21. September 2017
Jena

Sponsoren sichern Wettkämpfe

Sporthistorie zum Rennsteiglauf und dem USV Jena e. V.

Wer die diesjährige Ausschreibung des Jenaer Kernberglaufs genauer anschaut und die Homepage studiert wird feststellen, dass ein wichtiger Sponsor, die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, nicht mehr dabei ist. Auch beim USV Jena e. V. ist dieser traditionelle Sportsponsor nicht mehr zu finden. Die Hintergründe dafür sind nicht bekannt, es soll sich aber um eine grundsätzliche Veränderung des Sponsorenengagements von Köstritz handeln. Seit dem Juli 1997 ist die Brauerei der größte Sponsor des USV gewesen, wenn man mal von der Universität absieht. Der damalige Präsident des USV Professor Karl-Ulrich Meyn und der damalige Geschäftsführer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei Frank Siegmund schlossen einen Hauptsponsorvertrag ab. Der Vertrag sicherte der Brauerei Branchenexklusivrechte und dem USV als Breitensportverein für seine Verhältnisse einen hohen Sponsorenbetrag, der in den fast 20 Jahren inclusive Sachleistungen geschätzt fast eine Viertel Million Euro ausgemachte, wovon auch jedes Jahr der Kernberglauf profitierte.
Dem Vertrag waren umfangreiche Verhandlungen vorausgegangen, die im Zusammenhang mit dem Engagement von Vereinsmitgliedern in der Thüringer Laufbewegung und besonders beim GutsMuths-Rennsteiglauf zustande gekommen waren. Auf dem Rennsteig war die Köstritzer Schwarzbierbrauerei durch Vermittlung des vormaligen Präsidenten des Landessportbundes, Professor Manfred Thieß schon seit 1993 engagiert. Auf der Suche nach Sponsoren für den USV hatte der damalige Schatzmeister Verhandlungen
mit der Rosenbrauerei geführt. Eine persönliche Bekanntschaft und die Tatsache, dass die Universität seit Jahrhunderten über die Gaststätte „Zur Rosen“ verfügt, hatten hier für gegenseitiges Interesse gesorgt. Die ins Auge gefasste Sponsorsumme lag für USV-Verhältnisse an der Spitze bisher bekannter Höhen.
Dazu sollte noch Freibier für Veranstaltungen kommen. Bei ähnlichen
Verhandlungen beim Rennsteiglauf kamen diese Aktivitäten am Rande zur Sprache, worauf die zuständige Mitarbeiterin von der Köstritzer Brauerei nach kurzem Telefonat mit ihrem Chef sofort den doppelten Betrag anbot. Dem konnte der damalige USV-Vorstand nicht widerstehen.
Für den Kernberglauf war das Ergebnis ebenfalls einegute finanzielle Unterstützung, wenn auch mit der TEAG schon kurz nach politischen
Wende 1990 in der DDR ein Hauptsponsor mit deutlich größerem Engagement
vorhanden war, wofür Mitglieder der Laufgruppe, vor allem Eckehard Gläßer
gesorgt hatten. Zu DDR-Zeiten gab es im Prinzip kaum Sponsorenvereinbarungen
zwischen breitensportlichen Laufveranstaltungen und Firmen. Eine Ausnahme
stellte hierbei der Rennsteiglauf dar, der seit 1975 unter der Überschrift „Öffentlichkeitsarbeit“ immer wieder Partner aus der volkseigenen Industrie gewann, die sich mit Geld oder Sachleistungen unterstützend engagierten. Zur Finanzierung des Laufes wurden damals viele Betriebe angeschrieben. Weit über 100 Geld- und Sachspenden konnten registriert werden. Zu den Kuriositäten aus heutiger Sicht gehörte z. B., dass von der Forstwirtschaft Suhl zwei rustikale Außenthermometer gestiftet wurden, das Antennenwerks Bad Blankenburg spendete eine Autoantenne, der VEB Elektronik Gießübel zwei Fernsehnetzteile und 50 Kleiderbügel kamen vom VEB Kleiderbügelwerk Gießübel usw. Den höchsten Geldbetrag stellte der Kalibetrieb „Merkers“ mit 300,- M zur Verfügung. Aus diesen ersten Kontakten wurden dann teilweise jahrelange Verbindungen.
Ein wichtiger Partnerwar beim Rennsteiglauf bis zur Wende „robotron Zella-Mehlis“. Durch das Engagement von Rennsteigläufern um Peter Latzel, die zu den Mitarbeitern gehörten, wurde das modernste Zeiterfassungssysteme für Massenläufe der DDR entwickelten.
Auch der Kernberglauf hatte kurz nach der Wende einen Sponsor (Kanka-Datensysteme) für die Zeiterfassung, auf Grund persönlicher Kontakte des damaligen Abteilungsleiters Rolf Schoder gewinnen können. Im Prinzip stützen sich alle Gesamtleiter des Kernberglaufs von Andreas Schmidt über Heinrich Fricke, Angela Nüske, Peter Fuchs bis zu Peter Losso auf die vielen ehrenamtlichen Organisatoren und Helfer, die noch heute von der
Abteilung Ausdauerlauf-Walking aber auch von den USV-OLer, den Judokas und dem SV Carl Zeiss Jena-Süd gestellt werden. Einen besonderen „Sponsor“ zu DDR-Zeiten stellte die Volksarmee dar, über deren Sportverein „ASG Vorwärts“ u. a. einen LKW organisiert wurde. Dazu gab es auch Versuche mit Funktechnik die Verbindung zwischen dem Start-Ziel-Gelände an der Muskelkirche und Verpflegungspunkten herzustellen. Dies war bis zur Erfindung der Mobiltelefone in der bergigen Lage der Strecken immer ein Problem.
Hierzu wurde schon 1912, beim I. 30-Kilometergepäckmarsch, den man als ersten Ausdauerlauf in Jena betrachten kann, experimentiert. Funker sorgten dafür, dass zwischen dem Wendepunkt in Bürgel und dem Ziel in der Oberaue ein Nachrichtenaustausch möglich wurde. Das ist aber eine der nächsten Geschichten.
Der Kernberglauf ist bisher auf Grund desehrenamtlichen Engagements und von Sponsorenunterstützung durch seine sehr niedrigen Startgelder (maximal 13,00 €) „aufgefallen“. Ob dies langfristig nach Ausstieg der Köstritzer gehalten werden kann, wird die Schlussrechnung in diesem Jahr zeigen.

Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Fotonachweis: Fotosammlung Kremer:Die Hauptsponsorenverträge wurden früher immer in feierlicher Form bei einer
Pressekonferenz vom USV Präsidenten mit dem jeweiligen Geschäftsführer
abgeschlossen; hier 2002 Professor Steyer (re.) und Frank Siegmund bei der
Vertragsunterschrift.

In: Thüringische Landeszeitung vom 20.9.2017 Nr. 555

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