Naturfilme der Spitzenklasse - meinanzeiger.de
11. März 2020
Jena

Naturfilme der Spitzenklasse

Bei den 6. Naturfilmtagen in Jena werden auch Schülerfilme ausgezeichnet

Uwe Müller beim Dreh im Naturpark Torres del Paine/Chile © R. Steinmann/Capricornum Film

Fünfzehn Filme von den renommiertesten Naturfilmern aus Deutschland und Österreich stehen vom 12.-14. März auf dem Programm der 6. Naturfilmtage im Kino im Schillerhof in Jena. Am 12. März, dem Eröffnungstag, werden die besten Schülerfilme prämiert. Ein kleiner Wettbewerb, den es in dieser Form zum zweiten Mal gibt. Schüler, Azubis und Studenten waren im Vorfeld aufgerufen selbstgedrehte Naturfilme einzureichen. Drehort sollte Thüringen sein. Höhepunkt für die Gewinner wird neben den Geldpreisen ein Workshop mit dem Thüringer Naturfilmer Uwe Müller sein. Der Profi wird wertvolle Kniffe und Techniken an den Nachwuchs weitergeben.

Eine Karriere aus dem Bilderbuch

Uwe Müllers eigene Karriere ist geprägt von Abgucken und Learning by Doing. Ursprünglich hatte er Klempner gelernt und später Maschinenbau studiert. 1988 durfte er dann endlich aus der DDR ausreisen – und reisen. „Für mich war das der Grund überhaupt, die DDR zu verlassen“, erzählt Müller, „in Bremen habe ich dann bei einem Automobilhersteller gearbeitet. Mit dem verdienten Geld konnte ich meine vielen Reisen finanzieren. Damit ich auch zeigen konnte, wo ich überall gewesen bin, kaufte ich mir eine Videokamera und machte kleine Filme. Geschnitten und vertont habe ich die auch. Ich wollte die Zuschauer ja nicht langweilen.“ Die Filme kamen beim Publikum gut an. Man riet ihm, sie doch mal auf Amateurfilmfestivals zu zeigen. Das tat er auch und kam mit Preisen und Auszeichnungen wieder nach Hause. Eines Tages wagte er den Schritt und präsentierte einen seiner Filme auf einem Profifilmfestival und prompt gewann er auch hier einen Preis. So wurde das ZDF auf ihn aufmerksam. Wenn er ein Thema hätte, dann könne er sich ja mal melden, vielleicht wäre es ja was für den Sender. Einen Tag später hatte Uwe Müller ein Thema und das ZDF sagte zu. „Die wollten den Film kaufen, wenn er ihnen gefällt. Wenn nicht, dann Pech gehabt!“, erinnert sich Uwe Müller. Er kaufte sich aus dem ZDF-Pool eine ausrangierte 16 mm Filmausrüstung und legte los.

Uwe Müller kehrt nach Thüringen zurück

Der Film wurde natürlich gesendet. Seitdem ist Müller in Sachen Natur weltweit unterwegs. Zehn Jahre lebte er in Südamerika und drehte dort. Aber dann zog es ihn wieder in seine Thüringer Heimat zurück. „Back to the Roots“, wie er es selbst bezeichnet. Seine Geschichten liegen nun vor der Haustür. „Wilde Nächte“, der Film, der in Jena zu sehen ist, ist in seinem Heimatdorf Niederhain entstanden. „Wir haben teilweise mit zehn Kameras gleichzeitig gedreht und die die ganze Nacht hindurch aufgezeichnet, um den einen Moment einzufangen. Zusätzliches Licht konnten wir natürlich nicht aufstellen. Die Lichtempfindlichkeit der heutigen Kameras und Objektive ist aber so enorm hoch, dass wir mit der Straßenbeleuchtung als Lichtquelle auskamen“, berichtet Müller aus dem Drehalltag.

Die aktuellen Projekte handeln von Feldhamstern und Spechten

Gerade sitzt er wieder im Schnitt für seinen aktuellen Film über Feldhamster. Uwe Müllers Filme haben viel mit dem Verschwinden von Natur zu tun. „Feldhamster sterben aus“, sagt er, „es war schwierig, überhaupt ein Feld in Thüringen zu finden, unter dessen Bodenoberfläche noch diese Tiere leben.“ Für einen Film gibt er sich zwei Saisons Zeit zum Drehen. „In der ersten Saison werden Erfahrungen gesammelt und, in der zweiten wird dann optimiert. Schließlich ist alles natürlich und nicht gestellt.“ Manchmal muss aber auch er ein klein wenig nachhelfen. Die Marder in „Wilde Nächte“ wollte er mit etwas Katzenfutter anlocken. Aber nicht die Marder, sondern die Katzen fraßen alles weg. „Im Endeffekt war es ein Glücksfall. Ich habe die Katzen in die Geschichte eingebaut.“ Wie ihm das gelang und warum er zurzeit in Thüringen nach Spechten sucht, können die Besucher der Naturfilmtage in Jena erfahren.

 

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