Der Segen der Großmütter - meinanzeiger.de
11. März 2020
Kultur

Der Segen der Großmütter

Angelika Dietzels Bilder ab 12. März in der Schmöllner Rathausgalerie

Angelika Dietzel in ihrem Atelier / Foto: © Peter Zielinski

Die Kommunikation steht im Mittelpunkt

Am Donnerstag, 12. März, wird um 19.00 Uhr die Ausstellung der Schmöllner Künstlerin Angelika Dietzel in der Rathausgalerie eröffnet. Das Thema lautet: Der Segen der Großmütter.

Die mehrfach ausgezeichnete Malerin setzt sich, ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte, mit den Einflüssen der Großmütter auf unser heutiges Leben auseinander.

Nach den Bildern von Andrea Müller folgt nun schon die zweite Ausstellung, die die Kommunikation mit dem Betrachter wünscht. Doch dieses Mal liegt der Fokus auf dem Rückblick in unsere persönliche Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Frauen, die quasi nebenbei, unser Leben still geprägt haben – die Großmütter.

Angelika Dietzel und Ihre Großmutter

Sie haben die Erziehung der Enkelkinder übernommen, wenn die Mütter arbeiten mussten, oder noch schlimmer, wenn die Väter nicht mehr anwesend waren. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg eine fast alltägliche Situation. Ähnlich ist es der damals dreijährigen Angelika ergangen. Geboren in Reichenbach im Vogtland wurde sie von ihrer Großmutter im kleinen Ort Triebes aufgezogen. Die Oma, die selbst acht Kinder hatte, kümmerte sich jetzt auch noch um die Enkeltochter. „Was ich ihr alles zu verdanken habe“, erinnert sich die Künstlerin. „Es waren die winzig kleinen Dinge, die sie getan hat. Wie sie mit den Tieren umgegangen ist, ihre Kittelschürze, die zerfurchten, feingliedrigen Hände mit den hervortretenden Adern. Und jeden Abend ist sie über der Bibel eingeschlafen.“

Für Angelika Dietzel geht es nicht um ihre eigene Großmutter. „Es geht um diese Generation und den Vergleich mit heute“, beschreibt sie ihr Vorhaben. Es ist mehr ein Kommunikationsanstoß, als nur eine Ausstellung. Neben Gemälden in verschiedenen Techniken, möchte sie auch Gegenstände aus jener Zeit in die Ausstellung integrieren. Alles soll dazu dienen, dass die Besucher untereinander ins Gespräch kommen. „Ich kann als Künstlerin nur den Rahmen vorgeben. Darin können dann andere Sachen entstehen. Und am Ende nimmt jeder neue Gedanken mit nach Hause.“

Angelika Dietzel – Der Segen der Großmütter  / © Angelika Dietzel / repro: Peter Zielinski

Heute bin ich mehr eine Archäologin, als eine Malerin!

Angelika Dietzel war 16 Jahre alt, als ihre Großmutter starb. „Ich hatte schöne Kindheitserfahrungen!“ Sie konnte in dieser bedeutenden und gleichzeitig geruhsamen Welt aufwachsen, bekam das Rüstzeug, um später, Anfang der 70er Jahre in Berlin Modegestaltung zu studieren. „Da lebte ich als Landpomeranze aus Triebes mitten zwischen Schauspielern und Künstlern.“ Ihren geheimen Wunsch zu malen verwirklichte sie erst später, als sie nach Leipzig zog. „Mein Onkel und mein Großonkel haben gemalt. Aber meiner Mutter war Bekleidung so wichtig und dann hab’ ich halt Mode studiert“, erzählt sie. Porträtmalen lag ihr besonders. „Ich konnte gut davon leben. Eine LPG hatte eine Bäuerin, die ausgezeichnet wurde und ich durfte sie dann malen.“

Angelika Dietzel – Der Segen der Großmütter / © Angelika Dietzel / repro: Peter Zielinski

 

„Heute bin ich mehr eine Archäologin, als eine Malerin!“ Angelika Dietzel ist auf der Suche nach den Wundern der Kindheit, den Menschen, deren Gesten und Bewegungen wir im Stillen haben versucht zu kopieren, weil wir nicht wussten, dass wir sie schon längst in uns trugen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Bleibt zu wünschen, dass die Schmöllner Ausstellungsmacher das spannende dialogische Konzept auch in Zukunft fortsetzen werden.

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