24. April 2020
Jena

Land voller Geschichten – Autor Rolf Sakulowski ist mit Thüringen noch lange nicht fertig

Kriminalliteratur

Rolf Sakulowski, Autor und Filmregisseur aus Weida, hat über Dreharbeiten seine Liebe zum Schreiben entdeckt. Nach „Das Feengrottengeheimnis“ (2014) und „Die Gloriosa-Verschwörung“ (2018) ­erschien nun sein dritter Thüringen-Krimi „Jägerstein“ – mit fiktiver Handlung vor realem historischen Hintergrund.

AA-Redakteurin ­Jana Scheiding wollte mehr über den Mann wissen, der Thüringen über die Literatur treu bleibt, auch wenn er in Potsdam eine neue Heimat fand. Sakulowski, Jahrgang 1968, vervollständigte ihre begonnenen Sätze.

Zum Filmen kamen Sie…
über meinen Vater, einen Maler und Grafiker. Zur Konfirmation schenkte er mir eine Acht-Millimeter-Kamera, die mich sehr begeisterte. Von diesem Tag an konnte ich vom Filmen nicht mehr lassen.

Beruflich wollten Sie…
natürlich Filme drehen. Das war aber in der DDR nicht so einfach. Ein Studium durfte man nicht aufnehmen, ohne ein mehrjähriges Volontariat absolviert zu haben. Also ging ich als Kameraassistent zur DEFA, weil die etwas freier agieren konnte als das ­regimetreue DDR-Fernsehen.

Die Wende…
eröffnete mir neue Möglichkeiten. Ich studierte und lebte dann ein Jahr lang in Mexiko-Stadt. Dort habe ich den ersten eigenen Wohnungsmietvertrag meines Lebens unterschrieben. Das war eine aufregende Zeit.

Die Initialzündung…
zum Schreiben kam durch Dreharbeiten für den MDR in den Feengrotten anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Schaugrotte. Meine Großmutter hatte früher dort ­gearbeitet und ich kannte das Altbergwerk beinahe wie meine Westentasche. Während der Recherche zu historischen Fakten hatte ich die Idee, dass daraus ein Kriminalroman entstehen könnte.

Trotz aller Weltgewandtheit…
lässt mich Thüringen einfach nicht los. Meine Heimat habe ich durch die Bücher sozusagen wiederentdeckt. Es gibt hier so viele Geschichten, die es wert sind, aufgeschrieben zu werden.

„Jägerstein“ steht unter…
dem Thema Aberglaube. Ich nenne es lieber Volksglaube, denn unsere Vorfahren glaubten an die Kraft ­magischer Rituale. Speziell geht es im Buch um den Mythos von den sogenannten Freikugeln, die um Mitternacht im Pakt mit dem Teufel gegossen werden und ihr Ziel angeblich nie verfehlen. Romanheld ist wieder der junge Historiker Jonas Wiesenburg, der dem LKA als Berater zur ­Seite steht. Er gerät unausweichlich ins mörderische Geschehen und löst am Ende den Fall.

Sie legen großen Wert…
auf Details. Ein Teil des Romans spielt im 17. Jahrhundert, da gab es viel zu recherchieren. Beispielsweise, wie im südlichen Thüringen Hexenprozesse abliefen, wie die Leute ­damals dachten, und natürlich, was es mit den Freikugeln – die auch in der Oper „Der Freischütz“ eine Rolle spielen – genau auf sich hatte.

Ihre Bücher projektieren Sie…
wie ein Drehbuch. Das ist sehr spannend. Für „Jägerstein“ durfte ich in Gräfenroda beim Besitzer einer Erbförsterei tagelang in dessen Jagd­bibliothek stöbern. In der Forschungsbibliothek von Schloss ­Friedenstein Gotha las ich in den ­Tagebüchern des Herzogs. So ­gesehen sind Thüringen und seine Menschen für mich immer wieder eine Neuentdeckung.

Autor: Rolf Sakulowski
Titel: Jägerstein
Reihe: Thüringen Krimi, Region: Thüringen
ET: Mai 2020
ISBN 978-3-7408-0817-4, (i4)_(0817-4)
ebook: 978-3-96041-611-1, (e2)_(611-1)

 

http://www.sakulowski.com

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