Johann Walters Testament im Internet - meinanzeiger.de
17. April 2018
Jena

Johann Walters Testament im Internet

Bedeutendes Dokument:

Am 1. April 1562 ließ Johann Walter (*1496 in Kahla) in Torgau durch den dortigen Stadtschreiber ein Testament niederschreiben, das von ihm selbst und einigen Zeugen besiegelt und unterschrieben wurde. Mit diesem Testament hinterlegte Johann Walter beim Stadtrat in Kahla eine beträchtliche Geldsumme, die nach seinem Tod an seine Kahlaer Verwandten verteilt werden bzw. studierwilligen Kindern aus seiner Verwandtschaft zugutekommen sollte.

Dieses Testament, ein 58 x 42,5 cm großes Blatt Papier, blieb in Kahla erhalten und stellt ein bedeutendes Kulturobjekt der Region dar. 2017 wurde es auf Bitte der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Kahla durch die ThULB Jena digitalisiert und somit im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Johann Walter war bedeutender Musiker, Komponist und „Kantor der Reformation“. Gemeinsam mit seinem Freund Martin Luther schuf er die Grundlage der protestantischen Kirchenmusik. Der Gemeindegesang wurde zum zentralen Bestandteil des Gottesdienstes. Zudem konnte er Luther davon überzeugen, auch die kunstvolle mehrstimmige Musik anzuerkennen und zu pflegen. So legte er das Fundament für das Wirken z.B. eines Schütz oder Bach.
Viele Jahre seines Berufslebens verbrachte Johann Walter in Torgau, wo er die erste bürgerliche Kantorei gründete, Vorläufer für alle heute bestehenden Kantoreien. Damit legte er die Grundlage für die bedeutende mitteldeutsche Chortradition. Gleichzeitig wurde Walter zum Prototyp des bis ins 20. Jahrhundert existierenden Berufsbildes des Lehrer-Kantors. Diese nahmen neben ihren Aufgaben im geistlichen Leben auch wichtige Funktionen für die Volksbildung wahr.

In seiner Zeit am fürstlichen Hof in Dresden baute Walter eine Hofkapelle auf, und mit ihm als erstem Hofkapellmeister begann die erfolgreiche Geschichte der heute weltbekannten Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Johann Walter starb 1570 nach einem wechselvollen und von Umbrüchen bestimmten Leben in Torgau. Seiner Heimatstadt Kahla blieb er jedoch zeitlebens verbunden.

Er gehört zweifellos zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die in in Kahla das Licht der Welt erblickten. Die Stadt hat sich deshalb 2017 mit einstimmigem Beschluss des Stadtrats den Beinamen „Johann-Walter-Stadt“ gegeben.

Die Evangelische Kirchgemeinde Kahla setzt Johann Walter in seiner Taufkirche, der Stadtkirche St. Margarethen Kahla, mit dem Bau einer außergewöhnlich konzipierten „Johann-Walter-Orgel“ ein klingendes Denkmal.

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