Frau Grapenthin gleich aus dem Ostseeurlaub mitgebracht - meinanzeiger.de
4. Januar 2018
Jena

Frau Grapenthin gleich aus dem Ostseeurlaub mitgebracht

Dr. Paul Dern wurde 92

Am heutigen 3. Januar 2018 kann Dr. Paul Dern seinen 92. Geburtstag feiern, womit er nach Hermann Kleppe (Jg. 1925) zu den ältesten ehemaligen Mitarbeitern des Instituts für Sportwissenschaft gehört. Paul Dern wurde in Gera-Untermhaus geboren, wo er seine Kindheit verbrachte und als Schüler schon sportlich sehr aktiv war. Seine besondere Liebe galt dem Segelflugsport, was sicher auch dadurch befördert wurde, dass sein Vater, der in Untermhaus eine kleine Mechanikerwerkstatt für Motor- und Fahrräder betrieb, zu den Akteuren der Geraer Segelfliegergruppe gehörte. Kurz vor Kriegsende wurde Paul Dern noch als Schüler zur Ausbildung bei der Luftwaffe eingezogen. Nach eigener Überzeugung hätte er wohl zu den letzten Einsatzkommandos gehört, die auf die ersten bei Kahla produzierten Düsenjäger gesetzt worden wären, was sicher seinen Tod bedeutet hätte. Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft, die er durch eine abenteuerliche Flucht beendete sowie nach verschiedenen Arbeiten um zu überleben und einer Kurzausbildung als Neulehrer holte ihn Georg Buschner nach Jena an das gerade in Gründung befindliche Institut für Körpererziehung. Paul Dern kannte Buschner noch aus Gera, da dieser ebenfalls in Untermhaus wohnte und als guter Fußballer bekannt war. Paul Dern gehörte als Handballer zum Stammteam des Untermhäuser Turnvereins. Fußballer und Handballer teilten sich damals das Spielfeld, so dass sich Dern und Buschner regelmäßig begegneten.
Paul Dern absolvierte seine Ausbildung am Institut erfolgreich und wurde nach Abschluss gleich in den Lehrkräftebestand übernommen, da er besonders in der Leichtathletik durch überdurchschnittliche Leistungen aufgefallen war. Er startete Anfang der 1950er Jahre für die BSG Motor Carl Zeiss und gehörte u. a. mit Manfred Dressler zu den Spitzen-Mittelstrecklern der DDR. 1953/54 wechselten sich dann Heinz Niebergall, Peter Gerhardt und Paul Dern in den offiziellen Rekordlisten der BSG über 500, 800, 1000 und 1500 Meter auf den ersten drei Platzen ab. Zeitweilig hielt Paul Dern mit seinen 2:30,8 Minuten sogar den Stadionrekord, was bedeutete, dass bei den mehr als 20 Leichtathletikveranstaltungen im damaligen Ernst-Abbe-Stadion im Jahr, keiner schneller über die 1000 Meter gelaufen war als er.
Berufliche Pflichten führen dazu, dass er ab Mitte der 1950er Jahre die aktive Leichtathletikkarriere aufgab und sich seiner Entwicklung als Lehrkraft am IfK und der Familie mit seiner Frau Gertje widmete. Einen Karrieresprung gab es, als Georg Buschner 1958 die Fußballtrainerfunktion beim Sportclub Motor Jena und später bei der DDR-Nationalmannschaft übernahm. Mit einem kleinen Team von Kollegen von der „Muskelkirche“, wozu u. a. Manfred Dressler, Lothar Köhler, Wilfried Wesiger und Paul Dern gehörten, wurde ein völlig neues Trainingskonzept entwickelt, bei dem Paul Dern besonders für das Lauftraining zuständig war. Später entpuppte sich Paul Dern auch zunehmend als Organisator, der außerhalb der in der DDR üblichen bürokratischen Wege alle möglichen Beschaffungsaufgaben zur Versorgung der Fußballer übernahm. Von Bananen und Apfelsinen bis hin zu Wohnungen und PKWs war Paul Dern ein erfolgreicher Ansprechpartner im inzwischen umbenannten FC Carl Zeiss Jena. Manchmal wurde er sogar bei der „Gewinnung“ bzw. „Abwerbung“ von talentierten Fußballern „in die Spur“ geschickt, da er nicht zu den Mitgliedern bzw. Mitarbeitern des FC Carl Zeiss gehörte, sondern weiter bei der Universität seinen dienstlichen Verpflichtungen nachging. Eine Abwerbung durch Offizielle des FC hätte nach DDR-Festlegungen zu scharfen Sanktionen geführt. Trotzdem musste Paul Dern bei solchen Aufgaben meist sehr konspirativ arbeiten.
An die „Werbung“ von Hans-Ulrich Grapenthin kann er sich noch besonders gut erinnern, da er einen Tag vor Ablauf der Wechselfrist im Familienurlaub an der Ostsee den Anruf aus Jena bekam, dass er versuchen solle Grapenthin zum Wechsel zu überreden. Das entsprechende Gespräch verlief erfolgreich, die Familie Dern rückte im Auto zusammen und nahm Frau Grapenthin auf der Heimfahrt gleich mit nach jena.
Bis zum altersbedingten Ausscheiden aus dem heutigen Institut für Sportwissenschaft, wo Paul Dern auch promoviert hatte, war er, besonders bei den Studenten, eine gern gesehene Lehrkraft.
Sein Herz hängt noch immer am Jenaer Fußball, was sicher auch dadurch beeinflusst wird, dass sein Sohn Uwe Mannschaftsleiter beim FC Carl Zeiss ist. Alle Spiele werden verfolgt aber auch für viele andere Sportarten interessiert er sich. Neben der täglichen ausführlichen Zeitungslektüre trainiert Paul Dern jeden Tag 40 Minuten auf dem Hometrainer, was wohl mit dazu beigetragen hat, dass er nach einer schweren Herz-Operation schnell wieder auf die Beine kam.
Dr. H. Kremer

In: 
Thüringische Landeszeitung vom 3. Januar 2017

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