Werner Kühnert Fördermitglied im USV Jena e. V. zum 95. - meinanzeiger.de
7. Dezember 2016
Jena

Werner Kühnert Fördermitglied im USV Jena e. V. zum 95.

Als Skiläufer und Rasenkraftsportler erfolgreich


Der Rasenkraftsport war in Deutschland im 1891 gegründeten „Deutschen Athleten-Verband“ organisiert. Neben Ringen und Gewichtheben hatten die Schwerathleten auch Einzelmeisterschaften im Steinstoßen auf ihrem Programm, das in drei Klassen ausgetragen wurde. Später kamen noch die Tauzieher, Rasenkraftsportler und Judoka zum Verband, der um 1918 unter dem Namen „Deutscher Kraftsportverband“ etwa 30.000 Mitglieder hatte. Thüringen war der 10. Kreis in diesem Verband und hatte etwa 30 Mitgliedsvereine. In Jena gab es seit 1900 ein „Ring- und Kraftsportverein“. Über Ringkämpfe wurde regelmäßig in der Zeitung berichtet. Diese fanden teilweise im Stadttheater statt, sogar mit internationaler Beteiligung. Der älteste bisher bekannte offizielle Tauziehwettbewerb in Jena fand am 23. Juni 1912 statt. Die Akademische Abteilung des VfB Jena (heute USV) organisierte das erste Leichtathletik-Sportfest als „1. Nationale Olympische Spiele“, welches von den besten Sportlern Deutschlands besucht wurde. Die Tauziehwettbewerbe waren die letzte Disziplin. Vor fast 2.000 Zuschauern wurde die Militärmannschaft der 94er, die in Jena stationiert waren, Sieger. Auch beim 1. Turn- und Sportfest der Universität 1914 gab es Tauziehwettbewerbe, die ebenfalls von den 94ern gewonnen wurden.
Über die zum Teil heute noch üblichen Disziplinen des Rasenkraftsports wie Steinstoßen, Hammerwerfen und Kugelstoßen findet man in dieser Zeit nur wenige Ergebnisse. Diese Wettbewerbe wurden häufig bei Turnfesten ausgeschrieben. So fand z. B. am 8. Juli 1903 das 10. Inselberg-Turnfest mit Wettbewerben im Stabhoch- und Weitspringen, Steinstoßen und Gewichtheben mit beiden Händen (75kg) statt. Unter den 692 Teilnehmern waren auch einige Jenaer Turner.
Bei Leichtathletikwettkämpfen gehörte bis 1914 als Kuriosität, aus heutiger Sicht, das Fußballweitstoßen. Ab den 1920er Jahren findet man Jenaer Turner und Leichtathleten in Ergebnislisten unter Steinstoßen, so 1929 beim Akademischen Turnbundsfest in Klagenfurt, wo Schmidt vom ATV Gothania Jena im Steinstoßen mit 8,07 Meter auf den zweiten Platz kam. Nach dem II. Weltkrieg gewann der Rasenkraftsport in der Jenaer Leichtathletikszene viele Anhänger, auch weil er eine „gerechtere“ Wertung ermöglichte. Die Einteilung in vier Gewichtsklassen, wo die Sportler, vom Federgewicht (bis 67,5 kg) bis zum Schwergewicht (über 82,5 kg) eingeteilt waren, bot viel mehr Sportlern die Möglichkeit zu Titeln zu kommen. Die meisten Rasenkraftsportler gehörten zur BSG Motor Carl Zeiss Jena. Eine kurze Zeit waren die Spitzensportler sogar Mitglieder des SC Motor. Einer von ihnen war Werner Kühnert der kürzlich seinen 95. Geburtstag feierte und eines der ältesten Mitglieder des USV Jena ist. Als Sportstudent kam er um 1950 nach Jena. Der in Piesau bei Neuhaus am Rw. geborene Kühnert war ebenso, wie sein Zwillingsbruder, sonst eher Turner und Wintersportler. Im Schulsport sehr aktiv, kamen die Kühnert-Zwillinge auf eine Art Eliteschule für die Landjugend nach Gotha. Hier wurden sie Segelflieger, was seinem Zwillingsbruder zu Ende des zweiten Weltkrieges zum Verhängnis wurde, und seit einem Bombenangriff auf einen Flugplatz wo er eingesetzt worden war, verschollen ist. Nach Ende des Krieges und Abschluss der Schulausbildung kam Werner Kühnert zum Sportstudium nach Jena. Er gehörte zu einem der ersten Matrikel dieses Studiengangs. Als guter Wintersportler startete er 1951 bei den 1. Studenten-Wintersportmeisterschaften der DDR in Brotterode und wurde Sechster über 18km und Studentenmeister im Spezialsprunglauf. Seine sportlichen Meriten waren Grundlage dafür, dass er 1952 Mitarbeiter in der neu gebildeten „Abteilung Studentische Körpererziehung“ an der Uni, die für den Pflichtsport aller Studenten zuständig war, wurde. In diesem Bereich blieb er bis zu seinem 65. Lebensjahr. Er war unter anderem verantwortlich für Übungsgruppen im Turnen, in der allgemeinen Körpererziehung, in der Leichtathletik, im Wintersport und in den letzten Jahren im Judo. Seine größten sportlichen Erfolge hatte Werner Kühnert im Skilanglauf, Ski alpin und im Skispringen. So wurde er z. B. 1953 bei der ersten Zentralen Spartakiade der Sportvereinigung Wissenschaft in Oberwiesenthal Zweiter in der Nordischen Kombination, und bei Bezirksmeisterschaften in Lobenstein gewann er sogar einmal den Torlauf, obwohl er einen Stock verloren hatte. Wenig bekannt ist, dass er in der Mitte der 1950er Jahre für den SC Motor Jena als Rasenkraftsportler an den Start ging. Dem Hobbysporthistoriker Klaus Brendel ist es zu verdanken, dass dieses Kapitel bekannt wurde. So schreibt Brendel: „Kühnert errang 1955 mit der Mannschaft des SC Motor Jena im Rasenkraftsport einen DDR-Meistertitel, und im Einzel wurde er Dritter. 1956 und 1957 belegte er sowohl in der Mannschaft als auch im Einzel dritte Plätze. Als Mittelgewichtler brachte er es im Hammerwerfen auf eine Bestleistung von 45,26 m.“ Seit Anfang der 1980 verschrieb sich Werner Kühnert zunehmend dem Ausdauerlauf und nahm erfolgreich am GutsMuths-Rennsteiglauf, am Jenaer-Kernberglauf und anderen Läufen der Umgebung in Jenas Umgebung teil. Beim Kernberglauf stand er zwischen 1980 und 2001 siebenmal auf dem Treppchen. Ausgerechnet bei seinem letzten Lauf, mit 80 Jahren wurde er „nur“ Vierter. Die Organisatoren hatten die AK 80 eingespart, hier wäre er Zweiter geworden. Als Besonderheit bei diesem Lauf darf gelten, dass er die ganze 15km lange Strecke mit seinen Skilanglaufstöcken lief, so wie er es immer beim Sommertraining der Skiläufer getan hatte. Werner Kühnert lebt heute gut betreut im Sophienstift in Weimar.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Die Rasenkraftsportler und Werfer von Motor Jena. Werner Kühnert, vordere Reihe rechts, neben ihm (r.) der Trainer Artur Linß.

In: Thüringische Landeszeitung vom 7. Dezember 2016 Nr. 517

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