Wehren, aber mit Köpfchen! Wie Mike Wolfs Projekt "Sabaki" aus Gera Kindern hilft, kühlen Kopf zu bewahren - meinanzeiger.de
7. März 2017
Jena

Wehren, aber mit Köpfchen! Wie Mike Wolfs Projekt „Sabaki“ aus Gera Kindern hilft, kühlen Kopf zu bewahren

Ein Kind wird einem Erwachsenen gegenüber immer unterlegen sein. Das demonstrieren die Sabaki-Trainer Cathleen Wolf und Pablo Schmidt mit einem Schüler der Marco Polo-Grundschule in Saalfeld.

Ein Kind wird einem Erwachsenen gegenüber immer unterlegen sein. Das demonstrieren die Sabaki-Trainer Cathleen Wolf und Pablo Schmidt mit einem Schüler der Marco Polo-Grundschule in Saalfeld.

Viele Menschen unterschätzen Gefahrensituationen, besonders dann, wenn Kinder beteiligt sind. Mit ihrem Präventionsprojekt „Sabaki“ wappnen Ostthüringer Verhaltenstrainer Kinder für den Ernstfall.



Was tun Erwachsene, wenn Kinder sie ansprechen und um Hilfe bitten? „Viele vermuten einen Witz und nehmen die Kinder deshalb nicht ernst“, hat Cathleen Wolf festgestellt. „Manche Menschen sind mit solchen Situationen überfordert“, ergänzt Pablo Schmidt. Die beiden jungen Leute sind als Trainer mit dem Kinderpräventionsprojekt „Sabaki“ an Thüringer Grundschulen ehrenamtlich unterwegs und zeigen Kindern, wie sie sich im Ernstfall richtig verhalten. „Wir wünschten, dass sich auch die Eltern unser Training anschauen, um mit den Kindern zu üben“, bedauert Cathleen Wolf das mangelnde Interesse Erwachsener.
Wie verhalten sich Kinder, wenn Fremde sie ansprechen und etwa unter einem Vorwand an einen einsamen Ort locken wollen? Auf Parkplätzen oder in Einkaufszentren führen die Sabaki-Trainer regelmäßig Tests durch. „Viele Kinder und Erwachsene sind noch zu blauäugig und erkennen die Gefahr nicht oder unterschätzen sie“, lautet das Fazit. Deshalb sind solche Projekte wie „Sabaki“ richtig und wichtig.
AA-Redakteurin Jana Scheiding hat das Training an der Staatlichen Marco Polo-Grundschule in Saalfeld besucht und zehn Verhaltensregeln für Kinder zusammengetragen.

1. Wenn ein Fremder vor der Schule Süßigkeiten verteilt, keineswegs annehmen.

2. Eltern sollten Kindern möglichst bald den Unterschied zwischen Verwandten und Bekannten erklären.

3. Erwachsene dürfen Kinder nur mit deren Erlaubnis berühren. Wer von Tante Erna nicht geknuddelt werden will, sollte das auch laut und deutlich sagen.

4. Werden Kinder von Fremden angesprochen, auf alle Fälle zu Hause von dem Vorfall berichten. Schlechte Geheimnisse müssen Kinder verraten.

5. Bedrängt ein Erwachsener Kinder, dürfen diese ihre gute Erziehung kurz vergessen und „Hauen Sie ab!“ schreien. Auf alle Fälle laut auf sich aufmerksam machen.

6. Wird eine Gruppe von Kindern von einem Fremden angesprochen, am besten an die Hand nehmen. Ein einzelnes Kind kann der Erwachsene schnell wegziehen, mit mehreren wird es schwierig.

7. Nicht einfach mit Eltern von Mitschülern mitgehen. Erst die eigenen Eltern anrufen und um Erlaubnis fragen beziehungsweise Bescheid sagen.

8. Wenn ein Erwachsener ein Kind festhält, nicht ziehen und zerren – er wird immer der Stärkere sein. Besser rufen und wie ein Sack zu Boden gleiten zu lassen. So kann man sich dem Griff entwinden und wegrennen. Wichtig: in die Hocke gehen, nicht nach hinten fallen lassen.

9. Wenn Kinder zu lange sitzen, büßen sie motorische Fähigkeiten ein. Deshalb öfter bewegen und draußen spielen.

10. Zusammenfassend gilt: Ruhe bewahren, Abstand nehmen, nicht quatschen, Aufmerksamkeit erwecken, Hilfe holen, wehren ohne zu kämpfen und petzen.


Zur Sache:
Sabaki heißt auf japanisch „ausweichen“.
Der Geraer Mike Wolf gründete das Projekt und zieht damit durch Grundschulen Thüringens und Sachsens.
Sabaki ist ein Präventionsprojekt gegen Gewalt an Kindern und zeigt gleichzeitig, wie sich Kinder wehren können, ohne Gewalt gegen Erwachsene auszuüben.

www.projekt-sabaki.de

Auch interessant