Warum Roland Matthes keine Medaillen für die Uni Jena gewann - meinanzeiger.de
25. Dezember 2019
Jena

Warum Roland Matthes keine Medaillen für die Uni Jena gewann

Jenaer Sporthistorie

Unter der „Rubrik“ Olympiade-Teilnehmer mit Bezug zu Jena kann man auch den vor kurzem verstorbenen Roland Matthes finden, da er von 1978 bis 1984 in Jena Medizin studierte. Seine großen sportlichen Erfolge als Rückenschwimmer lagen allerdings vor seiner Jenaer Zeit. Über sieben Jahre – von April 1967 bis August 1974 – ging er aus allen Wettbewerben über die Rückendistanzen als Sieger hervor. Er gewann nacheinander vier Europameister- und drei Weltmeisterschaften und schwamm zwischen 1967 und 1973 insgesamt 19 Welt- und 29 Europarekorde. Als Olympiateilnehmer 1968, 1972 und 1976 gewann er insgesamt acht Medaillen (4 × Gold, 2 × Silber, 2 × Bronze).
Zu Roland Matthes ersten Übungsleitern und Trainern in Erfurt gehörte Jutta Langenau, die erste DDR-Europameisterin (1954) überhaupt. Sie gehörte zur ersten Generation erfolgreicher Schwimmerinnen und Schwimmern in Erfurt. Einige von diesen haben dann, wie zum Bespiel Gerhard Giera, den man noch heute in den Ergebnislisten internationaler Altersklassenwettkämpfe findet in Jena studiert. Jutta Langenau studierte am Institut für Körpererziehung in Jena und ging nach dem Studium als Trainerin wieder nach Erfurt, wo Roland Matthes als Schüler zu ihrer Trainingsgruppe gehörte.
Während seines Medizinstudiums hatte dieser die Möglichkeiten bei DDR-Studentenwettkämpfen an den Start zu gehen. Die kleine aber leistungsfähige Schwimmgruppe der HSG Uni Jena (heute USV) wurde von Dr. Hans Weckel geleitet. Dieser war insgesamt 41 Jahre in verschiedenen Leitungsfunktionen im Schwimmsport tätig. Nach der Wende 1990 sogar im Thüringer Landesverband. Zum Abschluss seiner 41jährigen Übungsleiterlaufbahn im Sportschwimmen hatte er sogar einen WM-Dritten im Schwimmen unter seinen Fittichen. Der frühere Geraer Christian Geßner, Bronzemedaillengewinner über 200 m Lagen im australischen Perth 1991, studierte nämlich, ebenfalls wie Matthes, einige Semester Medizin an der Friedrich-Schiller-Universität. Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Darmstadt sorgte er über seine alte Spezialdisziplin für den ersten Titel Deutschen Hochschulmeistertitel der Jenaer Uni nach der Wende.
Dr. Hans Weckel lobte Geßner, da er als sehr erfolgreicher Leistungssportler die Teilnahme an Studentenmeisterschaften ernst nahm und auch regelmäßig zum Training kam. Mit zwei noch erfolgreicheren DDR-Schwimm-Assen hatte Weckel weniger Glück. Als Roland Matthes sein Medizinstudium in Jena fortsetzte, wollte ihn der Schwimmenthusiast für die Uni-Mannschaft gewinnen. Die republikweiten Pokalwettkämpfe standen vor der Tür, da wäre ein olympiaerfolreiche Rückenspezialist gerade recht gewesen. Doch wer nicht zum Training kam, war Roland. Er hätte sich mit der Zeit vertan und stand schon unter der Dusche als der Übungsleiter im Ehrenamt den Star suchte. Die Gelegenheit doch noch ein paar Bahnen zu absolvieren, ließ der vierfache Olympiasieger einfach ungenutzt. Ohne ihn wurden die Jenaer Studentenschwimmer statt Zweite im DDR-Pokal Dritte. An weiteren Wettkämpfen nahm Matthes für die Uni nicht teil, erinnerte sich Weckel in den 1990 Jahren in einem Zeitungsinterview.
Ebenfalls keine „Lorbeeren“ konnten Jenas Uni-Schwimmer mit Matthes Ex-Frau, Kornelia Ender, erreichen, obwohl diese eine Zeit lang am Training am gemeinsamen HSG-Schwimmtraining teilnahm. Kornelia Ender hat insgesamt vier Gold und vier Silbermedaillen auf ihrem Erfolgskonto. Auch sie studierte Medizin in Jena, brach das Studium aber nach einigen Semestern ab. Weckel hatte einen „guten Draht“ zu ihr, so dass sie bei kleineren Wettkämpfen an den Start ging. Zu Bezirksstudentenmeisterschaften musste sie sich jedoch mächtig strecken, um die Brandenburgerin Veronika Papke auf der 100-m-Rückendistanz noch abfangen zu können. Davor hatte die Hallenserin beim Sektions- und Übungsleiter Dr. Weckel Trost gesucht, weil eine Schwimmeisterin die mehrfache olympische Goldmedaillengewinnerin forsch zurechtgewiesen hatte, weil sie sich im Badeanzug duschte, konnte man in dem Interview lesen, welches Bernd Scheffel 1995 mit Weckel für die OTZ führte.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Im Fotoarchiv des Unisports befindet sich ein Foto von Roland Matthes (3.v.l.) , wo er 1972 nach seinen Olympiaerfolgen in der Aula der Uni zu einem Sportlerforum war und anschließen Unterschriften gab, hier für Dr. Paul Dern (2.v.l.).

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