19. Dezember 2013
Kultur

Festtagsgrüße

Mit Luxuspapier im 19. Jahrhundert begann die Grußkartentradition – Ausstellung im Regionalmuseum in Bad Frankenhausen


Es ist so einfach: Frohe Weihnachten tippen, Grußkarte auswählen und abschicken per E-Mail oder SMS, am besten gleich an alle gespeicherten Kontakte. Die Technik vereinfacht die Aufgabe, macht sie kostengünstiger. Die Grußkarte aus Papier hat es da schwer, aber optisch und individuell die Nase vorn. Ihr Versenden ist seit über zwei Jahrhunderten Tradition.

In der aktuellen Sonderausstellung «Alles Gute – Glückwunsch, Gruß- und Dankeskarten aus zwei Jahrhunderten, Kostbares aus Papier» im Regionalmuseum in Bad Frankenhausen zeigen über 700 Karten, Raritäten und Sammlerstücke von Helmut Weiß aus Bayern, wie vielfältig die Grüße seit der Biedermeierzeit in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verschickt wurden. Die Menschen gestalteten für jedes Fest im Jahr eine eigene Grußkarte, auch für die persönlichen. Grüße zum Namenstag und zu Pfingsten sind zwar mittlerweile Geschichte und auch die Freundschaftsgrüße sind heute in den Hintergrund gerückt, aber die Grußkarten waren nicht weniger attraktiv.

«Vor 1905 durften die Karten auch nur von vorn beschrieben werden», erzählt Museologin Antje Kuchenbecker und zeigt auf Beispiele. «Die Rückseite war für die ­Adresse.» Erst als die Bürger ihre persönlichen Grüße immer ausführlicher formulierten, hat man die Rückseite anders eingeteilt und neben der Adresse Platz geschaffen.

Karten waren damals wahre kleine Kunstwerke. «Pop up-Karten wurden sogar in kleinen Kartons als Präsente verschickt», sagt die Museumsmitarbeiterin. Zieh-, Aufstell-, Klapp- und Faltkarten gehören ebenso zu den Kunstobjekten, die im Laufe der Jahrzehnte bis heute gefertigt wurden. Auch zwei- und dreidimensionale Karten waren damals schon modern.

Die Karten sind im 19. Jahrhundert aus sogenanntem Luxuspapier gefertigt worden. Luxuspapier deshalb, weil es aufwendig verarbeitet wurde – bunt bedruckt, gestanzt, geprägt, montiert mit Fremdelementen wie Schleifen. Der Begriff entstand, weil dem Papier damals eine neue, besondere Rolle zuteil wurde. «Man bedenke, dass früher nur Dokumente auf Papier gedruckt wurden», sagt Antje Kuchenbecker. Und sie weiß, dass auch einige Menschen in der Region schöne Grußkarten

lange aufbewahren. «Denn zur Ausstellungseröffnung ­kamen Gäste, die Helmut Weiß ihre gesammelten ­Karten überreichten.»

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