23. August 2021
Jena

Pfarrerin tourt mit der „Koffer-Raum-Kirche“ durch ihre Orte

Bäckerauto als Vorbild: Mobiles Projekt soll für Begegnung sorgen

Jeannette Schurig (Foto: Privat)

Ein außergewöhnliches Projekt läuft gerade im Kirchspiel Magdala/Bucha (Kirchenkreis Jena): Jeannette Schurig ist in den Sommermonaten mit der „Koffer.Raum.Kirche“ unterwegs. Die Pfarrerin fährt mit dem Auto zu angekündigten Terminen vor die Kirchen, der Kofferraum steht offen, sie hat Material aufgebaut wie Bücher, Info-Flyer, Andachtsblätter und Gesangbücher, eine Kaffeekanne ist dabei, und sie lädt dazu ein, „über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen“. Mit dem Motto „Drei Worte mit vier Rädern“ wirbt Jeannette Schurig für ihr Projekt.

„Im ländlichen Raum gibt es kaum noch öffentliche Treffpunkte wie Gaststätten oder Läden, und ein Bäckerauto fährt rum, damit die Leute zumindest Brot bekommen. Da dachte ich, was ein Bäcker kann, kann ich auch“, erklärt Pfarrerin Jeannette Schurig die Idee dazu. „Das Mobile, Verbindende gefällt mir dabei besonders. Ich will einen Begegnungsraum schaffen“, betont die Pfarrerin.

Wie sie festgestellt hat, möchten die Leute mit ihr mehr Zeit verbringen. „Aber bei 14 Dörfern habe ich nach dem Gottesdienst keine Zeit für Gespräche, weil ich weiter muss. Mit der Kofferraum-Kirche kann ich Begegnung ermöglichen und gleichzeitig Berührungsängste abbauen“, so Schurig. Der regelmäßige Kontakt zu den Menschen ist ihr sehr wichtig. „Austritte werden oft begründet, dass es keinen persönlichen Kontakt zum Pfarrer gibt. Ich möchte sichtbar sein, und es ist schön zu sehen, wie die Leute das genießen.“

Bei den Terminen gibt es kein festes Programm. Geplant war wie bei einem Markt ein Kommen und Gehen, aber die meisten Leute erscheinen pünktlich am Anfang. Deshalb wird jetzt immer mit einer Andacht begonnen. Zudem steht das Auto nicht wie anfangs geplant an öffentlichen Orten in der Dorfmitte, denn das hat nicht funktioniert, sondern vor der Kirche. Manchmal ist gleichzeitig jemand in der Kirche, um Orgel zu spielen oder etwas zu erzählen, aber im Vordergrund steht der Platz am Auto – ein Kombi, für den ein Autohaus die Werbefolien mit den Aufschriften „Kirche auf Rädern“ und „Kirche macht die Klappe auf“ an der Kofferraumklappe sowie dem Logo der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gesponsert hat.

Die Resonanz ist von Dorf zu Dorf unterschiedlich. „Von vielen wird das Treffen richtig zelebriert, sie bringen Kuchen, Eis oder Blumen mit“, erzählt die Pfarrerin. Sie ist selbst begeistert von ihrem Projekt. „Ich mag Überraschungen. Deshalb mag ich auch die Kofferraum-Kirche: Ich weiß nie, was passiert – sind Kinder dabei, reicht der Kaffee, wer wird kommen. Und mal sind es nur gesellige Treffen, mal gebe ich Informationen weiter, mal ist echte Seelsorge nötig“, berichtet sie.

Im Kirchspiel Magdala gibt es derzeit neun Kirchen, drei Friedhofskapellen und zwei Pfarrhäuser mit Nebengebäuden.  Pfarrerin Schurig ist zuständig für knapp 1.200 Gemeindeglieder in 14 Orten südwestlich von Jena. Unterstützt wird Sie dabei von einem engagierten Team ehrenamtlicher Helfer vor Ort.

 

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