27. April 2017
Jena

Zur Geschichte des Fußballs in Jena

Ein Benefiz-Spiel zugunsten des Abbe-Denkmals


Nach 100 Jahren gelang es 2016 dem „Supporters Trust e. V.“, das von der Universität versprochene Ehrenmal für Hermann Peter fertigzustellen. Hermann Peter gilt als der Vater des modernen Sports in Jena, spätestens seit dem ersten Fußballspiel einer Jenaer Mannschaft 1893, welches Hermann Peter mit Engländer J. J. Findlay im „kleinen Paradiese“ organisierte und vermutlich selber mitspielte. Er wirkte unablässig an der Entwicklung des Sports und der Sportstätten in Jena, besonders in dem von ihm begründeten „Spielplatzverein“, mit. Er kann neben dem Fußball als der Vater des in Vereinen organisierten Ruderns, Tennis und der Leichtathletik angesehen werden. Ob er tatsächlich der erste Trainer des FC Carl Zeiss war, ist umstritten. Auf jeden Fall war er beratend tätig. Sicher nachgewiesen ist seine Funktion bei den Tennisspielern, wo er bereits 1908 als Schriftführer im Vorläufer der heutigen Abteilung Tennis des USV aktiv mitarbeitete. Aber schon 1904 ließ er das heute noch existierende Tennishaus bauen, so dass man seinen engen Bezug zum „weißen“ Sport voraussetzen kann. Neueste Archivfunde belegen, dass er spätestens ab 1910 gesundheitlich so angeschlagen war, dass er zeitweilig und ab 1914 ganz seinen Dienst als Elementar- und Turnlehrer am Gymnasium aufgeben musste. Ein ärztliches Attest spricht von „Nervenleiden“. Mehrmals besuchte Hermann Peter Heilbäder, so auch Bad Oynhausen. Ob er dort Jakob Schrammen begegnet ist muss offen bleiben. Dieser hatte das dortige „Kaiserbad“ als leitender Architekt fertiggestellt und verschiedene andere Bauten, darunter die Luisenschule und Privathäuser entworfen. In Jena wurde er bekannt durch die „Muskelkirche“ und die Hautklinik am Steiger, wo er als Architekt verantwortlich war. Bereits 1916/17 beschäftigte sich Schrammen als Weimarer Beamter mit der Planung des Ausbaus, der von Hermann Peter geschaffenen Sportstätten in der Oberaue. Unter anderem war ein neues Bootshaus und eine Turnhalle von ihm geplant worden.
Ein bisher wenig beachteter Jenaer Fußballpionier war ein Kollege von Hermann Peter, der Bürgerschuloberlehrer Edmund Alberti, der in der Saalbahnhofstr. 22 wohnte. Einem Brief aus dem Archiv von Uwe Dern ist zu entnehmen, dass 1904 ein G. Reifenweber an Alberti schrieb:
„Für morgen Abend 6 Uhr habe ich sämtliche Fußball und Schlagballspieler denen es am Zustandekommen eines geregelten Spieles etwas gelegen ist, aufgefordert, auf dem Spielplatz zu erscheinen. Am vorigen Sonnabend haben die Jüngeren den Anfang mit dem Fußball gemacht – das war natürlich ein richtiges Gaudium. Von den Älteren waren nur wenige da, zum Überfluss wurde von Orlamünde der Unterschenkel entzwei getreten. Ich meine, wenn hier nicht auch etwas auf Ordnung gesehen wird, wird kaum auf ein regelrechtes Spiel nicht gerechnet werden (können).“
Im Ergebnis dieses Treffens findet man dann folgende handschriftliche Notiz: „Infolge (der) Einladung versammelten sich heute im kleinen Saal des Volkshauses die Interessenten für die Turnspiele 1904. Herr Lehrer Alberti, der die techn. Leitung zu übernehmen bereit ist, wohnte der Besprechung bei. Es bildeten sich 2 Abteilungen für Fußballspiele mit je ca. 25 Teilnehmern. Außerdem kommen wahrscheinlich 2 Abteilungen für Schlagballspiele zu Stande, für die nur je 10 – 12 Teilnehmer nötig sind.“
Der FC Carl Zeiss Jena, der heute seinen Gründungstermin im Jahre 1903 verortet hat, feierte lange Jahre das Jahr 1904 als sein Gründungsjahr. Inwieweit dies mit der Bildung von zwei Mannschaften von Alberti zusammenhängt, muss noch geklärt werden. Alberti taucht ab 1904 regelmäßig in Berichten über sportliche Ereignisse auf. Sogar bei dem legendären Leichtathletikwettkampf 1912, bei dem es um die Vorbereitung der Olympiakämpfer auf die Spiele von Stockholm ging und der vom Verein für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) organisiert wurde, gehörte Alberti neben Carl Diem, dem Vorsitzenden der Deutschen Sportbehörde für Athletik, zu den leitenden Schiedsrichtern. 1921 wurde in einem Zeitungsartikel über Jenas Leichtathletik Alberti gewürdigt: „Er stellt sich dabei weniger in den Vordergrund, aber diejenigen, die ihn näher kennen, wissen, daß er, wie selten einer, für unsere Sache begeistert ist und arbeitet.“ Dem von Reyk Seela hervorragend recherchierten Buch „Wanderwelten“ ist es zu verdanken, dass wir heute wissen das Alberti 1920 auch zu den Mitgründern des Zweigausschuss Thüringen des Vereins „Deutsche Jugendherbergen“ gehörte und zeitweilig als Geschäftsführer das Büro in seiner Privatwohnung hatte.
Zum FC Carl Zeiss kann noch ergänzt werden, dass er nicht nur zu einem profilierten Fußballverein in Ostthüringen wurde. Er engagierte sich auch schon in der Gründungszeit für die Belange in der Stadt. So gab es 1910 ein Fußballspiel zum Besten der Erbauung des Ernst Abbe-Denkmals. Der F. C. C. Zeiß spielte gegen den B. C. Olympia Leipzig und gewann 4:0. „In der Zeißmannschaft sind hervorzuheben Krauß, Heinek, Graf, Schuster, Hätzer, sowie die Verteidigung, aus Herklotz und Knauth bestehend. Der neu eingestellte Mittelstürmer Bräutigam wird sich gut machen. Zirka 1200 Zuschauer folgten mit Interesse dem schönen Spiel und (es) konnten infolge des guten Besuches ein Reinertrag von 195 Mk. und 32 Pfg. dem Kassierer des Ausschusses zur Errichtung eines Ernst Abbe-Denkmales, Herrn Oberbürgermeister Dr. H. Singer, überreicht werden“, kann man in der Verbandszeitung „Mitteldeutscher Sport“ lesen.
Dr. Kremer
Bildunterschrift: Auf einer Postkarte von 1912 kann man das neue Denkmal für Ernst Abbe sehen. Im Hintergrund ist noch sein Wohnhaus erkennbar, welches später nach Lichtenhain umgesetzt wurde.

In: Thüringische Landeszeitung vom 26. April 2017 Nr. 536

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