Die vierte Ehrenplakette des Bundespräsidenten ging nach Jena - meinanzeiger.de
22. Dezember 2019
Jena

Die vierte Ehrenplakette des Bundespräsidenten ging nach Jena

Hohe Auszeichnung des USV-Jena e. V.

Am 4. Dezember 2019 konnten der Präsident des USV Jena e. V. Prof. Dr. Christoph Englert und der USV-Archivar Dr. Hans-Georg Kremer bei einer großen Festveranstaltung „Dankeschön Ehrenamt“ im Erfurter Augustinerkloster aus den Händen von Thüringens Sportminister, Helmut Holter und des Präsidenten des Landessportbundes Thüringen, Prof. Dr. Stefan Hügel die Ehrenplakette des Bundespräsidenten für Vereine, die 100 Jahre oder älter sind, entgegennehmen. Damit ist der USV der vierte Verein in Jena, der diese hohe Auszeichnung bekam.
Chronologisch geordnet sind die ältesten Jenaer Vereine der SV Schott Jena (1896), der FC Carl Zeiss (1903) und der SV Jena Zwätzen (1912), die alle schon die Plakette des Bundespräsidenten erhalten haben. Jetzt kommt der USV Jena hinzu, der am 7. März 1911 als Verein für Bewegungsspiele (VfB) gegründet wurde.
Für die Beantragung waren umfangreiche Archiv-Recherchen nötig. So musste die Originalsatz gefunden werden, mit der nachgewiesen werden konnte, dass der USV tatsächlich in der Nachfolge des VfB steht. Die im Landesarchiv in Weimar gefundene Satzung beinhaltet eine wesentliche Passage, die auf einen der Hauptzwecke der Gründung hinweist, die Organisation der Leibesübungen für die „Akademiker“, d. h. für die Universitätsangehörigen. Diese erhielten laut Satzung eine „Sonderabteilung“, mit einer eigenständigen Leitung und Beitragsordnung, ähnlich der außerordentlichen Abteilung Hochschulsport im USV. Zum ersten Vorsitzenden wurde 1911 der Student der „Cameralistik“, d. h. der Wirtschaftswissenschaften, Oskar Leonhardt gewählt, der im Gasthof „Zur Schweiz“ in der Quergasse 15 wohnte. Sein Vater war damals der Besitzer bzw. Betreiber dieses Hotels. Zum II. Vorsitzenden wurde der Bankbeamte Eugen Popp gewählt.
2015 wurden die Unterlagen für die Auszeichnung der USV-Geschäftsführung übergeben. Es ist vor allem Prof. Dr. Christian Lukas zu verdanken, der bis 2018 USV-Präsident war, dass dieser Antrag über den Stadtsportbund und den Landessportbund auf den Weg gebracht wurde.
Nach Abgabe wurden weitere Dokumente gefunden, die sogar schon 2008 eine Beantragung gerechtfertigt hätten. Damals existierte bereits ein Tenniswettspielverein, der nach 1911 als sehr eigenständige Abteilung in den VfB übernommen wurde. Für beide Vereine war die Grundlage, dass seit 1893 in der Oberaue vom „Verein zur Herstellung eines Spielplatzes“ in der Oberaue Wiesen aufgekauft wurden, die schrittweise zu den noch heute existierenden Sport- und Spielplätzen des Universitätssportzentrums entwickelt wurden und die die Vereine gegen „kleines“ Entgelt nutzen konnten. Als Vater dieser Sportanlagen muss man den Gymnasialturnlehrer Hermann ansehen, für den ein Gedenkstein auf den Universitätstennisplätzen gesetzt wurde. Ihn kann man auch als wichtigen Gründungsvater des VfB und damit auch des USV ansehen, da er 1893 den ersten Jenaer Fußballverein, 1894 den Vorläufer des Tenniswettspielvereins und spätestens 1898 einen Ruderverein gründete, die nach 1911 alle in den VfB übergingen. Dies hing auch damit zusammen, dass 1914 die Universität die Sportanlagen vom „Spielplatzverein“ abkaufte und neben den akademischen Verbindungen und der 1911 ins Leben gerufenen „Sportlehrerausbildung“ dem VfB zur Nutzung zur Verfügung stellte.
Diese Kontinuität bei der Zusammenarbeit des Vorläufers des USV mit der Universität, sowohl was die Nutzung und den Ausbau der Sportplätze anging, als auch was eine Hauptzielgruppe des USV, die „Akademiker“ betraf, wurde auch nach dem Verbot des VfB, wie aller Sportvereine in Deutschland nach dem II. Weltkrieg durch die Alliierten „Siegermächte“ für kurze Zeit unterbrochen. Nach Zulassung vereinsähnlicher Strukturen in Form von Betriebssportgemeinschaften (BSG) 1949 in der „sowjetisch besetzten Zone“ (SBZ) bildete sich eine Hochschulsportgemeinschaft an der Uni, die ebenfalls, so wie 1911 von Studierenden gegründet wurde. Die etwa 100 Studentinnen und Studenten wählten den Studenten Bernhard Schwalbe zu ihrem ersten Vorsitzenden. Diese HSG ist der direkte Rechtsvorgänger des USV, der sich am 31. Mai 1990 offiziell als Universitätssportverein Jena e. V. (USV) gründete. Erster Vorsitzender wurde der langjährige HSG-Geschäftsführer Eberhard Täubert.
Neben dem „Goldenen Stern des Sports“ (2017), der großen Ehrenurkunde des Landessportbundes (1995) und der UNESCO-Plakette für vorbildliche Arbeit bei der Entwicklung des Breitensports (1990), um nur einige hohe Auszeichnung zu nennen, ist die Auszeichnung mit der Ehrenplakette des Bundespräsidenten vor allem eine Auszeichnung der vielen hundert Ehrenamtlichen, die über einen so langen Zeitraum den Erhalt und die Weiterentwicklung des Vereins gesichert haben.
Dr. H. Kremer

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