeigt, bei denen der Blick durch den arabischen Text hindurch auf die biblischen Parallelstellen fällt. Besonders ansprechend sind die kalligraphisch gestalteten Korantexte, die Dr. Naghmeh Jahan gezeichnet hat. Die Religionswissenschaftlerin stammt aus dem Iran, hat in Göttingen studiert und wurde in Jena promoviert.

Auf gut elf Metern Länge bietet sich eine lohnende Schau nicht nur für Besucherinnen und Besucher, die mit dem religiösen Kontext vertraut sind. Zumal parallel zu den Texten die Übersetzungen aus dem Griechischen, Hebräischen und Arabischen stehen. So erschließen sich dem Betrachter Zusammenhänge zwischen der jüdischen Thora, der christlichen Bibel und dem Koran. Für den Religionswissenschaftler Bertram Schmitz keine Überraschung: „Im Koran steht geschrieben, dass er die Thora ebenso gelten lässt wie das Evangelium Jesu.“ Strittig sei hingegen die Rolle Jesu als Christus, als Erlöser. Dagegen verwahren sich sowohl das ältere Judentum als auch die jüngste der drei Religionen, der Islam.

Gezeigt wird die Ausstellung „Zeichen der Barmherzigkeit: Die interreligiöse Tiefe der Sure 57“ ab dem 3. März. Wegen der Corona-Pandemie wird es keine Vernissage geben, zu sehen ist die Schau während der Öffnungszeiten der Stadtkirche.

Auch interessant