30. April 2021
Jena

Es werde dunkler

Mit etwas gutem Willen können Kommunen viel tun, um Lichtverschmutzung zu vermeiden – wenn das Thema erst einmal wahr­genommen wird. Foto: www.sternenpark-schwaebische-alb.de / Carsten Przygoda / Matthias Engel

Die Lichtstadt Jena ist Vorreiterin im Kampf gegen die Lichtverschmutzung und gilt als positives Beispiel

Künstliche Beleuchtung ist neben dem Einsatz von Insektiziden der Hauptgrund für das drama­tische Insektensterben.
Deshalb setzen sich immer mehr Menschen auch in Thüringen dafür ein, das Lichtverschmutzung vermieden wird – mit zunehmendem Erfolg.

Das Bewusstsein wächst

„Das Bewusstsein wächst“, sagt Anita Giermann, Referentin für Ehrenamtskoor­dination und Freiwilligenmanagement beim BUND Thüringen e. V.
„Das zeigen zum Beispiel Projekte wie der ‚Sternenpark Rhön‘, aber auch die Bemühungen von Kommunen wie der Stadt ­Jena, die Lichtverschmutzung reduzieren wollen.“

Anstoß von astronomisch interessierten Bürgern

Fragt man in Jena nach, trifft man auf Kristian ­Philler, Pressesprecher der Stadtverwaltung.
Zum Thema erklärt er:
„Seit mehreren Jahren wird auf Betreiben ­astronomisch interessierter Bürger die Earth Hour begangen, zu der die Straßen­beleuchtung für etwa zwei Stunden ausgeschaltet bleibt.“

Eine Richtlinie  zur Minderung der Lichtverschmutzung wurde bereits beschlossen

Im Jahr 2019 habe der Stadtrat Jena auf Initiative von der Abgeordneten Dr. Heidrun Jänchen die Erarbeitung einer Richtlinie  zur Minderung der Lichtverschmutzung beschlossen.
„Die Richtlinie beinhaltet Vorgaben für derzeit im Entstehen befindliche Bauten und Bebauungspläne.
Der Kommunalservice Jena wird diese Richtlinien auch bei aufzustellenden Straßenlaternen anwenden“, führt Kristian Philler aus.

Auch große Unternehmen schließen sich an

„JenaPharm hat die Beleuchtung des Firmenlogos mit Hinweis auf die Richtlinie bereits zeitlich eingegrenzt.“

Kein Widerspruch für die Lichtstadt Jena

Einen Widerspruch zum Motto der Stadt kann er nicht erkennen.
„Der Slogan lautet Lichtstadt Jena – und beinhaltet natürlich alle ­Facetten des Lichts, auch die der Lichtverschmutzung.
Deshalb ist das Konzept eine Ergänzung zum Image der Stadt und kein Widerspruch“, führt Kristian Philler aus.

Ängste vor mehr Kriminalität bei mehr Dunkelheit
sind unbegründet

Dunkle Straßen – bei manchem löst das fast automatisch Ängste vor mehr Kriminalität aus.
„Ja, die Angst vorm Dunkel steckt noch tief in den Köpfen des Menschen, ist ­jedoch rein subjektiv“, sagt Thomas Westerhoff vom Verein Volkssternwarte Kirchheim e. V.

Die meisten Einbrüche geschehen am hellichten Tag

Doch er sieht es ­genau umgekehrt:
„Gefahren lauern dort, wo es hell ist.
Die Kriminalitätsstatistik zeigt eindeutig, dass die Mehrzahl der Einbrüche tagsüber, also im Hellen, ­erfolgt.
Auch ist die Kriminalität in den hellen Städten höher als auf dem dunklen Land.“

Kriminalität sei ein ­soziales Problem, es ­bestehe kein nachweisbarer Effekt von Kriminalitätssenkung durch mehr Licht.

Und es gibt sinnvolle Alternativen zur völligen Dunkelheit

Anita Giermann vom BUND gibt zu bedenken: ­
„Alternativ zur völligen ­Dunkelheit bieten sich Bewegungsmelder beziehungs­weise Straßenlampen an, die nicht nach oben strahlen.
Weiterhin spielt auch die ­Zusammensetzung des Lichts eine große Rolle.“

Weiterführende Links

Mehr zum Thema erfahren Sie unter anderem hier:
www.lichtverschmutzung.de
www.paten-der-nacht.de
www.bund-thueringen.de/ilm-kreisstern­warte-kirchheim.de

 

Daniel Dreckmann
dreckmann@meinanzeiger.de

Mit etwas gutem Willen können Kommunen viel tun, um Lichtverschmutzung zu vermeiden – wenn das Thema erst einmal wahr­genommen wird. Foto: www.sternenpark-schwaebische-alb.de / Carsten Przygoda / Matthias Engel

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