Werbekonzept von Jenaer Studenten entwickelt - meinanzeiger.de
10. Januar 2018
Jena

Werbekonzept von Jenaer Studenten entwickelt

Rennsteiglauf-Sporthistorie

Werbekonzept von Jenaer Studenten entwickelt

Seit der Gründung des GutsMuths-Rennsteiglaufs 1973 ist das heutige Institut für Sportwissenschaft der Uni sowie der USV Jena (damals HSG) eng mit der Entwicklung von Thüringens wichtigster Breitensportveranstaltung verbunden. Besonders für die Öffentlichkeitsarbeit und die wissenschaftliche Begleitung fanden sich immer wieder Lehrkräfte und Studenten, die Rennsteiglaufthemen bearbeiteten. Auch sportlich waren Unisportler häufig auf den vorderen Plätzen zu finden. Die erfolgreichsten Uniangehörigen in der Geschichte waren die Gesamtsieger von 1973 und 1974 Hans-Georg Kremer, Hans-Joachim Römhild, Jens Wötzel, Wolf-Dieter Wolfram und Rainer Knoch. 1995 und 1998 siegte der Student Hendrik Heisch beim Halbmarathon; 1996 konnte die zeitweilige Mitarbeiterin beim USV, Angela Nüske, die Marathonstrecke gewinnen. Als Königin des Rennsteiglaufs unter den Unisportlern kann man die damalige Studentin Heidrun Pecker titulieren, die drei Mal (2001, 02 und 05) die Königsstrecke des Rennsteiglaufs, den Supermarathon, gewann. Nicht zuletzt stellte die Uni seit der Ausschreibung der Studentenwertung immer die zahlenmäßig stärkste „Mannschaft“ aller Hochschulen der Bundesrepublik, wenn auch mit leicht rückläufigen Zahlen in den letzten Jahren, was wohl auch auf eine Vernachlässigung der Werbung an der Uni zurückgeführt werden könnte.
Diese Erfolge trugen sicher auch zur Werbung für den Rennsteiglauf in Jena bei. Dabei ist das Werbekonzept, welches bis Ende der 1990 Jahre von Unisportlern im Öffentlichkeitsausschuss entwickelt wurde, weitaus umfangreicher. Schon 1975, als der Rennsteiglauf zum Massenlauf wurde, gab es dazu eine Vielzahl von Aktivitäten, die von der Pressearbeit über Plakate und Ausschreibungen bis hin zu einem umfangreichen Souvenirprogramm reichten. Dazu kamen sportmedizinische Forschungen, die Traditionspflege und die Zusammenarbeit mit anderen Laufveranstaltern. So war es noch bis in die 1990er Jahre üblich, dass die Laufgruppe des USV, die sich an vielen Laufveranstaltungen in der DDR und später in der ganzen Welt beteiligte, immer eine Handvoll Ausschreibungen vom Kernberg- und vom Rennsteiglauf dabei hatten und bei anderen Läufen verteilte.
Nach der politischen Wende 1989/90 gab es einen beängstigenden Einbruch der Teilnehmerzahlen bei breitensportlichen Veranstaltungen, so auch bei den Ausdauerläufen. In der Folge wurde auf einer Klausurberatung des Präsidiums des neu gebildeten GutsMuths-Rennsteiglaufvereins in Mühlhausen, die Lage nüchtern analysiert und Ideen gesammelt, die zu einem langfristigen Entwicklungskonzept führten. Darin enthalten waren neben den neuem Strecken, die Ausweitung auf die Zielgruppe der Wanderer, die Kinderläufe und der Versuch den gesamten Rennsteig über die ca. 170 Kilometer in die Arbeit des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins einzubeziehen. So wurden spezielle Rennsteigrekordwanderungen und –läufe organisiert und ein Rekordbuch, in welches Einzelleistungen bei der Bezwingung des gesamten Rennsteigs im Sommer, als auch im Winter eingetragen wurden, geführt. Ein echt goldener Ehrenring für den schnellsten Skiläufer, der den gesamten Rennsteig am Stück schaffte, wurde ausgelobt.
Besonders verdient mit solchen werbeträchtigen Veranstaltungen außerhalb des Rennsteiglaufs machte sich Ullrich Röder, der Anfang der 1990er Jahre aus dem „Norden“ nach Gera gekommen war und zeitweilig als persönlicher Sekretär beim ehrenamtlichen Vereinspräsidenten eingestellt werden konnte. Er wurde der Initiator und ständige Organisator der „Rennsteig-Etappenläufe“, die seit 1996 insgesamt 43 Mal in Folge stattgefunden haben. Sein Nachfolger ab 2018, Sieghard Zitzmann, sagte auf der Mitgliederversammlung des Rennsteiglaufvereins über Röder: „Die Formel fand der studierte Mathematik- und Physiklehrer in der Rennsteigerkundung von Julius Pläncker, der 1830 in fünf Etappen von der Werra bis zur Saale gewandert war, später bezeichnet als Pläncknersche Runst. Die Probe absolvierte er (Röder) mit drei weiteren Sportfreunden. Beim Testlauf 1996 sind die Vier das Teilstück vom Inselberg nach Neustadt sogar an einem Tag gelaufen. Einzige Betreuerin war seine Frau Jutta. Sie hat das Begleitfahrzeug gesteuert…Der Rennsteig-Etappenlauf soll ein Vereinsangebot bleiben. Hier gibt es kein Geld zu verdienen. Natürlich soll auch keines draufgelegt werden. Einnahmen und Ausgaben des Rennsteig-Etappenlaufes bilden den größten Anteil der Umsätze im Zweckbetrieb des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins und belegen, dass die satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins durch eigene Aktivitäten verfolgt und nicht nur in die Rennsteiglauf GmbH ausgelagert werden.“
Mit den Etappenläufen wird eine zusätzliche ganzjährige Werbung für den Rennsteiglauf garantiert.
Melden sich 2018 nun 20.000 Teilnehmer beim Rennsteiglauf an? Der viel zu früh verstorbene Mitgründer Hans-Joachim Römhild hatte als Diplommathematiker eine Berechnungsformel für die Prognose der Teilnehmerzahlen gefunden. Demnach hätten nach dem Meldestand vom 5. Dezember 20.143 Anmeldungen erwartet werden können. Bedingt durch veränderte Fristen für Startgeldrabatte war diese Prognose aber nur bis Mitte Dezember stimmig und hat sich wieder ausgeglichen. Mit der 10.000. Meldung, die diese Woche erwartet wird, kann der Rennsteiglauf 2018 wieder wie im Vorjahr mit ca. 18.000 Anmeldungen rechnen.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Fotonachweis: Aus dem Fotoalbum von Hartwig Zörner stammt dieses Foto aus DDR-Zeiten von Hans-Joachim Römhild (rechts) bei einem Ausdauerlauf im Umland von Berlin, wo er mit Zörner für den Rennsteiglauf Werbung machte.

Thüringische Landeszeitung vom 10. Januar 2018 Nr. 570

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