17. Mai 2020
Kultur

Britischer Musiker Phil May verstorben

Phil May bei einem Konzert der Pretty Things am 4. November 2004 im Erfurter Haus der Gewerkschaften. (Foto: Gerd Zeunre)

Am Morgen des 15. Mai 2020 verstarb der Mitbegründer und Frontmann der legendären britischen Band The Pretty Things, Phil May, im Alter von 75 Jahren. Der Musiker hatte im Frühjahr 1963 gemeinsam mit dem Gitarristen Dick Taylor die Pretty Things gegründet, die bis Ende 2018 musikalisch aktiv waren.

Die Formation setzte in ihrer 55-jährigen Bandgeschichte musikalische Maßstäbe und kreierte innovative Glanzstücke, erreichte aber nie den kommerziellen Erfolg beispielsweise der Rolling Stones. Allerdings ist sie Vorbild zahlreicher bekannter Musiker und genießt bei ihren Fans weltweit Kultstatus.

Die Pretty Things waren in ihren Anfangsjahren härter, langhaariger und kompromissloser als die Stones. Ihre wilden Bühnenshows sind legendär. Led Zeppelin-Sänger Robert Plant ließ sich von Phil Mays Auftritten für seine eigenen Live-Acts inspirieren und dass der Schlagzeuger von The Who, Keith Moon, das exzessive Gebaren des ersten Pretty Things-Drummers Vivian Prince einst kopierte, ist kein Geheimnis. David Bowie coverte für sein Album „Pinups“ gleich zwei Pretty Things-Hits und erfolgreiche Bands wie Aerosmith, Kasabian und die Ramones bekennen sich zu Pretty Things-Einflüssen.

Denn Dick Taylor und Phil May haben mit ihrer Band zahlreiche Innovationen in der populären Musik lanciert und einige musikalische Meisterwerke abgeliefert. Ihre erste Single „Rosalyn“ nahm in ihrer rauen Art den zehn Jahre später die britische Insel überschwemmenden Punk vorweg. Die krude Rock-Nummer schaffte es in den britischen Charts bis auf Platz 41, mit dem folgenden „Don’t bring me Down“ landete die Band ihren einzigen Top-Ten-Hit. Mit „Defecting Grey“ veröffentlichten die Pretty Things 1967 eine Single, auf der erstmals in einem Song mehrere völlig unterschiedliche Melodien ineinander übergehen. Ein Jahr später schuf die Band mit dem auf einer Kurzerzählung Phil Mays basierendem Konzeptalbum „S. F. Sorrow“ die erste Rockoper der Musikgeschichte. Das nächste Pretty Things-Album, „Parachute“, wurde von der Kritik hochgelobt und vom Fachmagazin „Rolling Stone“ zur „LP des Jahres 1970“ gewählt. 1976 veröffentlichte May ein Soloalbum, bei dem anfangs Musiker der Bands Fleetwood Mac and Humble Pie mitwirkten.

Phil May 2016 in Lichtentanne. (Foto: Gerd Zeuner)

1998 führten die Pretty Tings erstmals ihr komplettes Meisterwerk „S. F. Sorrow“ live auf. Bei dem Konzert in den Londoner Abbey Road Studios, das ins Internet übertragen wurde, wirkten Stars wie Arthur Brown und der Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour mit. Ein Jahr später erschien mit „Rage Before Beauty“ ein neues Album der Pretty Things, das nichts vom alten Feuer eingebüßt hatte. Ihr letztes Studioalbum veröffentlichten sie 2015, der letzte Live-Auftritt war am 13. Dezember 2018 in London. Dabei wurde die Band auf der Bühne von namhaften Musikerkollegen wie David Gilmour und Van Morrison begleitet.

Bereits 2014 war bei Phil May ein Emphysem, eine chronische Lungenerkrankung, diagnostiziert worden, worauf er die Konzerttätigkeit mit der Band einschränkte. Dennoch war der Sänger weiterhin auch als Maler kreativ und hielt sich körperlich mit Fahrradfahren fit. Phil May verstarb in einem Krankenhaus in King’s Lynn, Norfolk. Dort hatte er sich nach einem schweren Fahrradunfall einer Hüftoperation unterziehen müssen. Nach der OP traten Komplikationen auf, an deren Folgen er verstarb. „Ursache seines Todes war nicht Corona“, wie seine Familie betont. Phil May hinterlässt einen Sohn und eine Tochter sowie seinen Lebenspartner Colin Graham.

Nach einem Pretty Things-Konzert 2012 in Lichtentanne kam ich meinen Idolen ganz nahe: Phil May (l.) und Dick Taylor (r.).

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