24. Oktober 2019
Jena

Frauen im Knast

Ein Tatsachenbericht von einem Therapeuten

Wer glaubt, dass sich hinter den zum Teil provokanten Überschriften im Buch „Knastfrauen“ von Tilmann Schäfer polemische, sich über die Gefangenen lustig machende Sprüche und Geschichten verbergen, wird angenehm enttäuscht sein. Der Autor unterlässt jegliche Anspielungen und negative Äußerungen in Bezug auf die Frauen und Jugendlichen im Knast. So, wie er versucht, auf der rein sachlichen Ebene den Alltag und die Besonderheiten im Frauengefängnis zu erläutern, so wenig vergisst er auch, immer wieder auf die Opfer der Straftaten hinzuweisen.

Um der Leserschaft einen Einblick zu geben, wie es im Knast so zugeht, gibt der Autor in dreiunddreißig Abschnitten vom Eintritt bis zum möglichen Gang in die Freiheit Geschichten rund um seinen Arbeitsalltag als Arbeitstherapeut zum Besten. Was er dort zu sehen und zu hören bekommen hat, welche Möglichkeiten ihm gegeben waren aber auch rund um technische und praktische Begebenheiten. Zum Beispiel dem therapeutischen Putzen. Uns ist meist gar nicht bewusst, unter welchen Umständen zum Beispiel die jungen Frauen vor dem Gefängnis gelebt haben, dass sie Reinigungsmittel und Hygienevorschriften nicht kennen.

Für den Autor war es vor allem wichtig, die ihm zugeführten Gefangenen Lebensfähig zu machen, damit sie im Anschluss überhaupt in der Lage waren, eine Arbeit oder Ausbildung/Kurse nachzukommen.

Aber er erzählt auch von Trauer, Wut und Hilflosigkeit gerade bei der Jugend, wenn keinerlei Freunde oder Verwandte sich melden. Wie bereits angedeutet, Opfer werden zu Täterinnen, die gleichzeitig Opfer sein können, ohne einen Ausweg zu finden. Das, so beschreibt es Tilmann Schäfer, ist ebenfalls eine Aufgabe der Bediensteten, ihnen aufzuzeigen, dass es diese sehr wohl gibt.
Der Autor verweist in einem Abschnitt auf Statistiken und weiterführenden Daten, die Sozialprognosen angeben, ob es für die Frauen eine einmalige Angelegenheit war, oder ob sie wiederkommt.
Das Schriftbild auf dem Cover spiegelt sich in sämtlichen Kapitelüberschriften, die wiederum griffig und stimmig zum Inhalt sind. Schreibfehler gibt es selbstverständlich auch, sind aber angenehm wenige.
Der Schreibstil und die relativ knappen Abschnitte sind perfekt, um es in Bus und Bahn zu lesen, wobei jedes davon einen eigenen Einstieg in das zu behandelnde Thema hat.

Tilmann Schäfer – Knastfrauen – Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag – € 9,99

https://www.tilmannschaefer.de/

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