4. Oktober 2022
Jena

Festival Land-Kultur in Launewitz

Äpfel, Landmaschinen und offene Höfe

Sie freuen sich auf das Herbstfest am Sonntag – Vereinschef Paul Enke (rechts) mit Ehefrau Sandra und Karsten Forner. (Foto: Jana Scheiding)

Kommenden Sonntag findet in Launewitz das Herbstfest statt. In der Printausgabe wurde der falsche Wochentag veröffentlicht. Das Dorf Launewitz lädt am Sonntag, dem 9. Oktober zum Festival Land-Kultur ein. 

Die besten Projekte entstehen am Biertisch – sagt man. Doch gute Einfälle können sich auch einstellen, wenn Flammen hochschlagen. So geschehen im 50-Seelen-Dorf Launewitz im Saale-Holzland-Kreis. „Unseren Verein ‘Land-Kultur Launewitz’ aus der Taufe zu heben, beschlossen wir 2019 nach einem Hoffest mit unerwartet hohem ­Zuspruch. Wir ließen den Tag am Lagerfeuer ausklingen und Hand auf’s Herz: So viel Bier war da gar nicht im Spiel“, erzählt Vereinschef Paul Enke und lacht. Seitdem holt der bald ­darauf gegründete Land-Kultur Launewitz e. V. regel­mäßig Kultur ins Dorf. Neben der „Sommerfrische“ im Juli initiiert der Verein ein Herbstfest. In den vergangenen zwei Jahren fand alles unter strengen Corona-Auflagen statt. Dieses Jahr, am 9. Oktober, wird das ­Festival Land-Kultur hoffentlich wieder freier über die Bühne gehen können.

Die Neuen im Dorf

Enke, diplomierter Schauspieler sowie Professor für Kulturmanagement, und ­seine Familie sind die Neuen im Dorf. Sie bewohnen einen Vierseitenhof mit gut einem Hektar Streuobstwiese am Rand der Gemeinde und ­betreiben die Kulturscheune & Lohnmosterei Launewitz. Sandra Enke ist im nörd­lichen Holzland-Kreis mit ihrer mobilen Apfelpresse unterwegs und verwandelt Früchte der Natur in gold­gelben Saft. Die Presse – ­anteilig aus LEADER-Mitteln gefördert – war zu besagtem Hoffest mit anschließender Lagerfeuerromantik ein­geweiht worden. „Wir wollen das Obst, das die Natur uns schenkt, ­entsprechend verwerten“, sagt Sandra Enke.

An einem Strang ziehen

Vize-Vorsitzender Karsten Forner ist im Dorf tief verwurzelt. „Meine Familie lebt seit 1871 in Launewitz“, weiß der Ingenieur aus der Familienchronik. Wer wann ins Dorf kam, spielt im Ort aber kaum eine Rolle. Alle ziehen an einem Strang, und wenn es darum geht, Launewitz in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen, erst recht. Aus diesem Grund ist zum Festival am nächsten Samstag keine zentrale Bühne vorgesehen, das gesamte Dorf wird am Festival beteiligt sein. Zu ­diesem Zweck öffnen die ­Bewohner ihre Höfe, Gärten und Scheunen, die Hauptstraße wird für die Dauer der Veranstaltung für den Autoverkehr gesperrt.
Bislang engagieren sich 16 Mitglieder im Land-Kultur Launewitz e. V. „Es dürfen gern mehr werden“, lädt Paul Enke, der sich über regen ­Zuspruch aus Nachbar­dörfern wie Schkölen freut, zur Mitarbeit ein.

Länderübergreifende Zusammenarbeit

„Das Festival Land-Kultur steht für kulturelle Angebote aus Hoch- und Soziokultur gleichermaßen“, ergänzt Karsten Forner. „Wichtig ist uns die Verbindung der Dorf- und Stadtgesellschaften in unserer Nähe. Wir wollen ­sowohl Einwohner unserer Einheitsgemeinde als auch Interessierte aus der Region Saale-Holzland und den Städten Eisenberg, Jena, ­Weimar oder Gera ansprechen. Uns schwebt auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit vor – zum Beispiel mit Sachsen-Anhalt und Sachsen.“ Erklärtes Ziel ist es, einen Ort für Soziokultur im länd­lichen Raum zwischen Jena, Eisenberg und Naumburg zu schaffen. „Der enorme Pub­likumszuspruch aus den vergangenen beiden Jahren ­motiviert uns“, erklärt ­Forner. Der Verein ist begeistert, wie das gesamte Dorf anpackt. Für viele Menschen aus der Region trage dieses Großprojekt inzwischen Vorbildcharakter. Einen Biertisch für neue Ideen werden die Launewitzer wohl auch in Zukunft nicht brauchen.

Sandra Enke bei der Apfelsaftproduktion in ihrer mobilen Presse auf dem heimischen Hof in ­Launewitz. (Foto: Jana Scheiding)

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